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Ist der Umgang mit Dynamo ungerecht?

Eine repräsentative Umfrage unter Fußball-Fans zeigt, was viele nach Corona über Dynamos bevorstehenden Gang in die 3. Liga denken.

Dynamos Abstieg in die 3. Liga lässt sich kaum noch vermeiden. Fußballfans in Deutschland finden das ungerecht.
Dynamos Abstieg in die 3. Liga lässt sich kaum noch vermeiden. Fußballfans in Deutschland finden das ungerecht. © dpa/Robert Michael

Dresden. Ein Abstieg ist immer bitter. Im Fall von Dynamo Dresden ist es aber nicht nur der sportliche Misserfolg nach einer desolaten Saison, über die sich Verein und Fans jetzt ärgern. Es sind auch die Umstände, unter denen die Mannschaft die letzten neun Spiele absolvieren musste. 

Zwischen der Rückkehr in den Zweitligabetrieb nach der Corona-Pause und dem am kommenden Wochenende bevorstehenden letzten Saisonspiel zu Hause gegen Osnabrück (Sonntag, 15.30 Uhr, Liveticker auf Sächsische.de) liegen nur 29 Tage. 

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Seit 31. Mai absolvierte Dynamo im Schnitt alle drei Tage ein Spiel. Keine andere Mannschaft im deutschen Profifußball hatte ein solches Mammutprogramm. Zum Vergleich: der 1. FC Nürnberg, der aktuell auf dem rettenden 15. Platz in Liga 2 steht, konnte wie fast alle anderen Profi-Klubs schon am 17. Mai wieder ran. Das war zwei Wochen eher, macht im Schnitt rund fünf Tage Pause zwischen jedem Spiel. 

Kann man das als ungerecht empfinden? Ja, das geht zumindest aus einer repräsentativen, bundesweit durchgeführte Umfrage von Sächsische.de und den Meinungsforschern von Civey unter Personen, die sich als Fußball-Fan bezeichnen, hervor. Fast die Hälfte (44,2 Prozent) der insgesamt 2.633 Befragten sagt, es sei ungerecht gewesen, dass Dynamo wegen der Corona-Pandemie in kurzer Zeit mehr Spiele als alle anderen Konkurrenten absolvieren musste. Ein geringerer Anteil empfindet das nicht so, 36,8 Prozent sehen keine Ungerechtigkeiten, 19 Prozent sind unentschieden.

Das Ergebnis der Umfrage deckt sich mit den zahlreichen Reaktionen, die das emotionale Interview mit Chris Löwe nach dem verloren Auswärtsspiel in Kiel vor einer Woche hervorrief. Ganz gleich, ob Menschen eher pro oder contra Dynamo sind, in Sozialen Medien hieß es oft, man verstehe die Kritik des 31 Jahre alten Verteidigers. Löwe hatte mit drastischen Worten gesagt, es würde weder DFL noch DFB interessieren, wenn Dynamo und die Spieler den Preis für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs trotz Corona-Pandemie zahlen.  

Folgen werden die Äußerungen für Löwe nicht haben. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zeigte sogar Verständnis für den Wutausbruch. Er sagte: "Mir tut es sehr leid für Dynamo Dresden. Mir tut es auch leid, dass der Spieler sich so fühlt." 

Und Dynamo? Der Verein will es offenbar nicht auf sich beruhen lassen, dass die Liga Mitte Mai gestartet wurde, obwohl das gesamte Team zu diesem Zeitpunkt wegen zweier Corona-Fälle in zweiwöchige Quarantäne musste. 

Die Schwarz-Gelben kündigten an, juristische Schritte zu prüfen und aufgrund fehlender Chancengleichheit vor das DFB-Sportgericht zu ziehen. „Wir wollen einen fairen Wettbewerb, und der ist nicht gegeben", sagte der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born, und er betonte: "Man hat uns in einen Terminplan hineingezwängt. In anderen Ländern wird auch im Juli gespielt." Dynamos Trainer Markus Kauczinski legte am Donnerstag in einem Interview mit der Welt nach: "Was hier passiert ist, war nicht richtig. Das hat mit fairem Wettbewerb nichts zu tun."

Dass die Bundesliga in Deutschland während der Corona-Zeit den meisten Deutschen nicht gefehlt hat, dürfte den Dresdnern vor Gericht nicht helfen. Es bestätigt jedoch im Grundsatz das, was Löwe emotional und Born rational erklärten. In einer anderen Civey-Umfrage sagen zwei Drittel (65,7 Prozent) von rund 2.500 Befragten, sie hätten es während der Corona-Pause nicht vermisst, die Bundesliga zu schauen.

Eine Erkenntnis, die zwar keinem nützt, aber die Frage nach dem Sinn des frühen Neustarts zulässt. 

Information zu den Umfragen mit Civey

In diesem Artikel wurden zwei Umfrage ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An der Umfrage zur Gerechtigkeit des Spielplans wurde 2.633 Mal teilgenommen, aus 1.912 Stimmen eine Stichprobe gezogen. An der Umfrage zur Meinung der Deutschen zur Corona-Unterbrechung der Bundesliga wurde 28.994 Mal teilgenommen, aus 2.532 eine Stichprobe gezogen. Die Stichproben entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der deutschen Wahlbevölkerung und wurden isoliert nach Fußball- und Sportinteresse der Befragten erstellt. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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