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Dynamo gewinnt - und holt die Hoffnung zurück

Der 2:1-Sieg in Regensburg ist überraschend, lässt den Rückstand zum Relegationsrang aber deutlich schrumpfen. Die Analyse und die Meinung der Trainer.

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Patrick Schmidt jubelt über seinen Treffer zum 1:1.
Patrick Schmidt jubelt über seinen Treffer zum 1:1. © dpa

Von Daniel Klein und Jens Maßlich, Regensburg

Die Hoffnung ist zurückgekehrt, dass es doch noch etwas werden könnte mit dem Klassenerhalt. Zumindest ein Fünkchen Hoffnung glimmt wieder beim – noch immer – Tabellenletzten nach dem 2:1-Sieg am Freitagabend bei Jahn Regensburg. Durch die 0:1-Niederlage des Karlsruher SC gegen den 1. FC Nürnberg ist der Rückstand auf den Relegationsplatz auf drei Punkte geschmolzen. Zum Tabellen-Vorletzten Wehen Wiesbaden ist es sogar nur noch ein Zähler – zumindest bis Sonntag. Dann müssen die Hessen beim Spitzenreiter Arminia Bielefeld antreten.

Die Rück- und Abstände interessierten Markus Kauczinski aber nicht, behauptete er zumindest. „Ich habe immer gesagt: Wir brauchen keine Wasserstandsmeldungen. Gestern waren wir tot. Heute leben wir wieder. Im Fußball kann sich noch viel drehen“, sagte er. „Aber dass wir auswärts gegen so ein gutes Team bestehen können, muss uns Selbstvertrauen geben.“

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Dabei begann es so, wie es zuletzt aufgehört hatte. Die Verunsicherung und Nervosität, die bereits gegen Bochum dominiert hatte, konnten die Dresdner nicht abschütteln – und sich bei Kevin Broll bedanken, dass es zur Pause noch 0:0 stand. „Zu verhalten und zu viele Bälle verloren“, diagnostizierte Kauczinski hinterher. Der Regensburger Andreas Albers tauchte gleich zweimal allein vorm Dynamo-Keeper auf. „Wenn ich viel zu tun habe und alle Bälle halte, ist doch alles gut“, fand Broll. Mersad Selimbegovic war dagegen wenig begeistert. „Wenn wir vor der Pause nur unsere großen Chancen nutzen, führen wir 2:0“, monierte der Jahn-Trainer.

Sein Kollege sorgte gleich für mehrere Überraschungen. Gegenüber der Niederlage gegen Bochum baute er die Mannschaft auf fünf Positionen um – und das nicht nur freiwillig. Ersetzen musste er den verletzten Marco Terrazzino (Muskelfaserriss) und Patrick Ebert (Muskelverhärtung). Er fehlte genauso wie Baris Atik (Infekt). Am Donnerstagnachmittag hatte Dynamo erst das für Samstag geplante Testspiel gegen den Berliner AK 07 wegen „verletzungs- und krankheitsbedingter Ausfälle“ abgesagt.

Zwei Halbchancen in der ersten Hälfte, mehr nicht

Ihr Startelfdebüt feierten 2,01-Meter-Stürmer Simon Makienok, der sechs Minuten nach seiner Einwechslung im Spiel gegen Darmstadt Rot gesehen hatte und für zwei Spiele gesperrt worden war, sowie überraschend Godsway Donyoh. Der Winter-Neuzugang hatte bisher immer auf der Bank gesessen, aber noch keine einzige Minute gespielt. Vor der Partie hatte Kauczinski erklärt, dass er „offensiv starke Aktionen hat, defensiv aber zulegen muss. An seinen Schwächen arbeitet er.“

Vor allem seine Schwächen waren jedoch zu sehen. Der Ghanaer verlor immer wieder die Orientierung, offenbarte eklatante taktische Defizite. Kaum eine Aktion gelang ihm. Kauczinski lobte ihn dennoch. Er habe viel für die Mannschaft gearbeitet und sich von Minute zu Minute gesteigert, befand er. Die vielen Umstellungen machten sich dennoch bemerkbar. Die Passwege korrespondierten selten mit den Laufwegen. Immer wieder wurde Makienok mit hohen Bällen gesucht, der zwar die Lufthoheit behielt, doch selten einen Nebenmann fand. Dass es zur Pause 0:0 stand, war aus Dresdner Sicht das Erfreulichste.

Der Ball ist im Tor, es steht 1:1 - und plötzlich ist auch die Hoffnung zurück. Torschütze Patrick Schmidt animiert die Fans.
Der Ball ist im Tor, es steht 1:1 - und plötzlich ist auch die Hoffnung zurück. Torschütze Patrick Schmidt animiert die Fans. © PICTURE POINT
Neuzugang Godsway Donyoh feiert sein Pflichtspiel-Debüt, hat aber - außer den Sieg - im Prinzip nichts zu feiern.
Neuzugang Godsway Donyoh feiert sein Pflichtspiel-Debüt, hat aber - außer den Sieg - im Prinzip nichts zu feiern. © dpa
Die Regensburger Führung ist hochverdient. Dass die Gastgeber nicht gewinnen, liegt allein an ihrer schlechten Chancenverwertung.
Die Regensburger Führung ist hochverdient. Dass die Gastgeber nicht gewinnen, liegt allein an ihrer schlechten Chancenverwertung. © dpa
Josef Husbauer kann es nicht fassen, Dynamo liegt 0:1 zurück. Dass noch ein Sieg gelingt, hat der Tscheche in dem Moment vermutlich nicht gedacht.
Josef Husbauer kann es nicht fassen, Dynamo liegt 0:1 zurück. Dass noch ein Sieg gelingt, hat der Tscheche in dem Moment vermutlich nicht gedacht. © dpa
Der Blick geht nach oben - zur den Nichtabstiegsplätzen? Mit Simon Makienoks Tor ist die Hoffnung auf den Klassenerhalt plötzlich wieder berechtigt.
Der Blick geht nach oben - zur den Nichtabstiegsplätzen? Mit Simon Makienoks Tor ist die Hoffnung auf den Klassenerhalt plötzlich wieder berechtigt. © dpa
So viel Durchsetzungsvermögen war zumindest in Halbzeit eins selten und auch nach der Pause nicht wirklich zu sehen. Dass Dynamo, hier mit Patrick Schmidt, trotzdem gewinnt - eigentlich unglaublich.
So viel Durchsetzungsvermögen war zumindest in Halbzeit eins selten und auch nach der Pause nicht wirklich zu sehen. Dass Dynamo, hier mit Patrick Schmidt, trotzdem gewinnt - eigentlich unglaublich. © dpa
Die Abwehr um Jannis Nikolaou war immer wieder gefordert.
Die Abwehr um Jannis Nikolaou war immer wieder gefordert. © dpa
Am Ende des Spiel können sich die Dynamo-Spieler freuen.
Am Ende des Spiel können sich die Dynamo-Spieler freuen. © dpa

Nach der Pause entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beide Teams gewährten dem Gegner viele Räume. Dzenis Burnic nutzte solch einen nicht, scheiterte an Jahn-Schlussmann Alexander Meyer. Es war die beste Phase des Schlusslichts – und genau in die fiel die Führung der Regensburger. Florian Ballas klärte eine abgefälschte Flanke mit dem Knie direkt vor die Füße des eingewechselten Erik Wekesser. Der hatte aus kurzer Distanz wenig Mühe. „Danach sind wir erst so richtig aufgewacht“, sagte Kauczinski.

„3. Liga – scheißegal“, rufen die mitgereisten Fans

Die rund 1.600 Dynamo-Fans unter den 11.309 Zuschauern hatten die Hoffnung dagegen schon aufgegeben, versuchten sich in Galgenhumor. „3. Liga – scheißegal“, skandierten sie – und mussten ihren Gesang jäh unterbrechen. Eine Flanke von Brian Hamalainen verwertete Patrick Schmidt per Direktabnahme zum 1:1. Die 3. Liga war im Gästeblock plötzlich kein Thema mehr.

Und die schwarz-gelben Anhänger hatten gleich noch mal Grund zum Jubeln. Nach einer Hereingabe von Donyoh, der endlich mal gefährlich in den Strafraum kam, und einem Abstimmungsproblem in der Jahn-Defensive, hämmerte Makienok den Ball aus kurzer Distanz zur 2:1-Führung in die Maschen.

Für die Dresdner ist es der erste Auswärtssieg in dieser Saison überhaupt – und der erste Erfolg nach zuletzt vier sieglosen Spielen. Besonders wertvoll ist er nicht nur für die Tabelle, sondern auch fürs Selbstbewusstsein in den zehn noch ausstehenden Partien. Das hatte zuletzt arg gelitten. Ex-Kapitän Marco Hartmann, der kurz vor Schluss sein Comeback nach knapp zehnmonatiger Verletzungspause feierte, hatte vor der Partie die fast schon aussichtslose Lage als Chance gesehen: „Was können wir jetzt noch verlieren?“ Genau so spielte die Mannschaft – nach dem 0:1.

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Hier der Liveticker zum Nachlesen.

Die Trainerstimmen nach dem Spiel

Mersad Selimbegovic (Regensburg):  "Wir sind sehr gut reingekommen, hatten die Partie eigentlich kontrolliert. Leider haben wir wieder kein Tor gemacht. Die zweite Halbzeit war ein offener Schlagabtausch, und wir machen dann doch das erste Tor. Dann verhalten wir uns aber nicht clever genug, wir müssen das besser kontrollieren. So haben wir Dresden aber viele Räume gegeben. Dass der Gegner nicht viele Chancen braucht, um zwei Tore zu machen, ist eben manchmal so im Fußball. Zum Schluss fehlte uns die Durchschlagskraft. Und so verlierst du ein Spiel, das du nicht verlieren musst."

Markus Kauczinski (Dynamo): "Die erste Halbzeit haben wir nicht gut gespielt, das haben wir uns anders vorgenommen. Vor allem im Ballbesitz waren vier zu verhalten und haben die Bälle auch zu leicht verloren. Wir wussten, dass man so nicht weiterspielen kann, weil sonst irgendwann so ein Tor fällt. Nach dem Rückstand sind wir noch einmal richtig aufgewacht und haben uns nicht unterkriegen lassen. Es war ein hart umkämpftes Spiel, mit Vorteilen für Regensburg im Ballbesitz. Das haben wir aber durch Emotionen und Leidenschaft wettgemacht. Ich freue mich, dass diese Leidenschaft belohnt worden ist und wir den ersten Auswärtssieg seit, ich weiß nicht wie lang, mitnehmen. Er ist im Kampf um den Klassenverbleib ganz wichtig. Emotionen und Leidenschaft können eben dazu führen, dass man Dinge hinter sich lässt. Das ist ganz wichtig auf unserem Weg."

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