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Dynamo auf Zeit

Der eine geht nach Düsseldorf, ein anderer kommt von dort: Fabian Holthaus soll ein halbes Jahr Spielpraxis sammeln.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Schon wieder Düsseldorf. Die Stadt mit dem Doppel-D ist derzeit irgendwie das Dauerthema im Doppel-D des Ostens, auch wenn sich Dynamos Noch-Geschäftsführer Robert Schäfer konsequent abschirmt und fast schon verleugnen lässt. Zu seinem bevorstehenden Wechsel zum Zweitligisten Fortuna, die den 39-Jährigen trotz laufenden Vertrags zeitnah verpflichten will, mag er nichts sagen – um seinen Noch-Arbeitgeber nicht weiter zu brüskieren!?

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Deutlich gesprächiger ist Fabian Holthaus, der bis Montag noch Düsseldorfer gewesen ist und am Dienstagvormittag das erste Mal mit seinen neuen Mitspielern trainiert hat. Das Geschacher auf Funktionärsebene interessiert ihn bestenfalls am Rande. Holthaus hat sich ja auch um ganz andere Themen zu kümmern, rein sportliche. Dass sie das eine Geschäft mit dem anderen gleich verrechnen, dementieren beide Seiten. Aber weiß man’s wirklich?

Holthaus ist das egal, sein Gehalt wird pünktlich überwiesen. Vor allem aber freut sich der vergangene Woche 21 Jahre alt gewordene Linksverteidiger, endlich wieder zu spielen. Dafür hat er sich schließlich für ein halbes Jahr nach Dresden ausleihen lassen. „Fabian soll Spielpraxis erhalten und gestärkt zu uns zurückkehren“, betont der Fortuna-Manager Rachid Azzouzi. Die von Dynamo angestrebte Kaufoption haben die Düsseldorfer kategorisch abgelehnt.

Eine richtig gute Option

Dafür hat die Personalie Schäfer als Trumpf in der Hinterhand offenbar nicht ausgereicht – was im Umkehrschluss auch für die Qualität des Spielers spricht. „Ich weiß das zu schätzen, dass die mich im Sommer zurückhaben wollen“, sagt Holthaus. Momentan jedoch, findet er, ist eine Trennung auf Zeit angebracht. „Die Situation in Düsseldorf ist nicht die beste für mich und Dynamo deshalb eine richtig gute Option.“

Auch wegen einiger großer und kleinerer Verletzungen hat sich Holthaus bei der Fortuna bislang nicht durchsetzen können. Drei Einsätze bei den Profis und vier in der Regionalliga-Mannschaft weist die Saisonstatistik für ihn aus. Jetzt aber fühle er sich körperlich besser als je zuvor. „Ich habe Lust auf diese Aufgabe. Die Jungs sind alle cool. Für mich ist das auch kein Schritt zurück, definitiv nicht“, sagt er.

Sein Bezugspunkt in den ersten Tagen wird vermutlich Marvin Stefaniak sein, der nach seinen Achillessehnenbeschwerden wieder voll mittrainiert. Den Mittelfeldspieler kennt der U 19-Europameister von 2014 von gemeinsamen Auftritten in der U 20-Nationalmannschaft und vom Hörensagen natürlich Andreas Lambertz, auch wenn der Lumpi die Fortuna gerade verlassen hat, als Holthaus im vergangenen Sommer vom VfL Bochum gekommen ist.

Dynamo als Ganzes ist dem Neuzugang ohnehin ein Begriff, Informationen habe er sich nicht erst einholen müssen. „Man kennt Dynamo deutschlandweit, und ich habe hier auch schon zweimal mit dem VfL gespielt. Da weiß man, was hier abgeht. Das reicht, um den Klub kennenzulernen“, meint Holthaus. Er sagt also nur etwas ausführlicher, was alle Neuzugänge beim Einstand üblicherweise so erzählen.

Seine Vorhaben für die nächsten knapp vier Monate formuliert er dagegen schon forscher. Verpflichtet hat ihn Dynamo ja zunächst einmal als Reaktion auf die Ausfälle von Nils Teixeira (Pfeiffersches Drüsenfieber) und Niklas Landgraf (Außenbandanriss im Sprunggelenk). Als Ersatz hinter Fabian Müller, der 20 von 22 Drittligapartien bestritten hat, sieht sich Holthaus aber keineswegs. „Spielen will ich, auf jeden Fall. Ich weiß, dass ich das nicht geschenkt bekomme. Konkurrenz muss es geben, und die gibt es auch hier. Doch diesen Kampf nehme ich an“, sagt der gebürtige Westfale.

Holthaus gilt als ausgemachter Spaßvogel, der für jeden Scherz zu haben sein soll und damit fast ein bisschen an Teixeira erinnert. Und wenn er sagt, dass Spaß dazugehöre, doch man wissen müsse, wann Ernsthaftigkeit angebracht ist, klingt er so wie sein verletzter Mitspieler. Zudem fällt der Neuzugang durch seine vielen Tattoos auf und will nicht ausschließen, sich auch in Dresden eines stechen zu lassen, als Erinnerung gewissermaßen. „Während einer Saison ist das nicht so optimal. Aber mal schauen, was Mitte Mai möglich ist“, meint er. „Wir gucken von Spiel zu Spiel. Das habe ich hier schon mal gelernt“, verweist er auf die derzeit gültige Sprachregelung in Verbindung mit Dynamos überaus positiver sportlicher Konstellation.

Und auch wenn er sich das Wort Aufstieg nicht entlocken lässt, weiß er um die Perspektive. „Das habe ich mitbekommen. Und das sieht man ja auch, wenn man auf die Tabelle schaut. Das soll uns jetzt aber nicht interessieren“, sagt er und lenkt den Blick stattdessen auf die nähere Zukunft: „Mainz ist extrem wichtig.“ Dass Dynamos bevorstehendes Heimspiel am Sonnabend das erste auf dem neu verlegten Rasen ist, der wiederum von einer Düsseldorfer Firma stammt – reiner Zufall.