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Jetzt spricht Dynamos Stürmer über das geklaute Tor

Sein zweiter Treffer gegen Darmstadt wäre das 3:3 gewesen, doch er gilt nicht. Was der Schiedsrichter zu Patrick Schmidt sagte und wie es der Torschütze sieht.

Hier jubelt Patrick Schmidt nach seinem Tor zum 3:3 - dorch Dynamos Stürmer wird zurückgepfiffen.
Hier jubelt Patrick Schmidt nach seinem Tor zum 3:3 - dorch Dynamos Stürmer wird zurückgepfiffen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Die Atmosphäre erinnert an besondere Momente, an Spiele, die gedreht wurden mit der Energie dieses Stadions: im Pokal gegen Leverkusen und RB Leipzig etwa, in der Liga mal gegen Braunschweig und in der Hinrunde dieses 3:3 nach 0:3 gegen den FC St. Pauli.

Mehr als 26.000 Fans erleben am Freitagabend eine Dynamo-Mannschaft, die wild entschlossen ist, nach der Pause wieder gutzumachen, was sie vorher vermasselt hatte. Mit 1:3 liegen die Dresdner zurück, Patrick Schmidt sorgt mit seinem Treffer per Kopfball für den schnellen Anschluss - und schafft sogar den Ausgleich. Doch sein zweites Tor zählt nicht. Warum - darüber wird seit der turbulenten Niederlage heftig diskutiert, denn am Ende bleibt es beim 2:3.

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Aus dem Video-Keller in Köln meldet sich Florian Badstübner, der kritische Szenen überprüfen und bei klaren Fehlentscheidungen von Michael Bacher eingreifen soll. Der Schiedsrichter vor Ort schaut sich die Bilder an, zeichnet dann den Fernseher in die Luft und hebt den Arm: Abseits. Jannis Nikolaou, der bei der Flanke tatsächlich ein paar Zentimeter drin stand, soll einen Darmstädter behindert haben. Eine mehr als umstrittene Sichtweise.

Torschütze Schmidt sagt im Interview für sächsische.de, wie er darüber denkt.

Patrick Schmidt, wie beurteilen Sie die Entscheidung mit etwas Abstand?

Es ist schlimmer als direkt im Spiel, weil ich es jetzt noch ein paar Mal gesehen habe. In der Nacht hatte ich wenig Schlaf. Es ist für mich eine klare Fehlentscheidung. Jannis steht im Abseits und blockt angeblich einen Gegenspieler, der hätte in die Situation noch eingreifen können. Das war die Begründung, aber dafür braucht man viel Fantasie. Für mich ist das absolut nicht nachvollziehbar. Jannis und sein Gegenspieler haben mit der Situation überhaupt nichts zu tun. Der Ball fliegt gefühlt fünf Meter über sie, kommt dann noch vom Gegenspieler zu mir, sodass man auch noch über eine neue Spielsituation reden kann. Es ist mir ein Rätsel, wie man nach Betrachten der Bilder so entscheiden kann.

Das Tor, das nicht zählt

Der Ball beult das Netz aus, Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen kann nur über die Schulter hinterherschauen. Es ist der Ausgleichstreffer für Dynamo durch Patrick Schmidt (5. v. l.). Doch das 3:3 wird nach Videobeweis aberkannt - die Begründung ist fadens
Der Ball beult das Netz aus, Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen kann nur über die Schulter hinterherschauen. Es ist der Ausgleichstreffer für Dynamo durch Patrick Schmidt (5. v. l.). Doch das 3:3 wird nach Videobeweis aberkannt - die Begründung ist fadens ©  dpa/Robert Michael

Der Schiedsrichter hat es Ihnen direkt auf dem Platz erklärt. Was hat er denn gesagt?

Ein Spieler von uns, der im Abseits stand, hätte aktiv eingegriffen. Deshalb habe ich danach im Fernseh-Interview so gelassen reagiert, weil ich der Meinung war, es wird schon seine Richtigkeit haben. Als ich dann aber die Bilder gesehen habe, ich habe sie mir zu Hause noch hundert Mal angeschaut, ist das eine klare Fehlentscheidung.

Fühlen Sie sich betrogen?

Ungerecht behandelt, sagen wir es mal so. Es war ein reguläres Tor, unsere Situation kennt jeder, es zählt jeder Punkt. Deshalb ist es wahnsinnig ärgerlich, weil ich der Meinung bin, wenn dieses 3:3 gilt, gewinnen wir das Spiel.

Die Mannschaft muss sich jedoch vorwerfen lassen, dass die erste Halbzeit richtig schlecht gewesen ist...

Ganz klar. Das haben wir selber verbockt und uns in die Situation gebracht. Nach dem 1:0, das dir eigentlich Rückenwind ohne Ende geben sollte, haben wir es komplett verpasst nachzulegen und den Faden verloren. So etwas darf generell nicht passieren, erst recht nicht im Abstiegskampf in einem so wichtigen Spiel. Trotzdem haben wir in der zweiten Halbzeit unser wahres Gesicht gezeigt, haben füreinander gekämpft, hatten Darmstadt schon am Boden. Wenn wir das 3:3 machen, gewinnen wir das Spiel noch.

"Können die Entscheidung nicht rückgängig machen"

Schiedsrichter Michael Bacher schaut sich im Stadion die Szene noch mal in Zeitlupe an - und trifft doch eine mehr als umstrittene Entscheidung.
Schiedsrichter Michael Bacher schaut sich im Stadion die Szene noch mal in Zeitlupe an - und trifft doch eine mehr als umstrittene Entscheidung. ©  dpa/Robert Michael

Das Stadion war wieder da, die Fans haben die Mannschaft lautstark unterstützt. Wie haben Sie die Atmosphäre erlebt?

Das merkt man. Du guckst den Mitspielern in die Augen und siehst, wie jeder brennt, jeder daran glaubt, dass wir das Spiel drehen können. Du siehst die Verunsicherung beim Gegner. Mit den Fans im Rücken, das Stadion bebt, das beflügelt einen. Das ist die Stimmung, die wir von Anfang an erzeugen wollen, nicht nur in der zweiten Halbzeit. Dann spürt man, was hier möglich ist.

Doch dann gab es noch die Rote Karte für Simon Makienok, der wenige Minuten zuvor eingewechselt worden ist. Was sagen Sie zu der Entscheidung?

Das ist natürlich unglücklich, aber meiner Meinung nach kann man auch eine Gelbe Karte ziehen.

Was bedeutet dieses 2:3 für die Ausholjagd?

Jede Niederlage ist ein Rückschlag, ganz klar. Wir müssen das aufarbeiten. Wir haben gesehen, dass es so, wie in der ersten Halbzeit, überhaupt nicht geht. Wenn wir so spielen, haben wir in dieser Liga keine Chance. Wir haben aber auch gesehen, was möglich ist, wenn man nie aufgibt trotz eines 1:3 Rückstandes. Darauf müssen wir aufbauen.

"Abhaken und in Zukunft besser machen"

Schiedsrichter Michael Bacher hebt den rechten Arm, entscheidet auf Abseits. In dem Moment glaubt Patrick Schmidt (r.) noch, die Entscheidung werde schon richtig sein.
Schiedsrichter Michael Bacher hebt den rechten Arm, entscheidet auf Abseits. In dem Moment glaubt Patrick Schmidt (r.) noch, die Entscheidung werde schon richtig sein. ©  dpa/Robert Michael

Der Fokus in der Analyse liegt also nicht auf dem Schiedsrichter, sondern der eigenen Leistung?

Der Fokus muss auf uns liegen. Die Entscheidung können wir nicht rückgängig machen, so ärgerlich sie ist. Wir spielen am Freitag schon wieder auf St. Pauli. Es bringt nichts, wenn wir den Kopf in den Sand stecken. Wir müssen weitermachen, weiter daran glauben, die Fehler abstellen.

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Gibt es eine Erklärung, wie so eine erste Halbzeit passieren kann?

Nein, die habe ich auch nicht. Da müssen wir knallhart zu uns selbst sein, dass es so überhaupt nicht geht. Es ist passiert, aber das müssen wir abhaken und in Zukunft besser machen.

Das Gespräch führte Sven Geisler.