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Meißen

Dulig mauert

Wirtschaftsminister Martin Dulig war schon Altenpfleger, VW-Monteur und Verkäufer und jetzt auf dem Bau in Meißen.

Als Maurer in der Görnischen Gasse – Martin Dulig tauscht für einen Tag das Büro mit der Baustelle.
Als Maurer in der Görnischen Gasse – Martin Dulig tauscht für einen Tag das Büro mit der Baustelle. © Ronald Bonß

Von Martin Dulig

Meißen. Heute stehe ich hoch über den Dächern von Meißen. Auf einem denkmalgeschützten Altbau, welcher komplett saniert und teilweise neu aufgebaut wird, maure ich Wände, schleppe Steine, kehre Schutt zusammen. Für einen Tag bin ich als Bauarbeiter bei „Brumm Bau“ tätig. Ohne Sonderaufgaben, Schonbehandlung oder Privilegien – so wie es bei meinem Projekt „Deine Arbeit, meine Arbeit“ üblich ist.

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Meine Kollegen erkennen mich sofort, als ich morgens um 6 Uhr in der Firma eintreffe. Klar, ich bin in Meißen aufgewachsen, habe dort Freunde und Bekannte, bin regelmäßig vor Ort. Die Stimmung ist von Anfang an gut. Wie sind alle – wie auf allen Einsätzen bisher auch – sofort beim Du. Ohne Anzug und Krawatte bin ich einfach der Martin, Vorurteile oder Berührungsängste gibt es keine. Mit weißen Hosen, Arbeitsschutzschuhen, weißem Shirt und gelbem Helm geht es wenig später auf die Baustelle. Um auf das Dach des Reko-Hauses in der Görnischen Gasse im historischen Kern der Stadt zu kommen, muss ich ganz schön klettern. Aber der tolle Blick aus der Höhe entschädigt dann. Nur, genießen kann ich ihn nicht. Ich bin ja zum Arbeiten da.

Das heißt: Wände hochziehen! Mein Polier Lutz Jacob weist mich Thomas zu, der mich heute anweisen wird. Wir stehen auf dem Dachstuhl und werden den ganzen Tag mauern. Stein auf Stein, immer höher. Am Abend werde ich genau sehen können, was ich gemacht habe – im Ministerium ist der Erfolg oft erst später zu sehen. Und so ungeschickt scheine ich mich nicht anzustellen, denn beide sagen mit am Abend, dass sie mich sofort einstellen würden.

Die Sonne brezelt am Nachmittag unbarmherzig auf die Baustelle. Unterm Helm rinnt der Schweiß, das Shirt klebt am Körper. Aber das ist egal – denn die Baustelle muss laufen. So schleppe ich Ziegel vom Transportfahrstuhl zu den Kollegen, kehre den angefallenen Bauschutt zusammen. Die körperliche Arbeit ist zwar anstrengend, aber es macht mir Spaß. Immerhin habe ich auf dem ersten Bildungsweg ja Baufacharbeiter mit Abitur gelernt – bin quasi vom Fach.

Die Pausen nutze ich wieder, um mich mit den Kollegen zu unterhalten. Wir sprechen über Privates, über Politik und vor allem über die zunehmende Bürokratie. Dass Bauabfälle inzwischen auf den Baustellen selbst sortenrein getrennt werden, etwa Holzabfälle, kontaminierte Holzabfälle, Metalle, Steine, Glas… macht den Bauleuten zunehmend zu schaffen. Eigentlich müssten zehn Container auf der Straße den Abfall sammeln – doch dann wäre die ohnehin kaum noch betretbare enge Gasse endgültig blockiert. Also werden die Abfälle im Innenhof des Gebäudes gelagert und tageweise abtransportiert.

Auch das Thema Arbeitskräftemangel höre ich immer wieder. In fast allen Gewerken werden Kollegen gesucht, die mit Qualifikation sogar noch mehr. Aber es gibt kaum Nachwuchs. Daher wird es auch für Bauherren immer schwieriger, Firmen zu finden. Um die Termine zu halten, werden dann Überstunden gemacht.

Gegen 16 Uhr wechsle ich den Bauhelm gegen die Krawatte, muss zu einer Aufsichtsratssitzung. Dabei bin ich müde und mein Nacken brennt dort, wo die Sonne drauf geschienen hat. Für meine Kollegen, mit denen ich einen arbeitsreichen und spannenden Tag verbringen konnte, habe ich großen Respekt!

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