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Dynamo stoppt alle Gespräche über Verträge

Jetzt müsste Sportchef Ralf Minge die Mannschaft für die neue Saison formen. Wegen der Corona-Krise ist nun alles anders. Das kann sogar eine Chance sein.

Nachdenklich wirkt Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge öfter - in diesen Tagen ist er es aus mehreren Gründen.
Nachdenklich wirkt Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge öfter - in diesen Tagen ist er es aus mehreren Gründen. © Foto: Jürgen Lösel

Dresden. Welche Szenarien könnte es geben, um diese Fußball-Saison doch noch zu einem Ende zu bringen - und vor allem: Kann das ein gutes sein? Am Dienstag schalten sich die Bosse der 36 Profi-Klubs per Telefon zusammen, um zunächst einmal dem Vorschlag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zuzustimmen, die Pause bis 30. April zu verlängern. Das gilt als sicher. Doch welche Szenarien gibt es, falls die Corona-Pandemie auch danach einen regulären Spielbetrieb unmöglich macht, was allen Prognosen der Virologen und Aussagen von Politikern nach als wahrscheinlich anzusehen ist?

Dabei geht es schon nicht mehr nur um die aktuelle Saison, normalerweise laufen die Planungen für die nächste im Frühjahr bereits auf Hochtouren, werden Verträge mit Spielern verlängert und Neuzugänge perfekt gemacht. In der Krise scheint jedoch auch der Transfermarkt komplett zum Erliegen gekommen zu sein, weil kein Verein weiß, wie es weitergeht. Dynamo Dresden betrifft diese Unsicherheit gleich doppelt, denn es ist an sich schon schwierig, um den Klassenerhalt in der zweiten Liga kämpfen zu wollen, aber parallel auch für die 3. Liga planen zu müssen.

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Dafür haben nach den offiziell verfügbaren Angaben des Vereins bisher nur sieben Spieler einen Vertrag, darunter die Nachwuchsspieler Simon Gollnack und Randsford-Yeboah Königsdörfer. Dagegen gelten die Verträge der insgesamt sechs ausgeliehenen Spieler sowie von sechs weiteren Profis nur bis zum 30. Juni, fünf könnten bei einem Abstieg ablösefrei gehen.

Wird im Fußball-Geschäft finanziell abgespeckt?

"Die Gespräche zur Vertragsverlängerung ruhen derzeit aufgrund der Corona-Krise und den gesamten Begleiterscheinungen", erklärt Ralf Minge auf Nachfrage der SZ. Es gebe für den Sportgeschäftsführer und den gesamten Verein derzeit in Anbetracht der aktuellen Lage Themen, die mit einer höheren Priorität versehen sind.

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Das ist nicht nur ein Problem, sondern kann durchaus eine Chance sein. Derzeit kann niemand sagen, wie sich der Transfermarkt entwickelt, aber in einer Einschätzung sind sich alle sicher: Er wird sich regulieren, im Fußball-Geschäft abgespeckt werden müssen. "Ja, davon gehe ich fest aus", erklärt Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. An manchen Standorten sei die Lage angespannter als für die SGD. "Natürlich wird das entsprechende Folgen haben, die man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen kann."

Auch Spielerberater Stefan Backs von der Agentur Siebert und Backs rechnet mit erheblich niedrigeren Ablösesummen. "Der Markt wird sich, da bin ich ziemlich sicher, runterregulieren. Vielleicht sogar auf ein gesundes Maß, weil schon sehr, sehr viel bezahlt worden ist in den letzten Jahren. Das wird sich deutlich reduzieren", sagte Backs dem Sport-Informations-Dienst.

Zudem gebe es neben dem geschäftlichen auch einen "moralischen Aspekt". "Man muss schauen, ob es zeitgemäß ist in diesen Zeiten, wo Tausende Menschen um ihre Existenz bangen, ob man dann zig Millionen Ablösesummen für einen Spieler bezahlt. Ich finde, es passt nicht in die Zeit, und deswegen wird in diesem Sommer vieles anders sein als sonst", sagte Backs.

Seine Prognose: Jene Spieler, "die sowieso Schwierigkeiten hatten, einen Klub zu finden, die werden hinten runterfallen. Da wird eine ganze Menge passieren." Im Moment aber passiert wenig - bis nichts. "Auch die Themen Vertragsverlängerungen und Neuverpflichtungen von Spielern liegen aufgrund der Notsituation für unser Land und den Fußballsport bis auf Weiteres komplett auf Eis", lässt Minge den aktuellen Stand für Dynamo mitteilen.

Kommt Minge der Einschnitt sogar entgegen?

Der 59-Jährige dürfte eine finanzielle Mäßigung sowohl bei Ablösesummen als auch Gehältern begrüßen. Bereits im Herbst hatte er eingeräumt, bei der Zusammenstellung des Kaders für diese Saison zu sparsam gewesen zu sein. "Es fällt mir als alter Schotte schwer, denn ich betrachte jeden Euro als meinen eigenen", sagte Minge damals und räumte im exklusiven Interview mit der SZ Fehler ein.

Als er im Februar 2014 als Sportdirektor zu Dynamo zurückkehrte, stand der Verein nicht nur sportlich vor dem Abstieg, sonden auch finanziell vor dem Aus. Er wählte damals den Vergleich zu einem Patienten auf der Intensivstation.

Inzwischen hat der Klub seine Altschulden zurückgezahlt, für das Geschäftsjahr 2018/19 wurde ein Gewinn von 4,5 Millionen Euro ausgewiesen, das Eigenkapital stieg auf 10,1 Millionen. Nach eigenen Angaben hatte Minge 1,7 Millionen Euro im laufenden Etat für Winter-Transfers übrig.

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Wann immer das sein wird - und wie dann die Lage ist.

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