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Los jetzt! Dynamo kämpft um den Anschluss

Es ist der Neustart nach der Quarantäne. Bis zum Spiel gegen Stuttgart müssen die Dresdner körperlich zulegen. Warum das schwierig ist, erklärt der Fitnesscoach.

Fitnesstrainer Matthias Grahé läuft beim ersten Training nach der Quarantänepause im Großen Garten vornweg, der Rest folgt.
Fitnesstrainer Matthias Grahé läuft beim ersten Training nach der Quarantänepause im Großen Garten vornweg, der Rest folgt. © Jürgen Lösel

Sie sind zurück auf dem Rasen, seit Samstag dürfen die Profis des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden wieder im Rudolf-Harbig-Stadion trainieren. Zwei Wochen waren die komplette Mannschaft sowie Trainer und Betreuer in häuslicher Quarantäne, nachdem zwei Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Nun versuchen sie, den Rückstand aufzuholen, was jedoch in der kurzen Zeit bis zum ersten Spiel am Pfingstsonntag gegen den VfB Stuttgart unmöglich ist.

Das sagt jedenfalls Fitnesscoach Matthias Grahé. „Wir fangen nicht bei null an, weil wir im Kleingruppentraining zuvor eine Basis gelegt haben, auf die wir zurückgreifen können. Aber wo wir nach 14 Tagen zu Hause stehen, lässt sich nicht bemessen.“ Mindestens dieselbe Zeit hätte er sich gewünscht, um an den Schwachstellen arbeiten zu können, die sich im Hometraining zwangsläufig ergeben haben. Sein Grundsatz gilt jetzt genauso wie vor der Zwangspause: Das beste Athletiktraining für einen Fußballer ist das Fußballspiel.

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Wie verzwickt die Situation ist

Stattdessen sind die Dresdner auf dem Spinning-Rad mal weiter, mal schneller gefahren und haben per Video an Bein- und Oberkörperkraft sowie der Rumpfstabilität gearbeitet. „Daran sieht man, wie verzwickt die Situation für uns ist“, meint Grahé – und er erklärt die Unterschiede: „Natürlich bringt es etwas für die Ausdauer, aber beim Fahrradfahren werden andere Muskelgruppen beansprucht, vor allem die Vorderseite des Oberschenkels. Im Fußball sind es die Rückseite und die Gesäßmuskulatur, die uns be- und entschleunigen, einen Lauf stoppen, nach links oder rechts ausweichen lassen.“

Wegen der völlig anderen Belastung sei nach der Quarantäne das Risiko enorm, sich zu verletzen. „Das ist die größte Herausforderung.“ Deshalb war das Programm am Wochenende moderat, Ballgewöhnung nennen das die Trainer: Pass- und leichte Spielformen, keine Schüsse oder Flanken. Einen Lauf durch den Großen Garten könnte man machen, meint Grahé, es wäre aber schade um die Zeit. „Es geht darum, jetzt die Muskeln anzusprechen, die wir am Sonntag brauchen.“ Dann steigt Dynamo mit dem Geisterheimspiel gegen den VfB Stuttgart wieder ein nach der Schockstarre, die auch Grahé so empfunden hat.

Fitnesscoach Matthias Grahé erklärt Patrick Ebert (l.) die nächste Übung. Nach 14 Tagen in häuslicher Quarantäne ist Dynamo zurück auf dem Trainingsplatz.
Fitnesscoach Matthias Grahé erklärt Patrick Ebert (l.) die nächste Übung. Nach 14 Tagen in häuslicher Quarantäne ist Dynamo zurück auf dem Trainingsplatz. © Foto: Jürgen Lösel

Der 51-Jährige hat die Quarantäne in seiner Wohnung in Bad Muskau verbracht und versucht, sich mit der Katze zu unterhalten. „Außer miez und mauz sagt sie leider nichts.“ Stattdessen hat seine Frau dafür gesorgt, dass ihm nicht langweilig wird. „Ihr ist jeden Tag etwas eingefallen, was ich putzen sollte“, erzählt er und lacht.

In den ersten Tagen war ihm der Spaß jedoch vergangen. „Wenn man es Revue passieren lässt: erst der komplette Stopp, dann vier Wochen in kleinen Gruppen trainiert. Mit jedem Tag merkst du den Jungs mehr an, dass sie wieder mal Zweikämpfe führen, ins Dribbling gehen wollen, also das, was den Fußball für uns ausmacht“, sagt Grahé. „Und nach zwei Tagen wirst du wieder ausgebremst. Das ist mental schwer zu verdauen.“

Variante eins, sich zu Hause einzuschließen und ins Kissen zu heulen, kam für ihn jedoch genauso wenig infrage wie für das gesamte Team. „Wir wollen beweisen, dass wir uns von solchen Widrigkeiten nicht unterkriegen lassen.“ Der Zusammenhalt, den sich Mannschaft und Fans bereits vor der Corona-Krise geschworen hatten, zeigte sich auch während der Quarantäne. Grahé ist es wichtig, denen zu danken, die sich um die Spieler gekümmert haben, stellvertretend nennt er Teammanager Martin Börner, der „rund um die Uhr von draußen gewirbelt“ hat.

In den Gesprächen am Telefon habe er gemerkt, wie die Köpfe von Tag zu Tag ein Stück höher gegangen sind, auch wenn mancher wahrlich schmerzhafte Erfahrungen machen musste. Dann war der Fitnesscoach schon mal als Seelentröster gefragt. „Ich weiß, dass dir nach der dritten Einheit von 45 Minuten auf dem Rad der Hintern wehtut, aber da müssen wir durch“, hat er gesagt und sie in den Arm genommen – symbolisch, versteht sich.

Auch der Trainer ist wieder am Ball. Nur eine Wiche bleibt Markus Kauczinski, um die Mannschaft auf den Neustart in der 2. Bundesliga gegen den VfB Stuttgart am Pfingstsonntag vorzubereiten.
Auch der Trainer ist wieder am Ball. Nur eine Wiche bleibt Markus Kauczinski, um die Mannschaft auf den Neustart in der 2. Bundesliga gegen den VfB Stuttgart am Pfingstsonntag vorzubereiten. © Foto: Jürgen Lösel

Der mehr oder weniger unterschwellige Vorwurf, Dynamo wolle als Tabellenletzter den Abbruch provozieren, um dem Abstieg zu entgehen, hat auch Matthias Grahé getroffen. „Wir hatten ein gutes Frühjahr gespielt, die Mechanismen von Chefcoach Markus Kauczinski haben immer besser gegriffen, Rückschläge wie das 0:1 in Regensburg und gegen Aue haben uns nicht mehr aus der Bahn geworfen“, erklärt er. „Wir haben an uns, an unsere fußballerische Klasse und physische Stärke geglaubt.“

Er sei nach wie vor davon überzeugt, das Ziel erreichen zu können, auch wenn es jetzt ein „unlauterer Wettbewerb“ sei. „Kein anderer kommt aus 14 Tagen Quarantäne, alle waren so lange schon im Mannschaftstraining, haben Spiele bestritten. Das ist einfach eine Wettbewerbsverzerrung“, meint Grahé, betont aber: „Ich möchte die Saison zu Ende spielen, weil wir es schaffen können – trotz dieser verdammt schwierigen Voraussetzungen.“

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Schließlich gibt es zumindest einen positiven Aspekt der Pause: Die zuvor verletzten Jannik Müller, Kevin Ehlers und Marco Terrazzino sind einsatzbereit, der Kader also gut aufgestellt für die bevorstehenden vier englischen Wochen. Auch die insgesamt drei positiv getesteten Profis, von denen sich dänische Stürmer Simon Makienok dazu geäußert hatte, haben das Programm mitgemacht. „Sie hatten keinerlei Symptome der Krankheit, deshalb haben sie von den Ärzten grünes Licht bekommen“, berichtet Grahé.

Wenn er nicht Fitnesstrainer bei Dynamo wäre, sagt er, wäre es unheimlich interessant zu beobachten, was in Dresden gerade passiert. So aber musste und muss er Antworten auf Fragen finden, die sich vorher im Fußballalltag so nie gestellt haben.

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