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Hat Dynamo eine Chance? Fünf Fragen zum Protest

Noch nie ist ein Fußball-Spiel wegen eines falschen Videobeweises wiederholt worden. Doch darauf klagen die Dresdnern beim Sportgericht - so sind die Aussichten.

Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge: Es geht ums Fair-Play.
Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge: Es geht ums Fair-Play. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Die Sache ist eigentlich eindeutig: kein Abseits, Tor. Keine Diskussion. Doch weil der Schiedsrichter bei Dynamos Niederlage gegen Darmstadt am Freitagabend nach Videobeweis anders entschieden hat, wird die Szene nun zu einem Fall fürs Sportgericht.

Beim Treffer von Patrick Schmidt soll Jannis Nikolaou strafbar im Abseits gestanden haben, weil er einen Gegenspieler behinderte. So die bisher bekannte Begründung, weshalb das 3:3 nicht zählte. Die Dresdner haben am Ende diese turbulente Partie mit 2:3 verloren. Doch der Verein hat jetzt offiziell Einspruch gegen die Wertung der Partie in der 2. Fußball-Bundesliga eingelegt.

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Was bringt das – die fünf wichtigsten Fragen nach dem Protest:

Warum hat sich Dynamo nun doch entschlossen, Einspruch einzulegen?

Sportchef Ralf Minge wollte eigentlich das Gespräch suchen und auf formaljuristische Schritte verzichten. Doch über das Wochenende hat er seine Meinung geändert. „Wir haben uns das noch mehrfach angeschaut, juristischen Rat und regeltechnische Expertise von unabhängigen Experten eingeholt. Der Videobeweis ist zu unserem Nachteil eindeutig falsch angewendet worden“, erklärt er den Sinneswandel auf Nachfrage der SZ. „Deshalb haben wir es auch angesichts der Dimension für uns noch mal neu bewertet. Als Geschäftsführung tragen wir eine Verantwortung, Schaden vom Verein abzuwenden und dafür alle Mittel auszuschöpfen“, sagt Minge.

Schließlich könnte am Ende ein Punkt zum Klassenerhalt fehlen, wobei es den am grünen Tisch nicht geben wird. Das Ziel ist es, ein Wiederholungsspiel zu erwirken. „Es geht ums Fair-Play, das wurde verletzt.“

Wie sind die Aussichten auf Erfolg beim Sportgericht zu beurteilen?

Schwierig. Einerseits sind sie gering, weil eher kein klarer Regelverstoß vorliegt. Es bleibt eine Tatsachenentscheidung, auch wenn der Schiedsrichter nach dem Hinweis des Video-Assistenten seine zunächst richtige in eine falsche geändert hat. Andererseits muss es nicht so aussichtslos sein, wie es scheint, denn es geht um eine grundsätzliche Frage: Wann darf der Videobeweis überhaupt angewendet werden? 

Zuletzt hatte unter anderem der frühere WM-Schiedsrichter Markus Merk kritisiert, dass mittlerweile zu viele Situationen überprüft werden. In der Verhandlung müsste das Sportgericht zu dem Schluss kommen, dass die Voraussetzungen für den Eingriff von außen in dieser Szene nicht gegeben waren – und das als Regelverstoß werten. Minge rechnet nicht vor nächster Woche mit einer mündlichen Verhandlung. Dynamo wird in dem Prozess durch Rechtsanwalt Christian Quirling, Sportrechtler und Professor an der Hochschule für angewandtes Management in München, vertreten.

Für welche Szenen soll der Videobeweis geführt werden?

Es geht nicht darum, einen falschen Einwurf zu korrigieren, sondern um klare Fehler in spielentscheidenden Situationen. Der Videoassistent prüft – so ist es besprochen – in vier Fällen: Tor, Elfmeter, Rote Karte und Spielerverwechslung, also der Schiedsrichter bestraft jemanden für ein Vergehen, das er nicht begangen hat.

Wenn es einen Ermessensspielraum gibt, die Szene sich also aus mehreren Perspektiven nicht eindeutig klären lässt, soll sich der Beobachter aus dem Kölner Keller nicht melden. Die Entscheidung – so war es vorgesehen – trifft nach wie vor der Schiedsrichter, auch darüber, ob er die Hilfe von außen annimmt oder sie sogar aktiv anfordert. Es sollte eigentlich die Ausnahme sein, sich die Bilder im Stadion selbst anzuschauen.

Gibt es bereits Präzedenzfälle, die herangezogen werden können?

Für den konkreten Fall keine, die verhandelt worden sind. Aber an jedem Spieltag gibt es vergleichbare Situationen – so auch am Samstag bei der Bundesliga-Partie zwischen Hertha BSC und Mainz. Vor dem Strafstoß, den Quaison in der Nachspielzeit zum 3:1 für Mainz verwandelte, stand der spätere Schütze klar im Abseits. Er ging jedoch nicht zum Ball, sodass sein Mitspieler Karim Onisiwo durchstarten konnte. Hertha-Verteidiger Dedryk Boyata, der sich zuvor auf Quaison konzentriert hatte, kam zu spät und spielte Foul. 

Die vorherige Abseitsstellung wurde per Videobeweis überprüft und als nicht strafbar eingestuft. Es gab den Elfmeter. Dabei lag hier zumindest durch die Ablenkung eine kurzzeitige Behinderung des Berliners durch Quaison vor.

Wieso ist der Fall anders als in Dynamos Spiel gegen Wiesbaden?

Bereits zum zweiten Mal in dieser Saison landet ein Dynamo-Spiel vor dem Sportgericht. Nach dem 0:1 in Dresden im November hatte Wiesbaden Einspruch eingelegt. Das Tor der Gäste zur möglichen Führung war aberkannt worden, weil der Ball 18 Sekunden zuvor beim Angriff der Dresdner auf der anderen Seite des Spielfeldes im Tor-Aus gewesen war. Das Urteil: kein Regelverstoß, kein Fehler des Videoassistenten, Dynamo behält die drei Punkte endgültig

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Das könne man nicht vergleichen, meint Minge jetzt. „Damals ist tatsächlich eine Fehlentscheidung korrigiert worden, diesmal führte der Videobeweis jedoch dazu, dass aus einer richtigen eine falsche Entscheidung wurde. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied.“