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So lief Dynamos erstes Training in der Corona-Krise

Trainer Markus Kauczinski freut sich, wieder mit der Mannschaft arbeiten zu können, wenn auch eingeschränkt. Vier Spieler fehlen beim Auftakt.

Dynamos Profis trainieren am Mittwoch zum ersten Mal während der Corona-Pandemie unter Ausschluss der Öffentlichkeit in kleinen Gruppen im Rudolf-Harbig-Stadion.
Dynamos Profis trainieren am Mittwoch zum ersten Mal während der Corona-Pandemie unter Ausschluss der Öffentlichkeit in kleinen Gruppen im Rudolf-Harbig-Stadion. © Dennis Hetzschold

Dresden. Als es spannend wird, sind die Rollos runtergefahren. Bevor die Dynamo-Profis am Mittwochvormittag zum ersten Mal seit fast vier Wochen zum Training den Rasen betreten, werden die Tore am Rudolf-Harbig-Stadion verschlossen. Blickdicht. Was im Liga-Alltag dazu dienen soll, den Scouts des Gegners die Sicht zu versperren, gehört in Corona-Zeiten zu den Schutzmaßnahmen. Das sächsische Innenministerium hatte die Ausnahmegenehmigung für den Fußball-Zweitligisten unter strengen Auflagen erteilt, sodass sich die Profis nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Bälle zuschieben dürfen.

Das ist es, worauf sich die Spieler am meisten gefreut haben. Seit dem 13. März haben sie sich mit individuellen Übungsplänen im Homeoffice fit gehalten, zumindest zeigt jetzt keiner einen Bauchansatz. Doch mal wieder einige Kollegen zu sehen, sich mit dem gebotenen Abstand direkt und nicht über die Whatsapp-Gruppe auszutauschen, ist wichtig für das Mannschaftsgefühl. Der Kader ist in zwei größere Gruppen aufgeteilt, die eine trainiert um zehn, die andere 14 Uhr - und dies wiederum in kleinen Gruppen mit drei festen Trainingspartnern. Die dürfen sich jeweils auf einem Viertel des Platzes bewegen. 

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Die Trainer kommen mit dem Rad ins Stadion

Es wird beinahe penibel darauf geachtet, dass sie sich so wenig wie möglich nahe kommen. So gilt die Abstandsregelung schon, indem nicht alle auf einmal eintreffen und frühestens 20 Minuten vor Beginn da sein sollen. Die Trainer kommen bereits halb neun, Chefcoach Markus Kauczinski wie sein Assistent Heiko Scholz entspannt mit dem Rad, froh darüber, nicht mehr zur Tatenlosigkeit verdammt zu sein.

„Ich freue mich, die Jungs wiederzusehen, ein bisschen mit ihnen arbeiten zu können“, sagt Kauczinski vorher - und berichtet danach: "Es ist schon gewöhnungsbedürftig." Bei der ersten Ansprache mit Distanz musste er "lauter sein, damit mich die Spieler verstehen." Man setze die Vorgaben sehr diszipliniert um, betont der 50-Jährige.

Die Fotos vom geheimen Training in der Bildergalerie

Cheftrainer Markus Kauczinski (l.) freut sich sichtlich, seine Spieler wieder am Ball zu sehen. Sascha Horvath (M.) und Patrick Ebert erwarten die nächste Übung. 
Cheftrainer Markus Kauczinski (l.) freut sich sichtlich, seine Spieler wieder am Ball zu sehen. Sascha Horvath (M.) und Patrick Ebert erwarten die nächste Übung.  © Dennis Hetzschold
In kleinen Gruppen mit je drei festen Trainingspartnern, die sich jeweils auf einem Viertel des Platzes bewegen dürfen, bereitet sich Dynamo darauf vor, dass die Saison in der 2. Bundesliga im Mai fortgesetzt wird. 
In kleinen Gruppen mit je drei festen Trainingspartnern, die sich jeweils auf einem Viertel des Platzes bewegen dürfen, bereitet sich Dynamo darauf vor, dass die Saison in der 2. Bundesliga im Mai fortgesetzt wird.  © Dennis Hetzschold
Florian Ballas und Jannis Nikolaou (oben, v. l.) sowie Marco Hartmann, Linus Wahlqvist und Justin "Leo" Löwe (unten v. l.) werfen sich den Ball zu.
Florian Ballas und Jannis Nikolaou (oben, v. l.) sowie Marco Hartmann, Linus Wahlqvist und Justin "Leo" Löwe (unten v. l.) werfen sich den Ball zu. © Dennis Hetzschold
Sascha Horvath trägt eines der kleinen Tore, auf die die Spieler beim Fitness-Parcours zielen dürfen. Der Österreicher hat auf die Schließung der Friseur-Salons reagiert und sich einen Stoppel-Haarschnitt verpasst. 
Sascha Horvath trägt eines der kleinen Tore, auf die die Spieler beim Fitness-Parcours zielen dürfen. Der Österreicher hat auf die Schließung der Friseur-Salons reagiert und sich einen Stoppel-Haarschnitt verpasst.  © Dennis Hetzschold
Patrick Ebert dribbelt durch die Slalomstangen. Wenn das mit Gegenspielern doch genauso leicht wäre.
Patrick Ebert dribbelt durch die Slalomstangen. Wenn das mit Gegenspielern doch genauso leicht wäre. © Dennis Hetzschold
Die Torhüter um Kevin Broll bilden eine extra Gruppe und trainieren positionsspezifisch mit Torwartcoach Brano Arsenovic - Abstand zu halten, ist für die Einzelkämpfer im Mannschaftssport wohl eine leichte Übung.
Die Torhüter um Kevin Broll bilden eine extra Gruppe und trainieren positionsspezifisch mit Torwartcoach Brano Arsenovic - Abstand zu halten, ist für die Einzelkämpfer im Mannschaftssport wohl eine leichte Übung. © Dennis Hetzschold

Ein typisches Fußball-Training ist unter den gebotenen Umständen ohne Körperkontakt unmöglich, trotzdem ist es mehr, als für die meisten derzeit erlaubt. „Der Fokus liegt auf der Ballgewöhnung, technische Dinge verbunden mit athletischen Inhalten“, erklärt Kauczinski sein Programm für die nächste Zeit. Er sagt aber auch: „Fußball besteht aus Kontakten, ist eine Zweikampfsportart, es geht darum, sich durchzusetzen.“ Insofern sei das für eine gewisse Zeit okay, habe aber seine Grenzen, weil taktische Arbeit als Mannschaft unmöglich ist.

Vor der Übungseinheit holen Scholz, Torwarttrainer Brano Arsenovic und Athletikcoach Matthias Grahé ein paar kleine Tore vom Übungsplatz auf der anderen Straßenseite für den Fitness-Parcours, der kein stures Lauftraining sein soll, sondern zumindest teilweise mit Ball absolviert werden kann. Ob das noch klappen wird? „Das hat doch schon vorher nicht funktioniert“, reagiert Kapitän Florian Ballas im Vorbeigehen selbstironisch auf die Frage.

Interviews direkt zu führen, ist tabu, das hatte Dynamo schon vorsorglich entschieden, als die Deutsche Fußball-Liga noch weiterspielen wollte. Die Spielpause in den beiden Bundesligen wurde erst einmal bis 30. April verlängert, was danach passiert, vermag niemand zu sagen. Eine weitere Mitgliederversammlung der 36 Profi-Klubs ist für den 17. April geplant. Es mehren sich jedoch die Stimmen, die einen sofortigen Abbruch der Saison fordern wie Ex-Trainer Eduard Geyer.

Marco Hartmann darf nach fast vier Wochen Pause mal wieder auf dem Platz gegen den Ball treten. Sein Vertrag bei Dynamo läuft Ende Juni aus, seine sportliche Zukunft ist ungewiss.
Marco Hartmann darf nach fast vier Wochen Pause mal wieder auf dem Platz gegen den Ball treten. Sein Vertrag bei Dynamo läuft Ende Juni aus, seine sportliche Zukunft ist ungewiss. © Dennis Hetzschold

Geisterspiele scheinen die einzige Option zu sein, diese Saison zu Ende zu bringen, was für die Schwarz-Gelben bedeuten würde, im Kampf um den Klassenerhalt auf die Fans verzichten zu müssen. Das gilt zwar für die Gegner genauso, aber die Dynamo-Anhänger sind im Liga-Vergleich besonders zahlreich – und das nicht nur zu Hause, auch auswärts schöpfen sie das limitierte Kartenkontingent meist aus.

Immerhin gilt das Training ohne Zuschauer aus sportpsychologischer Sicht für die Spieler als eine gute Vorbereitung auf die außergewöhnliche Atmosphäre. Das wird nun nicht nur in Dresden auf unbestimmte Zeit der Normalfall sein, damit sich die „Kiebitze“ nicht wie sonst am Großen-Garten-Zaun treffen.

Die beiden Tschechen bleiben zunächst in der Heimat

Vier Spieler würden sie derzeit vermissen. Patrick Schmidt fehlt wegen eines "normalen" Infektes, wie der Verein in seiner Pressemitteilung hervorhebt, Chris Löwe muss aufgrund von Adduktorenproblemen passen. Die Tschechen Ondrej Petrak und Josef Husbauer, die nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat bereits für 14 Tage unter häuslicher Quarantäne standen, bleiben zunächst dort und absolvieren mit Individualtrainern ein ähnliches Übungsprogramm wie die Kollegen in Dresden. Sobald klar ist, ob und wann die Saison in der zweiten Liga fortgesetzt wird, werden sie nach Dresden kommen, um sich mit der Mannschaft auf die verbleibenden neun Spiele vorzubereiten.

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Kauczinski geht davon aus, dass es in der zweiten Mai-Woche weitergehen könnte. "Davon gehen wir aus." Es gebe aber derzeit viele Unwägbarkeiten. "Man muss flexibel sein. Deshalb gehen wir es entspannt an, weil es trotzdem Spaß macht." Auf einem solchen Rasenteppich im Stadion trainieren zu dürfen, würde er sich im Alltag sicher manchmal wünschen.

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