Merken
PLUS Plus Dynamo

So plant Dynamo für die dritte Liga

Natürlich glaubt Geschäftsführer Michael Born an den Klassenerhalt. Trotzdem hat er schon mal durchgerechnet.

Von Sven Geisler
 5 Min.
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born hat den kritischen Blick auf die Zahlen.
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born hat den kritischen Blick auf die Zahlen. © Foto: Jürgen Lösel

Dresden. Mit diesem Szenario will sich niemand beschäftigen, schon gar nicht so kurz vor dem Neustart am Mittwochabend mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC. Auch Michael Born nicht. Doch Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer ist durch sein Amt gezwungen, den Fall durchzurechnen, über den er zur Mitgliederversammlung gesagt hat: „Nichts ist teurer als der Abstieg.“ Trotzdem muss er bereits für die 3. Liga planen, vorsorglich und für die Lizenz. Bis zum 15. März müssen die Unterlagen beim Deutschen Fußball-Bund eingereicht sein.

Born hat insofern kein Problem, das Zahlenwerk aufzustellen, weil der Verein finanziell so gut dasteht wie seit 1990 nicht mehr. Für das Geschäftsjahr 2018/19 wurde ein Gewinn von 4,5 Millionen Euro ausgewiesen, zudem stieg das Eigenkapital auf 10,1 Millionen. Die Dresdner haben also etwas auf der hohen Kante, könnten Verluste ausgleichen. Der Einbruch wäre jedoch allein bei den Fernseheinnahmen dramatisch von rund neun auf nur noch gut eine Million Euro.

Anzeige Küchenhaus Hillig
Die gute Stube des 21. Jahrhunderts
Die gute Stube des 21. Jahrhunderts

Die Küche wird immer mehr zum Zentrum der Wohnung. Küchenhaus-Inhaber Steffen Hillig weiß, warum.

Diese Lücke lässt sich mit dem Rettungsschirm nicht schließen. Dynamo würde – außer einer sechsstelligen Summe zur Fortführung der Nachwuchsakademie – 600.000 Euro aus dem Topf bekommen, in den jeder Zweitligist 66.666 Euro bei zwei, oder 100.000 bei drei Absteigern einzahlt. „Das hilft nicht sehr weit“, meint Born. Dennoch macht er sich keine Sorgen um die Lizenz. „Wir haben sie vor dem Aufstieg 2016, als wir finanziell schlechter dastanden, auch ohne Auflagen bekommen.“

Mit welchem Etat Dynamo für den schlimmsten anzunehmenden Unfall plant, kann oder will der Finanzchef nicht sagen. „Es wäre ein wirtschaftlicher Rückschritt.“ Mehr als 30 Millionen Euro wie in der zweiten Liga werden es nicht sein, aber es wäre wohl auch eine Milchmädchenrechnung, die Summe zu halbieren. „Es gäbe dann eine gewisse Erwartungshaltung: bei unseren Fans genauso wie bei den Partnern. Wenn man wieder aufsteigen will, muss man mit einem sehr ambitionierten Budget reingehen“, erklärt Born.

Transfer-Erlöse ein wichtiger Faktor

Der Geschäftsführer möchte die Planung generell strategischer ausrichten. Seine Aussage dürfte Dynamo-Mitglieder zunächst erschrecken: „Ich könnte gut damit leben, wenn zu Beginn der Saison auch mal ein Verlust ausgewiesen wird.“ Doch dieses planerische Minus soll und muss letztlich nicht unter dem Strich stehen. So wird generell ohne Transfererlöse geplant, die jedoch in den vergangenen Jahren ein wichtiger Faktor waren.

Der VfL Wolfsburg zahlte für Marvin Stefaniak 2017 zwei Millionen Euro, der 1. FC Köln ein Jahr später für Niklas Hauptmann sogar drei Millionen. In der laufenden Saison hat Dynamo durch den Verkauf von Haris Duljevic für eine Million Euro und nun Moussa Koné – beide zum französischen Erstligisten Nimes – Geld eingenommen, wenngleich zumindest bei Koné wohl weniger als erhofft.

Allerdings ist der Transfer des Stürmers wohl doch kein Verlustgeschäft. Demnach hat Dynamo vor zweieinhalb Jahren nicht, wie bisher kolportiert, 2,4 Millionen an den FC Zürich überwiesen, sondern nur 1,5 Millionen. Die kämen jetzt im besten Fall fast wieder rein, zudem wären die Dresdner nach Informationen der SZ bei einem Weiterverkauf von Koné mit einem zweistelligen Prozentsatz an der Ablösesumme beteiligt.

„Ich werde zu Zahlen keinen Kommentar abgeben, sie weder bestätigen noch dementieren“, erklärt Born, sagt aber zum Koné-Verkauf: „Diese Entscheidung trage ich aus vollster Überzeugung mit.“ Sie sei allen Beteiligten schwergefallen, aber letztlich einvernehmlich getroffen worden. Ein wichtiger Aspekt: Bei einem Abstieg in die 3. Liga wäre Koné als Nicht-EU-Ausländer nicht spielberechtigt gewesen und hätte den Verein ablösefrei verlassen können.

Sportgeschäftsführer Ralf Minge hatte zur Mitgliederversammlung das Budget für Neuzugänge im Winter auf 1,7 Millionen Euro beziffert. Mit den nun fünf Verpflichtungen und dem Koné-Transfer ist er in diesem Rahmen geblieben, erklärt Born. „Die Personalentscheidungen sind sehr verantwortungsbewusst getroffen worden, gleichzeitig haben wir uns sportlich verstärkt.“ Den Eindruck hat der 52 Jahre alte Manager bei seinem Besuch im Trainingslager in Spanien gewonnen. „Wenn man das jetzt sieht, steht eine andere Mannschaft auf dem Platz, sie hat eine andere Struktur, ist weniger anfällig in der Abwehr. Deshalb bin ich sehr, sehr optimistisch, dass wir den Klassenerhalt schaffen.“

Natürlich plant er auch dafür, was insofern einfacher ist, weil die meisten Kennzahlen stabil bleiben würden. Allerdings ist auch der sportliche Abwärtstrend in dieser Saison mit Einbußen verbunden, zumindest tendenziell. Der Zuschauerschnitt liegt derzeit bei 26.903 und damit um rund 1.500 niedriger als im Vorjahr. „Wir haben noch das Heimspiel gegen Aue und wenn die Mannschaft wie erhofft eine Aufholjagd startet, wird das Stadion auch bei den anderen Partien so gut wie ausverkauft sein“, meint Born. Dass die Zuschauerzahl trotz der bereits im dritten Jahr schwachen Heimbilanz nicht stärker eingebrochen ist, wertet er als Zeichen für die Treue und Identifikation der Fans.

Gespräche über Stadion-Zuschuss

Ob erneut die magische Marke von zehn Millionen Euro bei den Sponsoren- und Marketingerlösen geknackt werden kann, hängt mit vom Verkauf der Vip-Tickets ab. „Zuletzt war die Nachfrage schon geringer“, räumt Born ein. Das sei genauso wenig problematisch wie die bisher ausstehende Einigung über den Stadion-Nutzungsvertrag ab der Saison 2020/21 und den Mietzuschuss der Stadt, der bisher 1,5 Millionen Euro pro Spielzeit beträgt. 

Diesbezüglich ist Born jedoch optimistisch. „Wenn wir zu der Einigung kommen, die wir auf der Basis eines Gutachtens zur Marktkonformität derzeit diskutieren, können alle Parteien sehr zufrieden sein“, sagt der Geschäftsführer und meint außer Dynamo die Stadt und die Stadionprojektgesellschaft. „Alle haben akzeptiert, dass es nur miteinander geht, wir sitzen im selben Boot. Es gilt allerdings ein Baukonzessionsvertrag, an dem niemand rütteln kann.“ Zeitdruck, wie in der Vergangenheit, hat der Verein nach seiner Aussage nicht, zumindest nicht wegen der Lizenz. „Gleichwohl ist es für die Wettbewerbsfähigkeit sehr wichtig, dass der Verein hier eine Verbesserung erfährt .“

Weiterführende Artikel

Ist er Dynamos erster Neuer für die nächste Saison?

Ist er Dynamos erster Neuer für die nächste Saison?

Der Japaner Kenta Kambara kommt vom Drittligisten Carl Zeiss Jena. Er soll Dresden auf einer besonders wichtigen Position verstärken.

War das schon die Rettung für Dynamo?

War das schon die Rettung für Dynamo?

Das Selbstbewusstsein ist zwar zurück, doch der Sieg zeigt auch: Dynamo muss sich steigern, um die Klasse zu halten.

Dynamo startet Aufholjagd, doch der Trainer mahnt

Dynamo startet Aufholjagd, doch der Trainer mahnt

Die Dresdner erkämpfen den 1:0-Sieg gegen Karlsruhe, weil sie vor allem defensiv besser agieren. Kauczinski ist zufrieden - nur für den Moment.

Dynamo holt Neuzugang Nummer sechs

Dynamo holt Neuzugang Nummer sechs

Wenige Stunden vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC verpflichten die Dresdner einen weiteren Stürmer. Spielen kann er aber noch nicht.

Immerhin spart die Stadt bereits Zinsen fürs Stadion, das über die Dynamo-Heimspiele hinaus eine kommunale Veranstaltungsstätte ist.

Finanziell könnte Dynamo einen Abstieg also verkraften, zumindest kurzzeitig. Trotzdem möchte Born diese Planung am liebsten für den Papierkorb anfertigen.

Mehr zum Thema Dynamo