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Dürftiges Apfeljahr

Seit dieser Woche nehmen die Sammelstellen Kernobst an. Die Keltereien rechnen mit deutlich weniger als im Vorjahr.

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© Constanze Junghanß

Von Jenny Thümmler und Constanze Junghanß

Landkreis. Schon 2016 war kein Rekordjahr bei der Apfelernte. Die rund 85 000 Tonnen geernteter Äpfel lagen etwas unter dem üblichen Jahresdurchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Dieses Jahr nun könnte die Zahl jedoch noch weitaus geringer ausfallen. Denn der Blütenfrost im Frühjahr hat den Apfelbäumen mächtig zugesetzt, erklärt Grit Striese von der Apfelschmiede in Daubitz. „Im März war es schon so warm, dass es überall blühte. Doch sobald die Knospe aufgeplatzt ist, hat sie keinen Frostschutz mehr.“ Die kalten Tage und Nächte danach haben somit großen Schaden angerichtet. Was das Streuobst angeht, spricht die Biologin gar von einem Ausfall von 95 Prozent, verwendet das Wort „Nulljahr“. Mithin haben die Menschen bisher wenige Früchte zu ihrer Saftmanufaktur gebracht.

Das Kuriose: Die Ernte fällt lokal sehr unterschiedlich aus. Während ganz Rietschen kaum Äpfel ernten kann, hängt ein Baum am Schenkteich in Hammerstadt voll. Anderswo genauso: im Neißetal Äpfel über Äpfel, nichts in Niesky. „Räumlich so begrenzt erlebe ich das zum ersten Mal“, sagt Grit Striese. Sie vermutet den Grund in den Standorten der Bäume. Wo die kalte Luft gut abfließen konnte, haben die Pflanzen wenig Schaden genommen.

Doch nicht nur das Wetter ist für die schlechte Ernte verantwortlich, sagt Kathleen Kitsche, die Junior-Chefin von der Kelterei Kekila in Lawalde/Lauba. „Sondern auch die sogenannte Alternanz“, sagt sie. Die tritt bei verschiedenen Obstarten auf. Bäume tragen dann im Zweijahresrhythmus, sodass einmal die Ernte besonders hoch und einmal eher gering ausfällt.

Zu beobachten ist das jetzt auch in den Kleingärten der Region. Oder an den Feldrändern, an denen Obstalleen seit Jahrzehnten das Landschaftsbild prägen. Bei den Apfelbaumalleen an der B115 zwischen Kodersdorf und Görlitz beispielsweise oder rund um Quolsdorf, Daubitz und Hähnichen hängen zwar Früchte an den Ästen. Doch sind die Apfelzahlen überschaubar. Im Vorjahr kamen die Leute mit Körben zum Aufsammeln und brachten Äpfel zentnerweise zu den Annahmestellen, berichten Keltereien. Diesmal fehlt bei einigen Bäumen der Fruchtbehang ganz.

Keltereien beobachten das mit Sorge. Denn sie sind auf die Früchte der Sammler, Pflücker und Kleingärtner angewiesen. Bei Kekila in Lawalde, wo die Apfelannahme am Montag beginnt, werden im Durchschnitt 1 000 Tonnen Äpfel pro Saison zu Saft verarbeitet. Wer das Obst in einer der elf Annahmestellen abgibt, spart beim Kauf rund 30 Cent pro Flasche. Und Verbraucher haben die Gewissheit, dass regionales Obst verarbeitet wird. Im Raum Niesky gibt es solche Kekila-Annahmepunkte unter anderem in Girbigsdorf und Buchholz. „Wir hoffen, dass diesmal wenigstens 500 Tonnen zusammenkommen“, sagt Kathleen Kitsche. Ist es weniger, muss das Unternehmen Obst zukaufen. So ein Jahr wie 2013, als gerade mal 150 Tonnen Äpfel bei Kekila zusammenkamen, wäre nicht noch mal wünschenswert. Die Erntezeit beginnt bei einigen Sorten etwa ab Ende August und zieht sich bis weit in den Herbst hinein.

Bei der Kelterei Neubert in Rothenburg, wo die Apfelannahme seit Montag läuft, werden die Befürchtungen einer eher mäßigen Apfelsaison 2017 geteilt. Das bestätigt Klaus Neubert, der ehemalige Unternehmenschef. Er hat die Kelterei vor einigen Jahren seiner Tochter Konstanze übertragen, hilft aber immer noch als Rentner gerne mit. „In der Blütezeit war es viel zu kühl“, lautet seine Einschätzung. Deshalb setzten die Obstbäume weniger Früchte an. Nun hofft Klaus Neubert, dass das Obstjahr nicht ganz in Wasser fällt. Genaue Prognosen gebe es aber nicht. „Wir müssen abwarten und schauen, was alles an Obst bei uns reinkommt“, sagt er.

Annahmestellen für die Kelterei Neubert befinden sich unter anderem in Niesky, Gablenz, Weißwasser und Görlitz. Das Traditionsunternehmen bietet ein zusätzliches Angebot für die Obstverwertung an: Mit der mobilen Mosterei kann frisch gepresster Apfelsaft vor Ort für den Verbraucher hergestellt werden. Damit sich das lohnt, sollten aber mindestens 50 Kilogramm Äpfel zusammenkommen, heißt es. Die Saftausbeute betrage dann bis zu 75 Prozent. Ab Montag bis 10. November ist die Mosterei unterwegs – und immer dienstags in Rothenburg.

Informationen zu den Sammelstellen:

www.kelterei-neubert.de; www.kekila.de