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Dynamo fordert Annullierung des Abstiegs

Die Dresdner wehren sich gegen den Gang in die 3. Liga. Intern wird intensiv über eine Klage beraten. Sportchef Becker hat einen Vorschlag, die DFL bestätigt Gespräche.

Dynamos Geschäftsführer Michael Born (links) und Ralf Becker wollen den Abstieg nicht einfach hinnehmen. Das haben sie mittlerweile auch der DFL mitgeteilt.
Dynamos Geschäftsführer Michael Born (links) und Ralf Becker wollen den Abstieg nicht einfach hinnehmen. Das haben sie mittlerweile auch der DFL mitgeteilt. © dpa/Robert Michael

Dresden. Dynamo Dresdens Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga steht seit fast einem Monat fest. Abgefunden hat sich der Verein damit aber noch nicht, auch wenn die Personalplanungen für den Neubeginn in Liga drei bereits weit fortgeschritten sind. Fünf Neuzugänge haben die Dresdner verpflichtet und sich darüber hinaus von 17 Spielern verabschiedet, deren Verträge aufgrund der sportlichen Entwicklung nicht mehr gültig waren oder ohnehin ausgelaufen sind. Dennoch treibt der Verein seine Klagestrategie gegen den aus seiner Sicht unfairen Abstieg voran. Parallel wird offenbar eine gütliche Lösung mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gesucht. 

Wie Dynamo und inzwischen auch der Ligaverband bestätigte, befinde man sich in Gesprächen über den Verbleib in der zweiten Liga. Mit dieser Forderung war der neue Sportchef Ralf Becker am 1. Juli in Dresden angetreten. "Mein normaler Menschenverstand sagt mir, dass die DFL das sehr gut gemacht hat und alle 36 Profivereine hinter das Ziel brachte, die Saison zu Ende zu spielen. Doch was danach kam, müssen wir schon noch mal diskutieren. Denn wir fühlen uns nicht gerecht behandelt", betont Becker. 

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Er bezieht sich auf die 14-tägige häusliche Quarantäne der gesamten Mannschaft sowie des Trainer- und Betreuerstabs, nachdem zwei positive Corona-Fälle im Team festgestellt worden sind. Damit konnte Dynamo nicht trainieren, verpasste zudem den Neustart der Liga nach der Corona-Zwangspause und musste schließlich danach acht Spiele innerhalb von 22 Tagen absolvieren.  

Becker: Zwei Heimspiele mehr erhöhen Einnahmen

In den Gesprächen mit dem Ligaverband in Frankfurt/Main, an denen laut Bild-Zeitung Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born sowie die DFL-Vertreter Peter Peters, Rüdiger Fritsch und Ansgar Schwenken teilnahmen, verdeutlichte Becker seinen Lösungsansatz. "Gerecht wäre für mich jetzt, die Liga aufzustocken. Alle 36 Vereine haben das große Ziel gepackt", sagt Dynamos Sportchef. Also solle nun auch keiner absteigen.

Konkret hieße das: Außer dem Tabellenletzten Dynamo bliebe auch der Vorletzte Wehen Wiesbaden in der zweiten Liga, die damit in der nächsten Saison auf 20 Mannschaften aufgestockt wird. Dies, so Beckers Argumentation, bringt jedem Verein zwei Heimspiele mehr, womit sich auch Corona-bedingte Einnahmeverluste ausgleichen ließen.

"Wir können das weder bestätigen noch dementieren, weil wir uns dazu überhaupt nicht äußern", sagt Dynamo-Sprecher Lennart Westphal am Dienstag auf Nachfrage von Sächsische.de. Man gehe mit weiteren Informationen erst in die Öffentlichkeit, wenn es final etwas zu vermelden gibt. 

DFL: Wie soll es umgesetzt werden?

Bei der DFL wollte man den Vorgang zunächst nicht kommentieren, ehe sich Präsidiumssprecher Peters doch zu Wort meldete. "Wenn ein Verein auf uns zu kommt und mit uns sprechen will, tun wir das natürlich. Und wenn man eine Einschätzung von uns haben will, bekommt man die natürlich auch", erklärt Peters der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Fragen lauten doch: Was wollen sie genau? Wie bewertet man das? Und wie soll es umgesetzt werden?" Noch lägen von Dynamo-Seite aber weder Anträge noch Vorschläge auf dem Tisch, wie die am 18. September beginnende Saison mit 20 Mannschaften gespielt werden könnte.  

Wehen: Gerechtigkeit in Corona-Zeiten schwierig

Beim SV Wehen Wiesbaden, der von der Liga-Aufstockung profitieren würde, reagiert man verhalten. "Es ist aus unserer Sicht müßig, über Erfolgschancen zu spekulieren. Momentan sind wir zwar in einer betroffenen, aber beobachtenden Rolle und warten zunächst ab", sagt Geschäftsführer Nico Schäfer. Zurückhaltend äußert er sich darüber, ob Dynamos Initiative richtig ist. 

"Einschätzungen zu einer sportlichen Gerechtigkeit in Corona-Zeiten sind grundsätzlich schwierig", betont Schäfer und erinnert an einen eigenen Fall: "Man darf nicht vergessen, dass wir eine der ersten Mannschaften waren, die sich auf Grund eines positiven Corona-Tests eines Spielers komplett in eine zweiwöchige Quarantäne begeben musste." Dies habe zwar keine Auswirkungen auf den Spielplan, aber auf die Vorbereitung gehabt. 

Und dann wird Schäfer prinzipiell: "Wir haben innerhalb der DFL lange über die sportliche Integrität des Wettbewerbs unter diesen Rahmenbedingungen diskutiert, und am Ende haben wir uns geschlossen dafür entschieden, die Saison mit all ihren Unwägbarkeiten auf jeden Fall zu Ende zu bringen."  

Born: Klage eine sehr große Herausforderung

Seit einer knappen Woche liegt Dynamo nun außerdem das Rechtsgutachten vor, das der Verein mit dem sportlichen Abstieg in Auftrag gegeben hat und das die Chancen einer Klage wegen Wettbewerbsverzerrung und Ungleichbehandlung ausloten sollte. Auch eine Klage auf Schadenersatz ist demnach denkbar. Zum Ergebnis der Juristen schweigt der Verein allerdings auch auf mehrfache Nachfrage. Man müsse sich intern jetzt dazu abstimmen, heißt es. Cheftrainer Markus Kauczinski unterstützt eine mögliche Klage. Man müsse zeigen, dass der Verein benachteiligt worden sei. "Aber Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Dinge", sagte er kürzlich im großen Saisonbilanz-Interview bei Sächsische.de.

Für die Sportgerichtsbarkeit ist formal der Deutsche Fußball-Bund zuständig, für die Organisation der 2. Bundesliga die DFL. Einen Antrag auf Aufstockung für die DFL-Mitgliederversammlung der 36 Profi-Klubs dürfte Dynamo als Drittligist derzeit vermutlich auch gar nicht mehr selbst stellen. 

Laut Aussage von Geschäftsführer Born, der den Gang vor das DFB-Sportgericht als juristisch sehr große Herausforderung bezeichnet, hätten sich "noch ein paar Ansatzpunkte ergeben, die wir jetzt intensiv prüfen". Dann werde man schauen, "was wir machen", sagte Born dem Onlineportal Tag24. Jene Ansatzpunkte, von denen Born spricht, könnten den Ausschlag gegeben haben für die Gesprächsbereitschaft der DFL. Die Bild-Zeitung berichtet zudem, Dynamo stelle mittlerweile auch die Rechtmäßigkeit der von der DFL beauftragten Corona-Test-Labors infrage.

Spekuliert Dynamo nur auf finanzielle Entschädigung?

Eine Aufstockung der zweiten Liga, so viel ist sicher, würde die Klubs im ohnehin eng getakteten Kalender vor neue Terminprobleme stellen, zudem müsste das TV-Geld an mehr Vereine verteilt werden. Die Zustimmung dafür dürfte deshalb bei anderen Vereinen gering ausfallen. 

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Ralf Becker tritt mit klaren Zielen an. Konkret festlegen will er sich aber nur, wenn es um die Ungleichbehandlung der DFL geht - und um Vorgänger Ralf Minge.

Womöglich spekuliert Dynamo deshalb eher auf eine finanzielle Entschädigung, zumal Sportchef Becker die Kaderplanungen bislang auf die 3. Liga ausgerichtet hat und bei seinem Amtsantritt ebenso klarstellte, dass "wir es akzeptieren, wenn wir in der nächsten Saison ein Drittligaverein sind". 

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