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Duster ab Punkt zehn

Nicht allen ist es geheuer, wenn nachts die Straßenlaternen ausgeschaltet sind. Die Stadt kann dadurch Geld sparen.

Von Britta Veltzke

Um Punkt zehn stehen Axel Kretzschmar und seine beiden Volleyball-Kumpel im Dunkeln. Es ist wie jede Woche, wenn sie nach dem Training mit dem Fahrrad über die Rostocker Straße von Pausitz aus nach Hause fahren: Auf der Hälfte der Strecke gehen die Straßenlaternen aus. „Ich finde das einfach gefährlich. In den besonders dunklen Abschnitten sieht man trotz Fahrradlicht nicht, ob etwas auf der Straße liegt oder Fußgänger unterwegs sind“, sagt Kretzschmar.

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Der Garten ruft
Der Garten ruft

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Laut Stadtsprecher Uwe Päsler werden auf der Rostocker Straße 86 von 112 Lampen seit Mitte Mai des vergangenen Jahres nachts ausgestellt. Die Kreuzungsbereiche bleiben die ganze Nacht über hell. In Riesa werden die Straßenlampen, wie in vielen anderen Kommunen auch, in unterschiedlichen Zuständen betrieben, um Stromkosten zu sparen. Während das Licht auf der Rostocker Straße ganz ausgeht, gibt es andere Bereiche, in denen nur eine der beiden Birnen in der Laterne ausgeschaltet wird, etwa in den Neubaugebieten. Gedimmt wird das Licht laut Information der Stadt im Zentrum, am Busbahnhof sowie im Wohngebiet der Delle und in Poppitz. In und an rund 30 Straßen und Plätzen in ganz Riesa erlischt die Straßenbeleuchtung zwischen 22 und 5 Uhr ganz.

Viele Ideen geprüft

Die Stadt spart damit viel Geld. „Ganz grob sind es etwa zwischen 25 000 und 40 000 Euro im Jahr. Angesichts der Kosten gibt es Bestrebungen, an geeigneten Stellen vielleicht noch einiges mehr abzuschalten“, sagt der Stadtsprecher.

Dass die Stadt klamm ist, sehen auch Kretzschmar und seine Sportfreunde, aber: „Es darf nicht zulasten der Sicherheit gehen.“ Das sieht die Verwaltung ähnlich: „Die Verkehrssicherheit bleibt immer oberstes Gebot“, sagt Uwe Päsler.

Auch der Stadtrat hat sich bereits mehrfach mit der Beleuchtungsfrage auseinandergesetzt. Dort sei man zu dem Schluss gekommen, so Päsler, dass im Zweifel mit den größeren Unternehmen, die im Schichtbetrieb arbeiten, abzustimmen sei, welche Straßen als Arbeitsweg von Bedeutung sind.

Für Susann Junkert ist die Rostocker Straße solch ein Arbeitsweg. Junkert arbeitet bei BuS Elektronik in der Fertigung. Im Sommer fährt auch sie mit dem Fahrrad nach Hause: „Wenn ich von der zweiten Schicht komme, ist es auf der Rostocker Straße stockdunkel. Das Licht vom Fahrrad leuchtet ja nicht den ganzen Weg aus.“ Allein fühle sie sich unsicher, „daher fahren wir meistens zu dritt.“

Die Stadt hat bereits mehrere „Ideen gegen die Dunkelheiten“ geprüft. So auch das Konzept „Licht auf Bestellung“. Andere Kommunen haben das Angebot der Firma Dail4Light aus Nord-Rheinwestfalen bereits ausprobiert. Dabei können Bürger das Licht per Anruf ordern. „Der technische Aufwand dafür ist viel zu hoch. Zum Beispiel wären umfangreiche Umbauten in den Schaltschränken und an den einzelnen Strängen nötig, weil in aller Regel mehrere Straßen zusammengeschaltet sind. Man würde also nicht nur die jeweilige Straße anschalten, sondern gleich mehrere“, erklärt Uwe Päsler. Außerdem brauchen die Natriumdampflampen, die in Riesa in vielen Laternen eingebaut sind, drei Minuten Einbrennzeit, bevor sie richtig hell sind. „Welcher Bürger würde denn erst drei Minuten warten?“, fragt der Stadtsprecher.

Für die Rostocker Straße hat Axel Kretzschmar noch einen anderen Vorschlag: „Man könnte doch nur jede zweite Laterne ausschalten.“ Auch das habe die Stadt geprüft, so Päsler. „Diese Variante wird von den meisten Kommunen abgelehnt, weil es dann einen ständigen Wechsel zwischen hellen und dunklen Bereichen gibt und damit die Sicht noch schlechter würde.“

Neue Lampen werden inzwischen oft mit LED-Technik betrieben. Jedoch nicht grundsätzlich. „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung. Die Betriebskosten bewegen sich zwar nur zwischen einem Drittel und der Hälfte der normalen Lampen, aber die Anschaffung ist immer noch deutlich teurer. Sie kosten mindestens das Doppelte. Das muss man dann genau kalkulieren“, sagt der Stadtsprecher. Laternen auf die neue Technik umzurüsten, sei schlicht unwirtschaftlich. Sicher sei aber, dass das bedeutendste Bauprojekt in diesem Jahr, die Kreuzung Rostocker/Paul-Greifzu-Straße, auf jeden Fall Beleuchtung mit LED-Technik bekommen werde, so Päsler.

Für die Radler auf der Rostocker Straße heißt es hingegen weiter: Funzel an und Augen auf.