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Ein Engel für gestrandete Urlauber

Der Görlitzer Kraftfahrer Manfred Volling umrundete in seinem Arbeitsleben 37 Mal den Erdball und half als Dussa-Mitarbeiter vielen Menschen. Am Mittwoch wird er 90.

Manfred Volling wird heute 90 Jahre alt. Jetzt fährt er mit Leidenschaft Fahrrad, früher war er mit gleicher Leidenschaft Fernfahrer.
Manfred Volling wird heute 90 Jahre alt. Jetzt fährt er mit Leidenschaft Fahrrad, früher war er mit gleicher Leidenschaft Fernfahrer. ©  privat

Zwei Gespanne mit Wohnwagen waren wohl eine der größten Herausforderungen für Manfred Volling. Die holte er mit Kollegen aus Smolensk zurück. Zwei Familien aus dem Saarland waren vor etlichen Jahren in dieser russischen Stadt nahe der Grenze zu Belarus  mit ihren Autos liegen geblieben.  Die Familien erkundeten seinerzeit die Wege ihrer Angehörigen im Zweiten Weltkrieg.

Für Manfred Volling war das vielleicht eine der geschichtsträchtigsten Rückholaktionen, aber bei Weitem nicht die einzige. Volling war sein Leben lang Kraftfahrer, erst beim Kraftverkehr Görlitz, nach der Wende beim Abschleppunternehmen Dussa in Holtendorf. 

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Mit dem Rad durchs Schöpstal

"Manfred Volling war aus tiefster Seele Kraftfahrer", sagt Klaus Dussa, der Firmenchef. Erst im hohen Rentenalter von 75 Jahren ging er tatsächlich in den Ruhestand. "Eigentlich wollte er noch nicht aufhören", sagt Dussa. "Er hat seine Arbeit nie als Last empfunden, war immer freundlich und nett und verrichtete seine Arbeit ziemlich unaufgeregt, cool würde man heute vielleicht sagen", so der Firmenchef.

Am 2. September feiert Manfred Volling seinen 90. Geburtstag. Klaus Dussa gratuliert ihm persönlich. Das lässt er sich nicht nehmen. Volling gehört zu den ehemaligen Dussa-Mitarbeitern, die jedes Jahr zur Weihnachtsfeier eingeladen werden und zu denen es immer noch Kontakt gibt. Manfred Volling ist einer der ältesten von ihnen. Er sei ein begeisterter Radfahrer und sehr fit, sagt Dussa. "Noch immer fährt er seine Runden, und wenn er dann mal bei einer Tour durch das Schöpstal hier am Firmensitz in Holtendorf vorbei kommt, hält er kurz an und grüßt", erzählt Dussa. Für einen längeren Schwatz sei aber meistens keine Zeit. "Der Rentner ist immer beschäftigt und rastlos, eilt zum nächsten Termin. Seine positive Unruhe ist es wohl, die ihn so fit hält."

In Osteuropa kennt er sich aus

Manfred Volling kennt Osteuropa beinahe wie die sprichwörtliche Westentasche. Als in den 1990ern die Firma Dussa jedes Jahr etwa 100 Lkw aus Russland zurück holte, die wegen Unfall oder technischem Schaden liegen geblieben waren, war Volling meistens mit dabei. Für viele Urlauber war er der rettende Engel, wenn das Auto im Urlaubsland streikte. "Damals war das nicht so einfach. Die Familie mal schnell in den Flieger setzen, um sie nach Hause zu bekommen, war nicht üblich", erklärt Dussa. Also wartete man auf den rettenden Engel, der von der Firma Dussa kam.

Vor allem in Ungarn war Manfred Volling ohne Navigationsgerät unterwegs, abgesehen davon, dass es sie erst später gab.  Auch familiäre Bande verbinden ihn mit diesem Land, das schon zu DDR-Zeiten beliebtestes Urlaubsland der Ostdeutschen war.  Vollings Schwiegersohn wurde in Ungarn geboren. 

Strandete eine Familie wegen Unfall oder Autopanne, organisierte Manfred Volling die Rückholaktion. "Pünktlich 8 Uhr morgens stand er dann vor dem Hotel.  Mit der ganzen Familie - samt defektem Auto  - ging es dann in einem Ritt nach Hause", erinnert sich Klaus Dussa. 

37 Mal um den Erdball gefahren

Vollings freundliche Art,  seine Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft hätten sich bei vielen Kunden eingeprägt. "Noch heute, 15 Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Firma, erkundigen sich manche unserer Kunden, wie es dem Mann geht", erklärt Dussa. Viele haben Volling als den rettenden Engel in Erinnerung, der sie sicher nach Hause brachte, obwohl der Urlaub durch Unfall oder Panne doch getrübt war.

Dussa hat mit Volling einmal ausgerechnet, wie viele Kilometer er in seinem Leben als Fernfahrer unterwegs war. "Auf 37 Umrundungen des Erdballs sind wir dabei gekommen", berichtet der Abschlepp-Experte. Volling war viel unterwegs, verzichtete dabei auf vieles. "Wenn er zu Hause war, widmete er sich der Familie, die ihm zudem starken Rückhalt gab." Manfred Volling und seine Frau leben am Rande der Görlitzer Südstadt und haben drei Kinder. Gemeinsam genießen sie den Lebensabend. Mittlerweile ergänzen auch fünf Enkel und vier Urenkel die Familie. 

Ob jemals einer der Nachkommen in Manfred Vollings Fußstapfen tritt, ist ungewiss. Vom Opa und Urgoßvater jedenfalls könnten sie viele Tipps bekommen. Geschichten aus seiner Fernfahrerzeit hören sie aber in jedem Fall gern. Und die mit der Rückholaktion aus Smolensk ist mit dabei.

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