merken
PLUS

Duftende Eröffnung

Barocke Eindrücke und sächsischer Stollen begrüßten gestern die Besucher auf dem neuen Weihnachtsmarkt.

© Daniel Förster

Von Maria Trixa

Hofmalerin Felicita Sartori-Hoffmann, alias Paula Herold, trug ein herrschaftliches Gewand zur gestrigen Eröffnung des Pirnaer Weihnachtsmarktes, der nun Canalettomarkt heißt. Mit ihren ausladenden Hüftpolstern unter dem hochgerafften samtgrünen Rock und dem braunen Fellbesatz vermochte es Darstellerin Paula Herold einen Hauch von Barock auf die karge schwarze Bühne zu transportieren. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke knipste die barocke Dame den Weihnachtsbaum an. Dieser strahlt nun in Gelb und Rot in Anlehnung an die Farben des Pirnaer Wappens. Denn „golden wie die Sonne und rot wie die Liebe sind die neuen Farben der Zukunft“, schwelgt die Hofmalerin euphorisch.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Von der goldroten Einheitlichkeit war in der Dunkelheit nicht viel zu erkennen. Einige rote Sterne hängen über den Hütten. Es sollen mehr werden in den nächsten Jahren, verspricht die Hofmalerin. Dafür leuchtet die Fassade des Rathauses in schnörkeligen Mustern, das bekannte Bild Canalettos vom Pirnaer Markt rundet das Beleuchtungskonzept ab.

Ein süßer Duft kündigte die Bäckerinnung der Sächsischen Schweiz an. Voraus schritt der Pirnaer Bäckermeister Falk Burkhardt mit der prächtigen Fahne der Innung. Angetan in voller Arbeitskluft mit Bäckermütze und weißer Schürze balancierten die Bäcker vorsichtig die beiden meterlangen Rosinenstollen auf die Bühne. Der Bürgermeister schritt sogleich ans Werk und zerteilte den Stollen in mundgerechte Stücke, die ihr Ende eine halbe Stunde später in den versammelten Pirnaer Bäuchen fanden. Einen Euro nahm die Bäckerinnung pro Stück entgegen. 170 Euro kamen zusammen. Diese gehen nun an den Copitzer Kindergarten „Spieloase“, der durch das Hochwasser sein Heim verlor.

Mit dem Stollen verstreuten sich gemächlich die Zuschauer vor der Bühne. Diese bildet nunmehr den Mittelpunkt des Weihnachtsmarktes, der sich entlang zweier Rathausseiten erstreckt. Gegenüber der Bühne an der inneren Ecke vor dem Rathaus verkauft Roland Kunze seine Kräppelchen. Ein Pärchen steht vor der Bude und beobachtet fasziniert, wie Roland Kunzes Mitarbeiterin den rohen Teig verknetet. „Das Rezept stammt von meinem Urgroßvater, vielleicht ist es auch noch älter“, erzählt der Dohnaer stolz. Seit zehn Jahren stehen Roland Kunze und seine Frau auf dem Pirnaer Weihnachtsmarkt. Sie freuen sich über die Veränderungen. „Es ist schön gestaltet, mit den rot-goldenen Hüttendächern“, sagt Roland Kunze.

Allerdings haben noch nicht alle auf die neuen einheitlichen Dächer umgerüstet. Das ärgert jene, die sich auf den größeren Aufwand eingelassen haben. „Ich hätte gerne mein Dach geschmückt“, sagt Aline Großmann. Sie hat Grossis Glühweinbude von ihren Eltern übernommen, die seit 20 Jahren zur Adventszeit in Pirna das beliebte Heißgetränk verkaufen. So richtig überzeugt ist Aline Großmann noch nicht vom neuen Konzept. „Irgendwie ist der Markt auch nicht anders“.

Die Gäste erlebten gestern Abend nichts mehr vom Stress des Aufbauens, der erst kurz vor der Eröffnung sein Ende fand. Gerade rechtzeitig kamen die neuen Tassen an. Sie sind wie die einzelnen Buden eher sparsam verziert. Eine schlichte Aufschrift verrät die Pirnaer Herkunft.

Canaletto selbst ließ sich zur Eröffnung nicht auf seinem Markt blicken. Vielleicht erspäht die SZ ihn am Wochenende, wenn sie den weihnachtlichen Canalettomarkt einem ausführlicheren Test unterzieht.