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Durch den Schluckenauer Zipfel

Zwei Türme, ein geologischer Garten und ein barockes Kleinod – ein Tag mit der Nationalparkbahn.

Von Steffen Neumann

Wir machen eine Eisenbahn-Rundtour durch den Schluckenauer Zipfel mit Wandereinlage. Die Lücke hinter Sebnitz, um deren Schließung jahrzehntelang gekämpft wurde, bewältigt die neue Nationalparkbahn unmerklich. Erst hinter Dolni Poustevna (Niedereinsiedel) bemerken wir den Unterschied: Die Schienenstöße sind nicht zu überhören. Das ist Bahnromantik pur. Noch romantischer wird es an dem Verkehrsknotenpunkt Mikulasovice dolni nadrazi (Nixdorf Unterer Bahnhof). Hier steigen wir in einen der kleinen grüngelben Schienenbusse, mit deren Bau vor vierzig Jahren begonnen wurde und die die Tschechische Eisenbahn vor Jahren modernisieren ließ. Der Bus rattert über die Nebenstrecke, es ist gemütlich warm und der Zug erstaunlich gut gefüllt. „Seit es die Nationalparkbahn gibt, fahren hier deutlich mehr mit“, bestätigt der Schaffner. Das kann nur gut sein, dann fährt der Zug vielleicht irgendwann jeden Tag, und nicht nur am Wochenende wie jetzt.

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An der einsamen Station Pansky (Herrnwalde) mit Blick auf unser erstes Ziel, den Vlci hora (Wolfsberg), spuckt uns der Zug aus. Der Anstieg folgt der gelben Markierung und ist kurz und intensiv. Die Basaltkuppe ist ganz von Buchen bedeckt. Doch der Turm mit viereckigem Grundriss ist hoch genug, um über die Baumwipfel zu ragen. Für uns ist er zunächst Zuflucht vor einem nahenden Regenschauer. Nachdem sich die Wolke verzogen hat, genießen wir das Panorama, das vom Erzgebirge bis angeblich zum Jested (Jeschken) reicht, und bewundern beim Abstieg die beeindruckende Ansichtskartensammlung böhmischer Aussichtstürme.

Der gelben Markierung bleiben wir bis zum Tagesziel Rumburk (Rumburg) treu. Sie bringt uns schnell ins Dorf Vlci hora. Der Blick fällt auf einen verträumten Fischteich, ein Kirchlein und immer wieder auf Umgebindehäuser. Erst am Waldrand entlang, später im Zickzack, nähern wir uns einer der größten Attraktionen auf diesem Weg, dem geologischen Garten in Zahrady (Gärten). Von dem Hobby-Geologen Rudolf Kögler wurde sie aus Steinen der Region gebaut und wird noch heute von seinen Nachfahren liebevoll gepflegt. Den mindestens vierzigminütigen Vortrag in gepflegtem Sudetendeutsch sollte man sich nicht entgehen lassen.

Den Wolfsberg immer noch im Rückblick nähern wir uns langsam dem zweiten Berg mit Turm, dem nur etwas niedrigeren Dymnik (Rauchberg). Wir passieren den Bahnhof Zahrady und ein Kreuz erinnert an die verschwundene Siedlung Neu-Lerchenfeld. Nach zwei Kilometer Wanderung durch den Wald, der jetzt fest in den Händen von Pilzsammlern ist, erreichen wir den Dymnik. Hier kann man entweder den Aussichtsturm besteigen, sich im Fußballgolf oder im Hochseilgarten versuchen. Wir ziehen aus Zeitgründen das Restaurant vor. Die restlichen gut drei Kilometer zum Bahnhof Rumburk geht es auf der Straße. Oder man wählt die blaue Markierung, um dem Stadtzentrum noch einen Besuch abzustatten. Ein Besuch des Barockensembles der Loretakapelle ist sehr lohnenswert, am Sonntag aber nur auf Nachfrage möglich.

Am Bahnhof steigen wir direkt in die Nationalparkbahn und genießen die Rückfahrt vorbei an den Kleinstädten Sluknov (Schluckenau) und Velky Senov (Groß Schönau). Im Unteren Bahnhof Mikulasovice schließt sich der Kreis.