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Dünnhäutiger Hoffnungsträger

Serbiens Premier Vucic sieht ausländische „Verschwörungen“ gegen sich im Gange. Nach Berlin kommt er heute trotzdem.

© dpa

Von Thomas Roser

Wenn’s nicht rund läuft, sind bei Serbiens dünnhäutigem Hoffnungsträger immer die anderen schuld. Er habe „Beweise“, dass „viele in der internationalen Gemeinschaft, darunter auch Botschafter“ die heimischen Medien unter Druck setzten, um „eine Kampagne gegen mich und meine Familie“ zu führen, schäumte Premier Aleksander Vucic zu Wochenbeginn: „Aber Ihr werdet mich nicht zum Schweigen bringen, und ich werde niemals schweigen. Denn ich sage die Wahrheit – und sie lügen.“

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Noch keine sechs Wochen ist es her, dass der 44-Jährige nach dem Erdrutschsieg seiner nationalpopulistischen SNS bei den Parlamentswahlen im März sein Amt als Regierungschef antrat. Doch schon jetzt liegen beim mächtigsten Mann des EU-Anwärters die Nerven blank. Denn nicht nur die Hochwasser-Katastrophe und die sich im In- und Ausland mehrende Kritik an mysteriösen Fällen von Internet-Zensur, sondern vor allem seine eigenen Patzer und ein schwaches Nervenkostüm haben dem selbsterklärten Staatserneuerer einen handfesten Fehlstart beschert.

Zu Amtsantritt hatte der zum EU-Befürworter mutierte Ex-Nationalist noch schmerzhafte Einschnitte, aber ein absehbares Ende des Krisentunnels gelobt. Wenig später machten die heftigsten Regenfälle seit einem Jahrhundert alle Pläne der neuen Regierung zur Sanierung des Budgets zunichte. Doch nicht nur wegen der auf bis zu zwei Milliarden Euro geschätzten Schäden wurde das Hochwasser für Vucic auch zur persönlichen Katastrophe.

Sein Versuch, sich mit der Live-Ausstrahlung der Sitzungen des Krisenstabs als gestrenger Krisenmanager zu präsentieren, schlug fehl. Das Abkanzeln von Kabinettskollegen („Ruhe dahinten. Wer nicht mitzieht, kann raus!“) stieß eher auf Ver- als auf Bewunderung. Hernach gab es Polizeivorladungen für kritische Journalisten und Facebook-Nutzer, Hacker-Angriffe auf regierungskritische Websites. Als „verlässlicher Partner“ will sich Vucic heute bei seiner Antrittsvisite in Berlin präsentieren. In Belgrad vergleichen Medien den leicht aufbrausenden Premier mit dessen türkischen Amtskollegen Erdogan: Auch Vucic sehe jede Kritik als „feindlichen Akt gegenüber dem Staat“.