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Durchblick mit „Karrierestart“

Dresden. Freud und Leid liegen an diesem Freitag in Dresden eng beieinander: Fast zeitgleich zur Bekanntgabe der Pleite des Chipherstellers Qimonda und dem drohenden Verlust Tausender Arbeitsplätze öffnet...

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Von Ines Igney und Michael Rothe

Dresden. Freud und Leid liegen an diesem Freitag in Dresden eng beieinander: Fast zeitgleich zur Bekanntgabe der Pleite des Chipherstellers Qimonda und dem drohenden Verlust Tausender Arbeitsplätze öffnet die Bildungs- und Gründermesse „Karrierestart“ ihre Tore und gibt Jobsuchenden damit neue Hoffnung. Mehr noch: Die Ehrung von Optikerin Claudia Riedel-Göpfert als Gründerin des Jahres zeigt, dass auch der Schritt in die Selbstständigkeit eine lohnende Alternative am Arbeitsmarkt sein kann.

„Ich bin eine Querdenkerin“, erklärt die Preisträgerin, wie sie auf die Idee ihrer „Schaulust Optik“-Geschäfte in Dresden gekommen war. Statt lästiger Sehhilfen verkauft die 37-Jährige „Spaß an der Brille“. Mut, Engagement, Ausdauer und Kreativität bescheinigt ihr dafür Staatsministerin Christine Clauß (CDU) und würdigt die Eigeninitiative der Unternehmerin.

Angebot: Alles außer Astronaut

Riedel-Göpfert hatte 2005 zwei Geschäfte am Dresdner Neumarkt gegründet, sich selbst damit einen maßgeschneiderten Arbeitsplatz geschaffen und vier weitere Mitarbeiter in Lohn und Brot genommen. Natürlich habe anfangs viel Glück dazu gehört, sagt sie. Auch hätten sie Banken und Handwerkskammer sehr gut unterstützt.

Mit solcher Hilfe können viele Existenzgründer rechnen. Das zumindest dokumentieren die Angebote von rund 320 Ausstellern der Messe, darunter neben Bildungsinstituten und Unternehmen auch Kammern, Verbände und Ministerien. So steht das „Gründerforum Dresden“ unter dem Motto „Wir helfen starten“. Auf dem 3. Sächsischen Franchiseforum stellen Franchise-Geber ihre Geschäftsmodelle vor und beraten Interessierte.

Andere wenden sich eher an die Jugend: Sachsenmetall, der Unternehmensverband der Metall- und Elektroindustrie, integriert seine „M+E-Zukunftstage“ erstmals in die Messe. Das Staatsministerium für Kultus ruft auf: „Mach den Praxistest“. Besucher können sich ausprobieren und Berufe wie Chemikant, Mechatroniker und Musikinstrumentenbauer kennenlernen.

Auf der Karrierestart ließen sich Kontakte zu Institutionen und potenziellen Arbeitgebern knüpfen, sagt Kultusminister Roland Wöller (CDU). „Einzig Astronaut kann man im Freistaat wohl nicht werden“, bemerkt er im Hinblick auf die Ausbildungs- und Branchenvielfalt. Die Messe helfe, sich auf dem Markt zurechtzufinden.

Für diese Vielfalt steht auch der Messeauftritt des Bildungswerks der sächsischen Wirtschaft (BSW). Die gleich nach der Wende gegründete gemeinnützige Einrichtung widmet sich der Erstausbildung von Jugendlichen ebenso, wie der Qualifikation von Arbeitslosen, bis hin zur Schulung von Managern. „Wir sind in der Messehalle 4 mit unserem gesamten Angebotsspektrum vertreten“, sagt Sigrun Schneider, BSW-Regionalleiterin für Mittelsachsen. Die Unternehmensgruppe mit rund 200 Beschäftigten und einem Pool von 1000 Honorardozenten versteht sich als Partner der Wirtschaft bei der Personal- und Organisationsentwicklung. Sie wendet sich mit Beratungs-, Trainings-, Bildungs- und Serviceleistungen an Unternehmen und Institutionen im Freistaat. Hinzu kommen länderübergreifende Projekte – wie mit Russland, China, Tschechien und Polen.

Devise: Lebenslanges Lernen

Das Bildungswerk sieht sich auch in seinem 19.Jahr der Ur-Idee und dem Bedarf der Wirtschaft verpflichtet. Als Beleg führt Helmut Wolfram, Referent Öffentlichkeitsarbeit, Weiterbildungen und Solar-Umschulungen für Beschäftigte der gebeutelten Chipindustrie an. „Allerdings spüren auch wir die Finanzkrise“, sagt Wolfram. So seien bei Qimonda Projekte weggebrochen und Vorhaben anderswo aufgeschoben worden.

Viele Besucher haben konkrete Vorstellungen, was sie auf der „Karrierestart“ suchen. Ein berufsbegleitendes Studium etwa interessiert Melanie Kuhnt. Die 21-Jährige hat nach der Ausbildung eine Stelle in der Wohnungswirtschaft gefunden. „Ich möchte mich nebenbei unbedingt weiterbilden“, sagt die Löbauerin. Die Erkenntnis vom lebenslangen Lernen teilen viele Besucher der Messe. Denn trotz des zunehmenden Fachkräftemangels sind Lehrstellen und Arbeitsplätze keine Selbstverständlichkeit.