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Duftende Brote am laufenden Band

Beim Ottendorfer Mühlenbäcker gehören Handwerkskunst und moderne Technik zusammen. Davon können sich jetzt junge Leute überzeugen.

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Von Bernd Goldammer

Morgenstund hat Gold im Mund. – Diese Weisheit gilt ganz besonders am 8. März beim Mühlenbäcker in Ottendorf-Okrilla. Dann findet hier der Ausbildungstag statt. Schüler, die sich für das Bäcker- oder Konditorhandwerk interessieren, dürfen ab 5 Uhr ihren künftigen Kollegen bei der Arbeit zuschauen und sogar selbst zur Teigrolle greifen.

Doch was begeistert Menschen dazu, sich schon um drei in die Backstube zu stellen? Diese Frage ist Grund genug, sich zu dieser Stunde mit Backstubenleiter Reiner Israel zu verabreden. Als Erstes bekommt der Besucher die moderne Fließbandtechnologie zu sehen. Sie erleichtert die körperliche Arbeit wesentlich. Doch effiziente Arbeitsabläufe senken den Energieverbrauch und ermöglichen so auch eine günstige Preisgestaltung. Aber das, was im Dresdner Umland morgens in aller Munde ist, wird mit Leidenschaft und von Hand gemacht. Jeden Tag aufs Neue. Die Teigmacher haben ihre Arbeit schon am Vortag begonnen. „Unser Brotteig muss in aller Ruhe reifen“, erzählt Reiner Israel. Morgens kommt er dann in die Formen, wird gewogen und fährt wenig später auf Fließbändern in die hochmodernen Backöfen ein. Israels Rundgang führt zu Sandra Kliemann. Im zweiten Jahr wird sie zur Bäckerin ausgebildet. Früh um vier ist sie schon gut gelaunt. Kein Wunder, ihr Arbeitstag beginnt mit süßen Stunden. Sie hat eine Pfirsichlänge. Die Früchte sind in Schüsseln bereitgestellt. Mit Himbeeren wird es danach weitergehen. „Ich habe schon zu Hause immer gern gebacken, hier mache ich mein Hobby zum Beruf“, erzählt sie. „Gute Ausbildung ist wichtig. Unsere Firma investiert dafür viel Geld. Auch Gesellen und Meister werden bei uns immer wieder weiter gebildet“, verdeutlicht Reiner Israel.

Hochbetrieb zum Karneval

Während der Backstubenleiter seinen Morgenrundgang fortsetzt, kann man Susanna Angermann bei der Arbeit zusehen. Sie füllt die Pfannkuchen. „Im Normalbetrieb stellen wir täglich um die tausend Stück her. Am Wochenende sind es dann um die 2 000. Rosenmontag und Faschingsdienstag schnellt diese Zahl dann gleich mal auf 20 000 Stück hoch. Pro Tag! Bei uns gibt es sie mit Erdbeer- oder Eierlikörfüllung. Der diesjährige Knüller wird ein Pfannkuchen mit Baleefüllung sein. An den drei tollen Tagen läuft hier alles auf Hochtouren. „Unser Backstubenleiter kommt jeden Tag mit großer Freude zur Arbeit und steckt uns alle an“, antwortet sie auf die Frage, wie man morgens um vier schon so fröhlich sein kann. „Ja, unser Betriebsklima ist gut“, macht auch Sophie Günther klar. Sie bildet Konditor-Azubis aus. Auch sie hat sich mit ihrem Beruf einen Kindheitstraum erfüllt. Beim Mühlenbäcker werden Auszubildende ständig gefördert, aber eben auch gefordert. Kreativität kann sich hier besonders gut entfalten. Kürzlich wurde hier die erste sächsische Eierschecke mit Kaffeecremefüllung kreiert. „Die Idee dazu entstand beim Stollenfest. Wenig später haben wir uns zusammengesetzt. Nach der Verkostung kam viel Lob von unserem Geschäftsführer Volker Beduhn“, erzählt Sophie Günther.

Inzwischen gehört die ganz besondere Ottendorfer Eierschecke zu den Verkaufsschlagern. Auch die Prager Schnitte ist eine Erfindung des Hauses. Sie wird aus Biskuitteig gebacken. Ihr Innenleben besteht aus Buttercreme und einer Kirschfüllung. Im Moment wird an einem Osterkörbchen nach Art des Mühlenbäckers getüftelt. Es wird in Zusammenarbeit zwischen erfahrenen Bäckermeistern, Gesellen und Auszubildenden entstehen. Plötzlich wird die Zeit knapp. Inzwischen fahren Lkws an ihre Laderampen. Sie bringen ihre Fracht in 24 Filialen des Dresdner Umlandes. Auch dort wird der Ausbildungstag am Frauentag zum Höhepunkt werden. Denn auch die Ausbildung zum Backwarenfachverkäufer bietet der Mühlenbäcker an. Interessenten sollten sich ab neun Uhr in der Filiale ihrer Wahl melden.