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Dresden

"Deutscher Fahrer": Weiteres Schild in Dresden aufgetaucht

Auf der Linie 90 sorgte ein selbstgedrucktes Schild für Aufsehen. Nun taucht auch in einem anderen Bus ein solches Schild auf.

Diese selbstgedruckten Zettel an Bussen der Linien 90 und 85 sorgten in Dresden für Aufsehen.
Diese selbstgedruckten Zettel an Bussen der Linien 90 und 85 sorgten in Dresden für Aufsehen. © Tino Plunert, privat

Ein Zettel, bedruckt in Frakturschrift, hängt im Fenster beim Busfahrer: "Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer", steht darauf. Das ist keine Szene aus einem Film aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern passierte jetzt auf der Linie 90 in Dresden. 

Das Bild verbreitete sich schnell bei Twitter. Aufgenommen hat es Peter Dörffel. Der 23-Jährige war auf dem Weg zur Arbeit, als er den Zettel entdeckte. „Ich war baff, als ich diesen Zettel beim Einsteigen sah", sagt Dörffel. Im ersten Moment sei er kaum verwundert gewesen, da solche Taten in den letzten Jahren immer salonfähiger geworden seien. „Ich musste an der Haltestelle Obere Straße in Pesterwitz aussteigen und habe ein Foto gemacht." Dieses habe er via Twitter an die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) geschickt. 

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Die Reaktion der DVB ist eindeutig: "Das ist natürlich nicht in Ordnung", so DVB-Sprecher Falk Lösch. "Wir werden der Sache nachgehen."

Die Linie wird allerdings nicht von den DVB selbst bedient, beziehungsweise nicht ausschließlich. Schnell war klar, es muss sich um einen Fahrer eines Sub-Unternehmens handeln. Dieses fährt zwischen Löbtau und Gompitz im Auftrag der DVB.  Der Fahrdienstleiter sei informiert. Dieser werde das beauftragte Unternehmen kontaktieren und Aufklärung einfordern. 

Peter Dörffel hat den Zettel in Frakturschrift entdeckt und ein Foto davon auf Twitter an die Dresdner Verkehrsbetriebe gesendet. Diese reagierten prompt. 
Peter Dörffel hat den Zettel in Frakturschrift entdeckt und ein Foto davon auf Twitter an die Dresdner Verkehrsbetriebe gesendet. Diese reagierten prompt.  © Tino Plunert

Die DVB haben nicht alles unter dem eigenen Dach. Rund 30 Prozent der Fahrten werden von Tochterfirmen oder Sub-Auftragnehmern durchgeführt. Insgesamt sind knapp 1.000 Fahrer mit den Bussen und Bahnen im Auftrag der DVB durch Dresden unterwegs. "Für die Mitarbeiter sind die jeweiligen Unternehmen verantwortlich", so Lösch. Einen vergleichbaren Vorfall habe es bisher noch nicht gegeben. "Wenn es aber unseren Unternehmen schadet, werden auch wir reagieren", erklärt der DVB-Sprecher. 

So wurden auch bereits einzelne Fahrer für DVB-Strecken abgelehnt. "Beispielsweise wenn es mehrfache und berechtigte Beschwerden unserer Kunden gab." Auch diesen Fahrer können die DVB ablehnen. Gegen 15 Uhr gab es dann die Entscheidung. "Dieser Fahrer wird ab sofort nicht mehr auf Linien der DVB fahren", erklärt Lösch.

Auch wenn es dienstliche Konsequenzen geben kann, muss der "Deutsche Fahrer" allerdings nicht mit einem Strafverfahren rechnen. Für die Polizei sei das kein Sachverhalt, erklärt Polizeisprecher Lukas Reumund. "Es ist kein Straftatbestand." Allerdings sei es "unschön" und "moralisch bedenklich". "Die Zielrichtung ist klar, aber das ist sie bei vielen Reden bei Pegida auch." Aber eben nicht strafbar. 

Der Arbeitgeber des Fahrers, die Satra Eberhardt GmbH, reagierte am Montag umgehend. "Wir haben am Mittag davon erfahren und sind der Sache sofort nachgegangen", so Geschäftsführer Matthias Peschke. Im Bus wurde tatsächlich das Schild mit besagter Aufschrift gefunden. "Wir sind schockiert, dass einer unserer Mitarbeiter derart zweideutige Äußerungen erhebt, beziehungsweise so ein Schild durch die Gegend fährt." Die Firma sei "liberal und weltoffen". "Das ist nicht unternehmenskonform."

Peschke habe mit dem Fahrer noch nicht sprechen können, auch weil vorher mögliche dienstrechtliche Konsequenzen zu klären seien. "Der Fahrer werde aber am Dienstag auf keinen Fall einen Bus lenken. Es handele sich um einen langjährigen Mitarbeiter, der bereits acht bis zehn Jahre für das Unternehmen fahre. "Bisher gab es keinerlei Auffälligkeiten", sagt der Chef. Sein oberstes Ziel sei es nun, Schaden vom Unternehmen abzuwenden. 

Abgesprochene Aktion?

Zu klären haben die Firmen nun einiges, denn am Dienstag meldete sich ein DVB-Fahrgast bei sächsische.de, der ein solches Schild auch in einem 85er Bus fotografiert hat. An dem Fahrzeug der ebenfalls von der Satra Eberhardt GmbH bedienten Linie war ein identischer Ausdruck angebracht.  

Nicht auszuschließen ist, dass sich mehrere Fahrer für die Aktion abgesprochen haben. Ein möglicher Hintergrund: Die DVB planen den Einsatz von Fahrern aus Serbien, um den Personalmangel in den Griff zu bekommen. 

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Wieder hat ein Kunde ein A4-Blatt in einem Linienbus fotografiert, auf dem steht, dass der Fahrer Deutscher ist. In seiner Firma steht das Telefon nicht mehr still.

Auch die Satra Eberhardt GmbH sucht nach Busfahrern. In den Stellenangeboten auf der Internetseite der Firma ist die deutsche Staatsangehörigkeit aber nicht unter den Voraussetzungen für den Job aufgelistet.  (mit SZ/mja)

Am Montag ist auch an diesem Bus der Linie 85 ein solches Schild aufgetaucht. 
Am Montag ist auch an diesem Bus der Linie 85 ein solches Schild aufgetaucht.  © N. Hartwich

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