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"Man muss aufpassen, nicht die Nerven zu verlieren"

Das Fazit des Dynamo-Trainers nach dem Camp in Thüringen: Die Abwehr steht, die Offensive noch nicht. Markus Kauczinski ist aber noch mehr aufgefallen.

Unterm Strich zufrieden, mit Details noch nicht – so ließe sich nicht nur die Mimik von Markus Kauczinski deuten, sondern auch sein Fazit formulieren.
Unterm Strich zufrieden, mit Details noch nicht – so ließe sich nicht nur die Mimik von Markus Kauczinski deuten, sondern auch sein Fazit formulieren. © Lutz Hentschel

Von Daniel Klein, Heiligenstadt

Neun Tage Trainingslager im Heilbad Heiligenstadt sind vorbei, gut zwei Wochen sind es noch bis zum Pokalspiel gegen den Hamburger SV. Davor testet Dynamo noch zweimal, am Mittwoch in Dresden „gegen eine gute Mannschaft“, wie es Markus Kauczinski formuliert, und am 5. September gegen Erzgebirge Aue. Im Interview spricht Dynamos Trainer über Stammplätze, fehlende Torgefahr und den neuen Kapitän.

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Im Autohaus Dresden gilt: Wenn Mitarbeiter gute Leistungen zeigen, dürfen sie ihr ganzes Potential entfalten. Da ist so mancher schnelle Aufstieg möglich.

Herr Kauczinski, wie zufrieden sind Sie nach neun Tagen im Eichsfeld?

Mein Fazit fällt positiv aus. Ich denke, dass wir es gut getroffen haben, jeder Wunsch wurde uns von den Augen abgelesen. Auch die Jungs waren sehr engagiert und motiviert, haben ordentlich Gas gegeben.

Sie wollten wegfahren, damit sich die neuen Spieler auch abseits des Platzes besser kennenlernen. Hat das geklappt?

Das ist schwer messbar. Ich denke, dass unser Trainingslager seinen Zweck erfüllt hat. Das ist hier etwas anderes als zu Hause, wo alle nach dem Training auseinandergehen. Hier verbringen die Jungs mehr Zeit miteinander – vor allem die nicht geplante –, gehen zusammen essen, spielen am Abend Tischtennis.

Nach den beiden Tests im Camp wartet Dynamo auf den ersten Sieg in der Sommerpause. Beunruhigt Sie das nicht?

Die Ergebnisse waren für mich nie wichtig, sondern einzig, wie wir uns auf dem Platz verhalten. Wir werden auch in der Meisterschaft auf starke Teams treffen, deshalb müssen wir lernen, uns da durchzusetzen. Ich halte nichts davon, zu diesem späten Zeitpunkt der Vorbereitung schwächere Gegner auszuwählen. Das macht man am Anfang, aber da hat es wegen Corona (Die Gegner müssen regelmäßig getestet sein/Anm. d. A.) nicht geklappt.

In der Defensive gab es bei den Einheiten und auch den Tests schon sehr feste Formationen. Wollten Sie, dass sich die Abwehr schnell einspielt?

Zum Teil fehlten da aus Verletzungsgründen auch die Alternativen. Aber es ist schon richtig: Es gab einen Block, der mehr zusammen gespielt hat, weil der eine oder andere ganz einfach die Nase vorn hat. In der Abwehr ist die Lage ein bisschen klarer.

Kevin Ehlers scheint seinen Stammplatz in der Innenverteidigung verloren zu haben. Nun verpasst er auch noch die beiden letzten Testspiele, weil er zu einem Lehrgang der U20-Nationalmannschaft fährt. Ist das ein Nachteil für ihn?

Das kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Wir freuen uns erst mal, dass wir Nationalspieler in unseren Reihen haben, empfinden das als Auszeichnung. Luka Stor ist mit der slowenischen Auswahl unterwegs und Ransford-Yeboah Königsdörffer hat eine Einladung auf Abruf. Dass sie dann mal fehlen, ist halt so. Alles hat seinen Preis.

Während die Defensive – im doppelten Wortsinn – steht, haben Sie zuletzt das Offensivspiel kritisiert. Bei den vergangenen drei Tests gelang kein einziger Treffer. Was genau gefällt Ihnen nicht?

Uns fehlte ein bisschen die Durchschlagskraft. Wir haben zu früh geschossen, mitunter die falschen Entscheidungen getroffen. Man muss aufpassen, dass man nicht die Nerven verliert, nicht verkrampft. Aber das Chancenerarbeiten ist nicht nur die Aufgabe der Stürmer, man macht das zusammen. Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam den Fokus darauf legen: Wie werden wir als Mannschaft gefährlicher? Wie können wir uns mehr Chancen herausspielen und die dann besser nutzen?

Und dafür suchen Sie noch nach der richtigen Aufstellung. Sie haben in der Offensive sehr oft durchgewechselt.

Wir haben viele Leute, die alle fit sind. Da ist es ein bisschen umkämpfter als in der Abwehr. Manchmal war der eine besser, dann wieder der andere. Die Unterschiede sind nicht so deutlich, in der Sturmspitze und auf den beiden Achter-Positionen sind die Jungs eng zusammen. Aber das muss ja auch so sein. Letztlich werden wir nicht nur mit elf Mann erfolgreich sein, sondern alle brauchen.

Wollen Sie in der Offensive personell noch nachjustieren?

Das schließe ich im Moment aus. Wir haben uns ganz bewusst für die Jungs entschieden, die da sind. Und das sind welche, die teilweise vorher nicht so viel gespielt haben, aber das Talent haben und gut sind. Außerdem ist es bei Stürmern oft so, dass sie unter der Müdigkeit am meisten leiden. Während der Saison müssen sie unter der Woche nicht so viel laufen, hier im Trainingslager mussten sie das aber. Dass sie erst am Ende der Vorbereitung so richtig ins Laufen kommen, ist deshalb normal.

Sebastian Mai hat beim Halleschen FC als Angreifer ausgeholfen. Wäre er nicht eine Option?

Ich habe im Kopf, dass er in gewissen Momenten eines Spiels, wenn man vielleicht mit hohen Bällen agieren will, eine Option für den Sturm wäre. Aber erst einmal ist er Innenverteidiger und hat das bisher sehr gut gemacht. Dort brauchen wir ihn auch. Ich weiß schon, dass auch andere Jungs andere Dinge können.

Sebastian Mai hat neben Marco Hartmann und Chris Löwe die Kapitänsbinde zuletzt in den Tests am längsten getragen. Haben Sie sich in der Frage bereits entschieden?

Ich wollte mir erst einmal ein Bild davon machen, wie sich die Jungs hier verhalten, und das dann sacken lassen. Wir werden das nach den beiden freien Tagen am Sonntag entscheiden.

Lassen Sie den Kapitän wählen oder bestimmen Sie ihn?

Die Spieler wählen den Mannschaftsrat, und ich bestimme dann aus diesem Kreis den Kapitän.

In der Winterpause bekam noch der die Binde, der bei der Wahl des Mannschaftsrates die meisten Stimmen gesammelt hatte.

Diesmal kennt sich die Mannschaft aber durch die vielen Neuzugänge noch nicht so gut, ist noch nicht so gefestigt.

Nach welchen Kriterien wählen Sie den neuen Kapitän?

Ich muss das Gefühl haben, dass er der Verantwortung gewachsen ist, und dass er der Mannschaft auch in schwierigen Situationen Rückhalt geben kann. Er soll ein Bindeglied zum Trainer sein. Aber ich hänge das auch nicht so hoch, weil ich in dieser Mannschaft mehr Ansprechpartner habe als nur den Kapitän.

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Unser Reporter Daniel Klein hat live aus  dem Trainingslager im Heilbad Heiligenstadt berichtet. Alle Informationen können sie nachlesen in unserem Newsblog - hier klicken

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