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Sachsen

Dubiose Todesfälle geben Polizei Rätsel auf

Nach dem Tod zweier Männer in einem Pool bei Leipzig laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Über die Opfer ist bislang wenig bekannt.

In Gerichshain, einem Ortsteil der sächsischen Gemeinde Machern, starben kurz vor Weihnachten zwei Männer in einem privaten Pool.
In Gerichshain, einem Ortsteil der sächsischen Gemeinde Machern, starben kurz vor Weihnachten zwei Männer in einem privaten Pool. © News5/Grube

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Es ist einer der dubiosesten Todesfälle in Sachsen: Auf einer Weihnachtsfeier am Wochenende vor Heilig Abend sterben zwei junge Männer in einem privaten Außenpool in Gerichshain bei Leipzig, einer ist erst 20, ein Familienvater 39 Jahre alt. Von einem Verbrechen ist nicht die Rede, eher von einem schlimmen Unglück. Das Grundstück in einem Gewerbegebiet soll einem Bauunternehmer gehören, heißt es.

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Durch zunehmende Lockerungen dürfen immer mehr Geschäfte und nun auch wieder Restaurants öffnen. Die Maskenpflicht bleibt jedoch bestehen.

Die Staatsanwaltschaft in Leipzig leitet allerdings dennoch ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge gegen einen 41-jährigen Mann ein. „Die Ermittlungen zum Hergang des Geschehens, insbesondere auch zu der Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit möglicher anderer Personen, dauern weiterhin an“, betont Staatsanwältin Vanessa Fink auf Anfrage. Auch der Anfangsverdacht einer Körperverletzung mit Todesfolge könne sich im Zuge der Ermittlungen wieder ändern.

Klar ist mittlerweile: Die Gutachten der rechtsmedizinischen Untersuchung der zwei gestorbenen Männer gehen zwar von Ertrinken als tatsächliche Todesursache aus. Nach den bisherigen Erkenntnissen habe bei dem Vorfall aber wohl auch Trockeneis eine Rolle gespielt: ein festes Kohlenstoffdioxid, das bei Konzentrationen von mehr als fünf Prozent erstickend wirken kann. Die genauen Umstände des Todes seien noch Teil der laufenden Ermittlungen, so Fink. Dazu gehörten die Fragen, wann und auf welche Art und Weise Trockeneis zum Einsatz kam und die Frage möglicher Auswirkungen des Trockeneises. 

Noch monatelange Untersuchungen

Zur Klärung und Beurteilung der Todesursache seien daher weitere Untersuchungen und Ermittlungen nötig, die mehrere Monate dauern könnten. Verletzt wurde bei dem Vorfall auch ein 47-Jähriger, der aber inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen ist. Nach bisherigen Erkenntnissen seien bei ihm keine bleibenden körperlichen Schäden zu erwarten, so Fink.

Über die Opfer wurden offiziell wenig bekannt. Der Fußballclub 1. FC Lok Leipzig, der für teils rechtsgerichtete Fans bekannt ist, gab an jenem Sonntagabend bekannt, er trauere um seinen ehemaliger Torhüter Pascale G., der tödlich verunglückt sei. „Der gebürtige Dessauer gehörte vom 2016 bis 2018 unserem Verein an und war zuletzt Teil des Regionalligakaders. Er wurde nur 20 Jahre alt.“ 

Anfang Januar veröffentlichte die rechtsgerichtete Mini-Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ einen Nachruf auf Stefan A., der „bei einem tragischen Unfall auf einer privaten Weihnachtsfeier nahe Leipzig ums Leben kam.“ Er hinterlasse seine Frau und zwei Kinder. Die Betriebsorganisation gilt als rechtspopulistisch und rechtsradikal. Auch rechtsradikale Plattenlabel berichteten in sozialen Medien über den tragischen Unfall und sammeln Spenden. Laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft werde derzeit aber nicht wegen eines politischen Hintergrunds der Todesfälle ermittelt. 

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