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Wieso schon wieder einer von Dynamo zu Aue wechselt

Sören Gonther war Vizekapitän bei der SGD, nun spielt er für den Erzrivalen. Wie der Transfer lief und wie er die Schubert-Diskussion sieht - ein Interview.

Sören Gonther (l.) trägt jetzt Lila-Weiß, Pascal Testroet (r.) schon seit einem Jahr. Torwart Daniel Haas hebt sich farblich ab vom einst dynamischen Duo.
Sören Gonther (l.) trägt jetzt Lila-Weiß, Pascal Testroet (r.) schon seit einem Jahr. Torwart Daniel Haas hebt sich farblich ab vom einst dynamischen Duo. © dpa/Robert Michael

Es wirkt, als hätte man ihn abgeschoben. Zumindest kommt die Pressemitteilung, in der Dynamo am 29. Juni den Wechsel von Sören Gonther nach Aue verkündet, völlig überraschend. Es hatte nichts darauf hingedeutet, dass der 32 Jahre alte Innenverteidiger den Verein verlassen soll – und nun geht er ausgerechnet zum Erzrivalen ins Erzgebirge? 

Genau wie ein Jahr zuvor Stürmer Pascal Testroet, der dann für die „Veilchen“ 15 Tore erzielte. Wie es zu seinem Wechsel kam und was für ihn in Aue anders ist, erklärt Gonther im Interview mit der SZ:

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Sören Gonther, wie haben Sie sich eingewöhnt in Aue?

Das ging flott. Die meisten kennen mich vom Platz, die anderen haben mich kennengelernt. Ich bin ein umgänglicher Typ, kann mich ohne Schwierigkeiten in eine neue Mannschaft integrieren.

Sie haben drei Kinder. Sind Sie mit der Familie ins Erzgebirge gezogen?

Nein, es ging Schlag auf Schlag. Den Kontakt gab es zwar etwas länger, aber der Transfer wurde von heute auf morgen perfekt gemacht. Ich bin an dem Freitag noch bei Dynamo ins Training gegangen und hatte nicht damit gerechnet, am Samstag woanders zu sein. Ich pendle jetzt von Dresden nach Aue, bin gemütlich eine Stunde, eins zehn unterwegs. Zudem habe ich vom Verein die Möglichkeit, im Hotel zu bleiben. Das passt. Meine Tochter kommt im August in die Schule. Deshalb ist erst einmal geplant, dass es so bleibt.

Ihr Wechsel kam für Außenstehende überraschend. Was waren die Gründe?

Nach der schweren Knieverletzung bin ich gut wieder reingekommen, habe meine Spiele gemacht und meine Leistung gebracht. Es gab Anfragen. Und bei Dynamo hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass man noch zu hundert Prozent mit mir plant. Deshalb habe ich mich mit anderen Optionen auseinandergesetzt. Ich glaube einfach, nachgewiesen zu haben, dass ich in der Liga mehr als konkurrenzfähig bin. Für mich ist so etwas wie Wertschätzung und das Gefühl, gebraucht zu werden, sehr wichtig. Das habe ich in Aue bei Trainer Daniel Meyer, er hat sich sehr um mich bemüht. Wie schnell es dann gegangen ist, zeigt auch, dass mich Dynamo nicht mit aller Gewalt halten wollte. Der Transfer wurde an einem halben Tag abgewickelt. Das bestärkt mich in meiner Einschätzung.

Im Umkehrschluss: Von Cristian Fiel haben Sie nicht die gleiche Wertschätzung erfahren?

Nein, das ist auch okay. Er ist nicht der Trainer, der mich geholt hat, das war Uwe Neuhaus. Das ist so im Fußball: Jeder Trainer hat seine Vorstellungen von Spielertypen, mit dem einen passt es besser, mit dem anderen weniger gut.

Sie waren bei Dynamo auch Vizekapitän, haben nach dem Spiel in Ingolstadt die Fans für ihre verbalen Attacken auf Torwart Markus Schubert kritisiert. Hätten Sie sich danach mehr Rückendeckung von Vereinsseite gewünscht?

Darüber habe ich mit Ralf Minge gesprochen. Natürlich war die Situation für mich nicht schön. Ich denke, dass die Reaktionen auf das, was ich gesagt habe, deutlich zu weit gingen. Ich habe niemanden seine Meinung zu Markus Schubert und seinem Wechsel verboten, sondern einige Fans für ihr Verhalten in einem Spiel kritisiert, das für uns von enormer Bedeutung war. Wenn der eigene Torwart in so einer Art und Weise angegangen wird, ist das alles andere als eine Unterstützung der Mannschaft. Ich würde das immer wieder so machen und mich schützend vor Schubi stellen. Ja, Sie haben nicht unrecht, man hätte von Vereinsseite Feuer aus der Sache nehmen und mir ein bisschen zur Seite springen können. Aber, wie gesagt, das haben wir besprochen. Da bleibt zwischen mir und Ralf gar nichts hängen.

Die Rippenverletzung, mit der Sie danach ausgefallen sind, war echt?

(lacht) Die war so was von echt! Von wegen Schutzsperre – über solche Diskussionen musste ich schmunzeln. Ich hatte am Montag unter hoch dosierten Schmerzmitteln trainiert, weil ich unbedingt gegen meinen alten Verein St. Pauli spielen und mit der Truppe den Klassenerhalt eintüten wollte. Nach dem Training bin ich zum Arzt gegangen: Ich kriege schwer Luft, kann mich kaum bewegen – da muss etwas kaputt sein. Daraufhin wurde im MRT erkannt, dass zwei Rippen angebrochen sind.

Was ist anders für Sie in Aue?

Na ja, ein kleineres Stadion. Ich sehe beide Mannschaften qualitativ sehr dicht beieinander. Ich habe hier die Situation, dass mir der Trainer Vertrauen schenkt. Es weiß jeder, dass ich auf dem Platz alles gebe und die Führungsrolle, die mir angedacht ist, ausfüllen möchte.

Sie werden als Gewinner der Vorbereitung bezeichnet. Wie sehen Sie das?

Ich würde mich viel mehr darüber freuen, wenn wir am Sonntag die Gewinner in Fürth sind. Ich bin froh, dass ich gesund und topfit bin. Dann kann man sich darauf verlassen, dass ich meine Leistung bringe. Das habe ich über Jahre hinweg bewiesen. Wichtig ist, dass wir am Sonntag gemeinsam funktionieren und nicht nur Einzelne.

Mit welchen Ziel geht der FC Erzgebirge in die Saison?

Das hat nichts mit Understatement zu tun: Für den Verein mit den geringeren Möglichkeiten im Vergleich zu anderen in der zweiten Liga – allein, wenn ich Dynamo sehe –, wäre es vermessen, ein höheres Ziel auszurufen als den Klassenerhalt. Ich glaube, wir fahren sehr gut damit, uns an der Vorsaison zu orientieren, als sie es drei Spieltage vor Schluss geschafft haben. Nichtsdestotrotz sind wir selbstbewusst genug zu sagen, dass wir nach Fürth fahren und dort gewinnen wollen.

Wie war der Kontakt zu Pascal Testroet, der vorigen Sommer ähnlich überraschend nach Aue gewechselt ist?

Natürlich haben sich Trainer und Präsident bei Paco über mich informiert, ich genauso bei ihm über die Mannschaft und das Drumherum. Mit Daniel Meyer hatte ich sofort sehr gute Gespräche, auch ein sehr angenehmes mit dem Präsidenten, übrigens mitten in Dresden.

Wie haben Sie Helge Leonhardt erlebt?

Er kennt natürlich den Spielertyp Sören Gonther, aber es war ihm wichtig, den Menschen dahinter persönlich kennenzulernen. Er ist ein total fußballverrückter Typ, der das hier lebt bis in die letzten Haarspitzen. Er ist sehr direkt, mit dieser offenen Art kann ich sehr gut umgehen. Ich denke, er fand mich auch nicht so schlecht, weil er hinterher direkt auf den grünen Knopf gedrückt und das Ding durchgewunken hat.

Was erwarten Sie von den beiden Aufeinandertreffen mit Dynamo?

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Die Freundschaften sind durch den Vereinswechsel nicht erloschen. Nichtsdestotrotz ist mir bewusst, dass ich nicht herzlich empfangen werde. Ich gehe in beide Spiele, um sie zu gewinnen, danach aber auch rüber in die andere Kabine – unabhängig vom Ergebnis. Klar, es ist immer ein brisanter Wechsel zum sächsischen Rivalen. Ich glaube, die zwei Jahre, die ich bei Dynamo war, habe ich alles gegeben. Für die Verletzung in der ersten Saison konnte ich nichts. Aber ich wäre nicht so anmaßend zu denken, mit 22 Spielen, die es am Ende gewesen sind, wäre ich eine herausragende Person der Vereinsgeschichte.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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