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Durchsuchung im Gasthof

Mit den Eigentümern hat die gestrige Polizeiaktion nichts zu tun, sondern mit dem potenziellen Käufer.

© hübschmann

Von Jürgen Müller

Gesund und Fit

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Großeinsatz am gestrigen Morgen in Großdobritz. Polizei durchsuchte den ehemaligen Gasthof. Wohnungsdurchsuchungen soll es auch in Meißen, Tanneberg und anderen Orten, nach Angaben der Bundespolizei sogar deutschlandweit, gegeben haben. Mit den Inhabern des Gasthofes, der noch bis Ende vorigen Jahres betrieben wurde, hatte das jedoch nichts zu tun, wohl aber mit dem potenziellen Käufer Andreas Brünner. Gegen ihn wurde gestern Haftbefehl erlassen. Es steht der Vorwurf des Betrugs im Raum. Nach Informationen der SZ soll er im Zeitraum von März bis August vorigen Jahres Waren im Wert von insgesamt 133 000 Euro bei einer Firma erst telefonisch, später online bestellt haben. Die Ware, unter anderem Spielzeug, Einrichtungsgegenstände, aber auch 85 Beamer, soll er erhalten, aber nicht oder nicht vollständig bezahlt haben. Es besteht der Verdacht, dass er die Beamer weiterverkauft hat. Im Großdobritz wurden sie jedenfalls nicht gefunden.

Brünner wollte in dem Gasthof ein Jugendprojekt „Lindenkids“ einrichten. Etwa zehn Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und zwölf Jahren sollten hier in einer Wohngemeinschaft leben und von Sozial- und Heilpädagogen betreut werden. Das 2 500 Quadratmeter umfassende Grundstück biete gute Bedingungen für Bewegung, aber auch besondere pädagogische Angebote für die zu betreuenden Kinder und Jugendlichen, sagte er einst der SZ. Doch daraus wird nun nichts. Die Inhaber des Gasthofes werden vom Kaufvertrag zurücktreten. Denn der Käufer hat den Kaufpreis nicht bezahlt. Letzter Termin war dafür der 2. November vorigen Jahres. „Wir haben dem Notar bereits mitgeteilt, dass wir vom Kaufvertrag zurücktreten werden und die Auflassungsvormerkung gelöscht wird“, sagt gestern der Makler Jörg Heller, der den Verkauf des Gasthofes regeln sollte.

Bei der Durchsuchung war auch Ronny Reichel, der Hauptamtsleiter der Gemeinde Niederau, dabei. „Wir wurden von der Aktion auch überrascht“, sagt er. Die Gemeinde habe das Projekt „Lindenkids“ unterstützt. „Dieses Projekt, das uns schriftlich vorlag, war nicht zu beanstanden“, sagt er. Die Gemeinde sei davon ausgegangen, dass das Landesjugendamt und der Paritätische Wohlfahrtsverband ausführlich prüfen, ehe die Zulassung als „Freier Träger der Jugendhilfe“ vergeben werde, sagt er.

Dabei war Brünner nicht unumstritten. Er hatte schon in Tanneberg ein ähnliches Projekt geplant. Dazu wollte die Brünner Verwaltungs GmbH aus Pirna das Rittergut Tanneberg kaufen. Sie hatte jedoch nur 40 000 Euro für das Anwesen geboten, das laut Gutachter einen Verkehrswert von gut dem Doppelten hatte. Doch nicht nur finanzielle Gründe waren ausschlaggebend für die Ablehnung. Den Klipphausener Gemeinderat überzeugte das Konzept nicht.

Ihren Sitz haben die „Lindenkids“ in Meißen auf der Neugasse. Die Räume sind gestern verschlossen und verwaist. Ein Firmenschild fehlt, lediglich „Freier Träger der Jugendhilfe“ ist an der Eingangstür zu lesen. Am Hintereingang gibt es einen Briefkasten mit der Aufschrift „Lindenkids“. Er ist nicht geleert. Der Inhaber eines in der Nähe liegenden Geschäftes muss lachen, als er den Namen Brünner hört. „Den hat die Polizei heute früh mitgenommen“, sagt er. Auch von Ariane Thomas, die als Geschäftsführerin agierte und erst kürzlich im Niederauer Gemeinderat das Projekt vorgestellt hatte, gibt es keine Spur. „Die habe ich schon lange nicht mehr hier gesehen“, sagt der Geschäftsmann. Sie soll nicht mehr für Brünner arbeiten. Ariane Thomas war gestern nicht erreichbar.

Was mit dem Gasthof Großdobritz wird, ist offen. „Wir suchen nach einem neuen Käufer“, sagt Jörg Heller. Auf seinen Rat hin sind die Eigentümer nicht wie von Brünner gefordert bis zum Ende vergangenen Jahres ausgezogen.

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