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Deshalb klagt Dynamo nun doch nicht gegen den Abstieg

Die Dresdner fühlen sich ungerecht behandelt, halten eine Klage aber für den falschen Weg. Stattdessen will es der Verein wieder selbst richten.

Sie haben sich entschieden: Dynamo klagt nicht gegen den Abstieg. Das Risiko, da sind sich Sportchef Ralf Becker (links) und der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Heinig einig, wäre zu groß.
Sie haben sich entschieden: Dynamo klagt nicht gegen den Abstieg. Das Risiko, da sind sich Sportchef Ralf Becker (links) und der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Heinig einig, wäre zu groß. © Lutz Hentschel

Dresden. Dynamo zieht einen Schlussstrich. In dieser Woche haben die Verantwortlichen noch einmal überlegt, abgewogen und sich von einer Anwaltskanzlei beraten lassen. Jetzt steht fest: Der Verein reicht keine Klage beim Sportgericht ein, um den Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga wegen der Ungleichbehandlung nach der Corona-Zwangspause juristisch anzufechten.

Diese Entscheidung gab der Verein am Freitagabend in einer Pressemitteilung bekannt. Zuvor hatten die Vertreter der Gremien in einer, wie es heißt, von Präsident Holger Scholze satzungsgemäß einberufenen Versammlung am Mittwochabend Chancen und Risiken abgewogen. Man habe sich einstimmig darauf verständigt, keine Rechtsmittel gegen die sportliche Wertung der zweiten Liga einzulegen, erklärt Aufsichtsratschef Jens Heinig.

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Dynamo hatte bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gefordert, den Abstieg wegen der offensichtlichen Benachteiligung im Wettbewerb zu annullieren, und den Antrag gestellt, die Liga für die nächste Saison auf 20 Mannschaften aufzustocken. Dafür wäre der Verein bereit gewesen, auf einen erheblichen Teil des Fernsehgeldes zu verzichten, das dann hätte unter zwei Klubs mehr aufgeteilt werden müssen. Denn aus Gründen der Solidarität sollte auch Mitabsteiger Wehen Wiesbaden in der Spielklasse verbleiben.

Erheblicher Nachteil durch die Quarantäne

Diesen Vorschlag hatte die DFL jedoch am vergangenen Freitag abgelehnt. Darauf hatte Dynamo wiederum überrascht und enttäuscht reagiert. Die Dresdner zielten in ihrer Argumentation nicht nur auf den klaren Wettbewerbsnachteil. Die Mannschaft von Cheftrainer Markus Kauczinski musste nach dem Trainingsstart wegen vier Corona-Fällen für zwei Wochen in häusliche Quarantäne, während sich die Konkurrenten auf den Wiederbeginn des Spielbetriebs vorbereiten konnten. Dynamo verpasste insgesamt drei Spiele, die dann im ohnehin engen Zeitplan bis zum auf Ende Juni verschobenen Saisonschluss nachgeholt werden mussten. So bestritten die Schwarz-Gelben acht Partien innerhalb von drei Wochen und hatten erst vor dem letzten und dann letztlich schon bedeutungslosen Spiel gegen Osnabrück eine Woche Pause.

In dem Streit mit der DFL hatte Dynamo laut dem Antwortschreiben des Ligaverbandes, aus dem das Magazin Kicker zitierte, zudem erhebliche Zweifel an den positiven Corona-Tests angemeldet. Bei allen vier betroffenen Spielern seien bei einer Kontrolluntersuchung keine Antikörper gefunden worden. Man gehe davon aus, dass bei einer fehlerhaften Diagnose die DFL haftungsrechtlich verantwortlich gemacht werden könnte, hieß es. Die Fronten waren verhärtet.

Auch Trainer Markus Kauczinski und Geschäftsführer Michael Born sind einer Meinung: Dynamo hatte im Kampf um den Klassenerhalt einen klaren Wettbewerbsnachteil. Trotzdem wollen sie nun den Fokus auf den neuen Angriff in der 3. Liga legen.
Auch Trainer Markus Kauczinski und Geschäftsführer Michael Born sind einer Meinung: Dynamo hatte im Kampf um den Klassenerhalt einen klaren Wettbewerbsnachteil. Trotzdem wollen sie nun den Fokus auf den neuen Angriff in der 3. Liga legen. © Lutz Hentschel

Nun hat Dynamo einen Ausweg gefunden. Im Prozess der Risikoabwägung habe man feststellen müssen, so Heinig, dass etwaige Konsequenzen nicht bis ins Detail vorhersehbar sind. „Wir hätten uns mit allen Folgen darauf einstellen müssen, dass wir auf eine jahrelange juristische Auseinandersetzung mit sehr geringen Aussichten auf Erfolg zusteuern“, erklärt der Vorsitzende des Aufsichtsrates und begründet den Beschluss: „Eine solch kostenintensive Ablenkung von unserem Kerngeschäft, bei der sehr viele Ressourcen gebunden werden würden, kann nicht im Interesse unseres Vereins sein.“

Unmittelbar nach dem Abstieg hatte auch Trainer Kauczinski den Verein ermutigt, eine Klage zumindest in Betracht zu ziehen, viele Fans fordern das sowieso und immer noch. „Wir verstehen den emotionalen Impuls eines jeden Menschen, der sich aufgrund seiner Dynamo-Verbundenheit ungerecht behandelt fühlt“, sagt Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Niemand bestreite den offensichtlichen Wettbewerbsnachteil, unter dem Dynamo nach der Corona-Zwangspause als einziges Team gelitten habe.

"Das Schicksal selbst in die Hand nehmen"

Die Verantwortlichen hätten sich von Rechtsanwalt Sven Piel von einer Hamburger Kanzlei umfangreich juristisch beraten lassen. Dabei seien verschiedene Szenarien diskutiert worden, wie der Weg für eine gerichtliche Auseinandersetzung vor den Sportgerichten sowie der ordentlichen Gerichtsbarkeit aussehen könnte. Selbst wenn man der Überzeugung ist, in einem Prozess gute Aussichten zu haben: „Aber Recht haben und Recht bekommen sind leider manchmal zwei verschiedene Dinge“, betont Born. 

Den Verein habe immer auch ausgezeichnet, zusammen mit seinen Mitgliedern und Fans, Partnern und Sponsoren das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, „um gemeinsam eine erfolgreiche Dynamo-Zukunft zu gestalten. Also packen wir es einmal mehr gemeinsam an“, betont der Geschäftsführer.

Auch Sportchef Ralf Becker blickt jetzt voraus, obwohl er sich mehr Solidarität von der DFL und den anderen Vereinen gewünscht hätte, wie er sagt. „Wir sind nach intensiven Gesprächen jetzt an dem Punkt angekommen, an dem wir die Dinge so akzeptieren müssen, wie sie sind“, erklärt Becker. Den mittlerweile acht Neuzugängen habe er in den Gesprächen gesagt, dass man für die 3. Liga plant. "Unter der Maßgabe wurden sie auch verpflichtet." Ab sofort, erklärt Becker, gelte der volle Fokus und die ganze Kraft "unserer Aufgabe in der 3. Liga".

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