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DVB geben Stadtrundfahrt auf

Dresden. Den Angestellten wurde jetzt gekündigt. Künftig kooperieren die Verkehrsbetriebe mit der Hummelbahn.

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Von Kay Haufe

Zur Weihnachtsfeier wurde Frohsinn verbreitet. Nach der Winterpause gehe es mit der Stadtrundfahrt der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) im März wieder richtig los, sagte Projektleiterin Astrid Müller. Doch statt neuer Arbeitspläne fanden die fünf festangestellten Ticketverkäufer vor wenigen Tagen ihre Kündigung im Briefkasten, über die sie einen Tag vorher telefonisch informiert wurden. „Mit Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Stadtrundfahrt der DVB AG im Geschäftsjahr 2008 nicht weitergeführt wird“, heißt es im Schreiben. Für Verkäuferin Simone Dierchen war das ein Schock. „Mein Arbeitsvertrag wurde erst Anfang Dezember in eine unbefristete Anstellung geändert. Ich hatte endlich wieder was Festes“, sagt die 40-Jährige traurig. Nichts habe darauf hingedeutet, dass die Rundfahrt gefährdet sei.

Auch für die Verkehrsconsult Dresden-Berlin GmbH, einer DVB-Tochter, bei der die Ticketverkäufer angestellt waren, kam die Entscheidung überraschend. „Die Verkehrsbetriebe teilten uns Anfang Januar mit, dass das Projekt Stadtrundfahrt eingestellt wird. Da wir als Ingenieurbüro keine anderweitige Verwendung für die Mitarbeiter hatten, mussten wir kündigen“, sagt Geschäftsführer Thomas Flügge. Hintergründe der Entscheidung habe die DVB nicht übermittelt.

Heiß umkämpfte Standplätze

Deren Geschäftsführung hat inzwischen neue Pläne für die Fahrten mit den gelben Bussen. „Wir stellen die Rundfahrt nicht ein, sondern kooperieren künftig mit dem Unternehmen Hamburger Hummelbahn. Dieses übernimmt Organisation und Vertrieb. Auch unsere speziellen Panoramarundfahrten inklusive Bergbahnangeboten werden dort integriert“, sagt DVB-Sprecher Falk Lösch. Man bilde jedoch kein gemeinsames Unternehmen, sondern stimme die Touren aufeinander ab. Rote und gelbe Busse fahren demnächst gemeinsam. Die DVB sind am Gewinn beteiligt. In diesen Tagen werde der Vertrag unterzeichnet, so Lösch. Da für das Personal künftig die Hummelbahn zuständig sei, spielte es in den Gesprächen keine Rolle mehr.

Die Hintergründe der Kooperation liegen laut Lösch bei den Standplätzen der Ticketverkäufer. Sie werden zu Beginn jedes Jahres von der Stadt an die Unternehmen vergeben. Die Verkehrsbetriebe haben jüngst nur noch drei der heiß begehrten Plätze in der Innenstadt erhalten. In den vergangenen Jahren waren es sechs oder sogar sieben. „Davon hängt der Verkaufserfolg wesentlich ab. Je näher man an den Touristen dran ist, desto mehr Tickets gehen weg. Und das ist bei der Dresdner Konkurrenz dringend erforderlich“, so Lösch. Mit nur drei Standorten hat die Geschäftsführung den Umsatz offenbar gefährdet gesehen. Ähnlich wie die Leitung der Hamburger Hummelbahn, die ebenfalls nur drei Standplätze erhielt. Da die DVB schon vor zwei Jahren kurzzeitig erwogen hatte, mit ihrem Mitbewerber zu kooperieren, liefen sofort Gespräche an. Und man wurde sich schnell einig.

Schon auf Internetseite

Mit sechs Standplätzen nahe den Sehenswürdigkeiten der barocken Altstadt sei man wieder gut aufgestellt, so Lösch. Und so werden heute schon auf der Internetseite der Hummelbahn die exklusiven Touren der DVB-Stadtrundfahrt angeboten. Tickets gibt es nach wie vor im DVB-Mobilitätszentrum auf der Wilsdruffer Straße.

Reinhard Koettnitz, der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, will sich heute über die Vergabe der Ticket-Verkaufsplätze informieren. „Den schwarzen Peter lassen wir uns nicht zustecken“, sagt er.