merken
PLUS

Bautzen

Der ärgste Feind der Fischwirte

Mit der Trockenheit kommen die Betriebe in der Oberlausitz einigermaßen zurecht. Sorgen bereitet ihnen ein gefräßiger Räuber.

Zuchtteiche sind für Kormorane wie gedeckte Tische. Für die Fischwirte entsteht so ein bedeutender wirtschaftlicher Schaden.
Zuchtteiche sind für Kormorane wie gedeckte Tische. Für die Fischwirte entsteht so ein bedeutender wirtschaftlicher Schaden. © dpa-Zentralbild

Bautzen. Sich an Zungenbrechern wie „Fischers Fritz fischt frische Fische“ zu üben, dafür haben die Lausitzer Teichwirte in diesen Wochen noch weniger Zeit als sonst. Denn für sie beginnt jetzt die arbeitsreichste Zeit des Jahres – sie fischen ihre Teiche ab und bringen die Tiere entweder gleich an den Kunden oder ins Winterquartier.

Und Kunden haben sie in den kommenden Wochen besonders viele. Dafür sorgen die mittlerweile 18. Lausitzer Fischwochen. Vom 21. September bis 3. November gibt es überall in der Region Fischerfeste, Radtouren, Schaukochen und vieles mehr. Zahlreiche Restaurants bieten zusätzlich zur üblichen Speisekarte mindestens drei Gerichte mit heimischem Fisch an. Seit 2002 wollen die jährlichen Lausitzer Fischwochen im Herbst für den schuppigen Schatz der hiesigen Natur werben – und damit auch für die Region als Gastgeber.

Anzeige
IT-Administrator (m/w/d) gesucht
IT-Administrator (m/w/d) gesucht

Sie sind Netzwerkspezialist und lieben die Arbeit in Windows-Umgebungen? Der IT-Dienstleister INFOTECH sucht erfahrene IT-Administratoren (m/w/d).

Tonnenweise Karpfen

Von Anfang an mit dabei ist die Teichwirtschaft Ringpfeil in Wartha, die vor allem Karpfen anbietet, aber auch selbst gezüchtete Hechte, Zander, Welse, Schleien, Forellen, Saiblinge und Störe. Den Fisch gibt es unter anderem beim Erntedankfest in Kotten am 12. Oktober und beim Schaufischen am Großen Ballackteich in Litschen am 19. Oktober. Darüber hinaus mundet Ringpfeil-Fisch in mehreren Restaurants. „Eben gerade habe ich zum Beispiel schon das Barockschloss Rammenau beliefert“, berichtet Karsten Ringpfeil, der in diesem Jahr allein bei Karpfen mit einer Ernte von 70 bis 90 Tonnen rechnet. Das hört sich viel an – aber es waren schon mal mehr. 2012 etwa holten Ringpfeils 100 Tonnen Karpfen aus ihren 52 Teichen.

2019 sei „ein ähnlich schlechtes Jahr“ wie 2018, sagt Karsten Ringpfeil. Sollten solche Dürrejahre zukünftig Normalität werden, müsse er sich wohl mit der Frage beschäftigen, ob besonders betroffene Gewässer nicht mehr bewirtschaftet werden können. Aber außer der Trockenheit ärgert die Teichwirte noch ein anderer Feind: der Kormoran. Der dauerhungrige Vogel jagt die Fische, die sich dadurch völlig verängstigt im Schilf verstecken und nicht mehr ans Futter gehen.

Hohe Temperaturen tun Karpfen gut

Auch Helmut und Karsten Tusche von der Fischzucht Rietschen erleben den Kormoran „als Feind, der die Existenz vieler Teichwirte bedroht, wenn er in so großen Stückzahlen auftritt wie in den letzten Jahren“. Das Wetter, sagen Tusches, „ist nicht unser Feind. Wir müssen es nehmen, wie es kommt. Hohe Sommertemperaturen lassen die Karpfen gut wachsen, führen aber auch zu Wasserknappheit und Sauerstoffmangel.“ Ihre diesjährige Saison eröffnen die Rietschener am 28. September mit dem Natur- und Fischerfest im Erlichthof.

Kreba-Fisch rechnet mit einer normalen Ernte wie im Vorjahr, sagt Geschäftsführer Dietmar Mühle. Das Unternehmen bietet außer Oberlausitzer Spiegelkarpfen unter anderem auch Forelle, Stör, Wels, Hecht und Schleie an. Neben dem trockenen Sommer macht auch den Krebaern der Kormoran zu schaffen – neben weiteren Feinschmeckern wie Graureiher, Silberreiher und Fischotter.

2.500 Kormorane geschossen

Gegen das Wetter lässt sich nichts machen, gegen den Kormoran schon. Laut Sächsischer Kormoran-Verordnung dürfen Inhaber eines Jagdscheins unter bestimmten Voraussetzungen die gefräßigen Vögel zur Schadensabwehr in der Fischereiwirtschaft schießen. Allein im vergangenen Jahr mussten sachsenweit 2 543 Kormorane ihren Appetit auf Fisch mit dem Leben bezahlen, geht aus Zahlen des Landwirtschaftsministeriums hervor. 2010 waren es sogar 3 231 Tiere gewesen. Der Kormoran war schon Hauptthema, als fast auf den Tag genau vor 24 Jahren in Bautzen der Deutsche Fischereitag beriet. Sie werde die Sorgen der Fischer gegenüber der Bundesregierung zur Sprache bringen, versicherte seinerzeit in Bautzen die Bundesumweltministerin – eine gewisse Angela Merkel.

Kein Problem mit Trockenheit oder hungrigen Vögeln kennt die Agrar GmbH Gersdorf-Oberlichtenau. Das Unternehmen züchtet in einer Halle in Haselbachtal bei Kamenz afrikanische Welse. Davon werden in diesem Jahr etwa 65 Tonnen produziert, berichtet Prokuristin Kerstin Rolle.

Auch die Kirschauer Aquakulturen GmbH arbeitet ohne Einfluss von fischfressenden Tieren oder Witterung, erklärt Fischwirtschaftsmeister Nick Zimmer. Das Unternehmen züchtet in umfunktionierten Textil-Hallen vor allem Sachsenbarsch – so nennen die Kirschauer den auch als Tilapia bekannten Fisch. Sie verkaufen ihn unter anderem auf Wochenmärkten, im eigenen Fischladen und an diesem Sonnabend beim Kirschauer Fischerfest. In dessen Rahmen werden auch die diesjährigen Lausitzer Fischwochen eröffnet.

Appell hat gewirkt

Als vor Jahresfrist in Königswartha die 17. Auflage begann, zweifelte Olaf Franke noch am 18. Fischwochen-Geburtstag. Der Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO) bemängelte damals die öffentliche Unterstützung für diesen Höhepunkt. Er konnte sich danach einiges anhören, so viel Kritik in die Ohren von Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) gesagt zu haben – doch der Appell wirkte. Für die organisatorische Arbeit hinter den Kulissen der Fischwochen und Werbung dafür wurden Fördergelder bewilligt. Die Resultate können sich hören und sehen lassen – unter anderem im Fahrgast-TV in Dresdner Stadtbussen, Straßenbahnen und in der S-Bahn, im Cottbuser Stadtverkehr sowie im Radio. „Sicher gäbe es ohne Fischwochen auch Fischerfeste und ähnliche Veranstaltungen“, sagt Olaf Franke. „Aber die Fischwochen bilden für das Ganze eine Klammer und geben ihm mehr Bedeutung.“ Als nächsten Schritt kann sich der MGO-Chef vorstellen, die Fischwirtschaft als regionalen Wert mehr an Heranwachsende zu vermitteln und dabei auch Schulen einzubeziehen.

Die 18. Lausitzer Fischwochen im Überblick

Hier gibt es zusätzlich zur Speisekarte drei Gerichte mit heimischem Fisch: Beckenbergbaude Eibau; Blaue Kugel Cunewalde; Bürgerhaus Niesky; Campingplatz Deutschbaselitz; Drei Linden Uhyst; Forsthaus und Scheunencafé am Erlichthof Rietschen; Herrschaftlicher Gasthof Neschwitz; Kulturhotel Fürst Pückler Park Bad Muskau; Kyffhäuser Großharthau; Nordsee in Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda; Rote Schenke Pielitz; Landhotel und Spreetal Grubschütz; Weichaer Hof; Wjelbik Bautzen; Zur Grafschaft Neudorf; Barockschloss Rammenau.

Von diesen Unternehmen kommen die Fische: Agrar GmbH Gersdorf-Oberlichtenau; Teichwirtschaft Zschorna; Fischzucht Rietschen; Kirschauer Aquakulturen; Kreba-Fisch; Teichwirtschaft Karsten Ringpfeil Wartha; Teichwirtschaft Klitten Dietmar Bergmann; Teichwirtschaft Petershain Armin Kittner; Teichwirtschaft Weigersdorf; Teichwirtschaft Weißig Familie Bräuer; Teichwirtschaft Zeisholz.

Einige Höhepunkte: 28. September Natur- und Fischerfest im Erlichthof Rietschen; 3. Oktober Fischbuffet auf dem Weichaer Hof; 5. Oktober Abfischfest am Inselteich Radibor; 12. Oktober Fischerfest am Altteich Weißig; 19. Oktober Schaufischen am Großen Ballackteich Litschen; 22. Oktober Familienerlebnistag rund um Fisch auf der Kinder- und Jugendfarm Hoyerswerda; 3. November Gourmet-Brunch im Barockschloss Rammenau.

lausitzer-fischwochen.de

1 / 3

Mehr zum Thema Bautzen