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"Diese Ohnmacht zu spüren, ist gewöhnungsbedürftig"

Das Spiel ist abgesagt, die Mannschaft hat frei bekommen. Wie Dynamo mit dem Coronavirus umgeht, erklärt Sportchef Ralf Minge im Interview.

Fans im Stadion, überhaupt Fußball? Für Dynamos Sportchef Ralf Minge ist das gerade nur schwer vermittelbar, wie er im Interview sagt.
Fans im Stadion, überhaupt Fußball? Für Dynamos Sportchef Ralf Minge ist das gerade nur schwer vermittelbar, wie er im Interview sagt. © Jan Huebner

Herr Minge, fast die gesamte Sportwelt steht mittlerweile still. Haben Sie so etwas schon erlebt?

Nein, nicht mal im Ansatz. Diese Ohnmacht zu spüren, ist gewöhnungsbedürftig. Was vor fünf, sechs Stunden noch eine hohe Relevanz hatte, kann jetzt schon überholt sein. Insofern müssen wir immer wieder neue Wenn-Dann-Strategien anwenden und fast schon Krisenmanagement betreiben. Ich glaube, dass sich die Prioritäten deutlich verschoben haben, dass man in Teilbereichen fast schon ein bisschen von Ohnmacht sprechen kann. Weil man eben nicht mit den neuesten wissenschaftlichen Methoden und Technologien die ganze Welt beherrschen kann. Stattdessen können Eigendynamiken auftreten, die uns fast hilflos erscheinen lassen.

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Dynamos Spieler haben bis Montagnachmittag frei bekommen – mit welchen Ansagen und Aufgaben?

Na gut, frei ist relativ. Wir haben am Donnerstagnachmittag noch einmal länger zusammengesessen, und unser Mannschaftsarzt hat den Spielern sowohl allgemeine als auch spezielle Hinweise gegeben. Dass die Jungs jetzt übers Wochenende individuelle Trainingseinheiten absolvieren, ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wir wollen die sozialen Kontakte auf ein Minimum herunterfahren – auch weil an diesem Wochenende nicht zwingend die Notwendigkeit besteht, dass hier alle auf einem Haufen zusammen sind.

Das Spiel gegen Hannover ist abgesagt worden, weil zwei Spieler des Gegners mit dem Virus infiziert sind und die Mannschaft deshalb unter Quarantäne steht. Dynamos Konkurrenz aber sollte eigentlich spielen – bis am Freitagnachmittag kurz vor knapp die generelle Absage aller Spiele kam. Wie bewerten Sie das?

Ich halte das für bedenklich. Wir haben eine Situation, die sich seit Tagen abgezeichnet hat. Rein statistisch gesehen war das klar, dass genau diese Situation auftreten wird. Ich hoffe und wünsche, dass am Montag bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL eine einheitliche Regelung getroffen wird.

Bei dieser Tagung mit allen 36 Vereinen der ersten und zweiten Liga will der Verband vorschlagen, den Spielbetrieb bis zum 2. April auszusetzen. Entspricht das Dynamos Haltung?

Das ist definitiv der richtige erste Schritt. Eine konkrete Maßnahme, die uns drei Wochen Luft verschafft. Aber jetzt Prognosen abzugeben, wie sich die Situation um das Coronavirus entwickelt, das wagen derzeit nicht mal Spezialisten. Was nach dem 2. April passiert, kann jetzt noch keiner beantworten.

Gibt es schon Pläne, ob und wie die Mannschaft in der Zeit bis 2. April trainieren wird?

Darüber machen wir uns konkrete Gedanken, wenn die Ergebnisse der Mitgliederversammlung am Montag feststehen. Und dann werden wir mit viel Fingerspitzengefühl überlegen, wie wir den nächsten Trainingszyklus angehen. Über allem steht dabei die Verantwortung, die wir gegenüber den Menschen und auch unseren Spielern haben.

Können Sie zumindest grob die finanziellen Konsequenzen abschätzen, die eine Spielpause in den Fußball-Ligen hat?

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Fakt ist erst einmal, dass wir diese wirtschaftlichen Konsequenzen ganz klar als zweiten Punkt besprechen sollten. An eins steht, ohne Wenn und Aber, unsere gesellschaftliche Verantwortung. Und der müssen wir gerecht werden. Es ist vollkommen klar, dass es auch einschneidende wirtschaftliche Konsequenzen geben wird. Dort müssen wir dann gemeinsam überlegen, wie wir damit umgehen und dies kompensieren können.

Das Interview notierte Tino Meyer.