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Geyer greift Dynamo an: "Von oben bis unten durchkehren"

Um ein klares Wort ist er nie verlegen. Diesmal aber redet sich der Meistertrainer besonders in Rage. Lob bekommen nur die anderen Ost-Klubs.

Stammgast im Rudolf-Harbig-Stadion, immer noch: Eduard Geyer.
Stammgast im Rudolf-Harbig-Stadion, immer noch: Eduard Geyer. © Robert Michael

Bei Dynamo Dresden ist Eduard Geyer immer noch Stammgast. Trotz der Querelen mit früheren Mitspielern, die schließlich in der Rückgabe seiner Ehrenspielführerschaft vor gut einem Jahr gipfelten. Und trotz des Fußballs, den die Mannschaft in diesem Jahr gespielt hat. Als abgeschlagener Tabellenletzter der 2. Bundesliga verabschiedeten sich die Dresdner in die Winterpause, was Geyer nicht sonderlich überrascht. 

Sieben Punkte beträgt der Rückstand mittlerweile zu einem Nichtabstiegsplatz, saisonübergreifend wurden zudem im Jahr 2019 von insgesamt 34 Ligaspielen lediglich sieben gewonnen. Dem gegenüber stehen 18 Niederlagen, mehr also als jedes zweite Spiel. 

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Natürlich hat Geyer auch dazu eine klare Meinung. Und der 75-Jährige greift die Verantwortlichen bei Dynamo mit scharfen Worten an. "Die ursächlichen Fehler für die katastrophale Hinrunde wurden schon früher gemacht. Mit Ausnahme von Uwe Neuhaus wurden in der jüngeren Vergangenheit Trainer verpflichtet, die nie zu Dynamo Dresden gepasst haben", kritisiert Geyer, von 1986 bis 1990 und 2007/08 selbst Dynamo-Trainer.

Er meint damit vor allem Maik Walpurgis, der im Februar diesen Jahres nach nur sechs Monaten entlassen wurde, und offenbar auch den am 2. Dezember beurlaubten Cristian Fiel. Mit dessen auf Ballbesitz und Ballkontrolle ausgerichteten Spielweise hat sich der leidenschaftliche Zweikämpfer Geyer nie anfreunden können. "Hinzu kommt, dass schon zu Saisonbeginn die Niederlagen viel zu schön geredet wurden", sagt der Dresdner auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Hauptsächlich richtet sich Geyers Kritik, die einer Art Generalabrechnung mit Dynamo gleicht, aber an Ralf Minge. Als Sportgeschäftsführer ist er verantwortlich für sämtliche Verpflichtungen. "Genauso kritisch muss man hinterfragen, was die Scouting-Abteilung eigentlich macht und wo die Verantwortlichen ihre Neuzugänge suchen", betont Geyer und kommt zu dem Schluss: "In der Winterpause muss bei Dynamo von oben bis unten durchgekehrt werden. Es gibt mehrere Stellen, an denen es klemmt." Unter anderem sei versäumt worden, "erfahrene Leute mit Dynamo-Vergangenheit mitzunehmen, um dem Verein zu helfen". 

Ob er sich damit selbst meint? Oder zum Beispiel Ulf Kirsten, der kürzlich in einem SZ-Interview über seine aktuelle Beziehung zu seinem Heimatverein sprach?

"Die Mannschaft muss die Fans wieder mitreißen"

Gänzlich brechen mag Geyer mit seinem Verein, den er 1989 zum Meistertitel und ins Europapokal-Halbfinale führte, aber nicht. Er gehe weiterhin zu Dynamo, werde von den Fans respektiert, hat er unlängst in einem Interview mit der Sport-Bild gesagt. Und für 2020 hofft Geyer, "dass der neue Trainer Markus Kauczinski die Kurve kriegt". Eines aber sei dafür die Voraussetzung, meint er an die Adresse Kauczinskis: "Er muss stark sein und sich gegen Widerstände durchsetzen. Dynamo kann den Klassenverbleib nur schaffen, wenn sich einiges ändert." 

Vor allem die Spielweise, das kann und darf als Seitenhieb auf Fiel verstanden werden, müsse im Abstiegskampf eine andere sein. "Die Mannschaft muss die Fans wieder mitreißen. Da sind lange oder zweite Bälle oft mehr gefragt als dieser Ping-Pong-Fußball mit 70 Prozent Ballbesitz und ohne jegliche Torgefahr", erklärt Geyer.

Ein Lob hat er in seiner Prognose für den Ost-Fußball indes für Ligakonkurrent und Tabellenfünften Erzgebirge Aue parat. "Was Aue in dieser Zweitliga-Saison bislang abgeliefert hat, ist phänomenal. Eine große Rolle für das gute Abschneiden spielt dort auch Präsident Helge Leonhardt. Wenn es nötig ist, wird beim FC Erzgebirge zeitig genug ein Signal gesetzt", meint Geyer.

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Er würdigt zudem Bundesliga-Neuling Union Berlin ("In Zeiten, in denen der Fußball eigentlich nur noch auf Kommerz ausgerichtet ist, tut ein familiär geführter Club wie Union der Bundesliga richtig gut") und insbesondere RB Leipzig, den Bundesliga-Tabellenführer. "Auch wenn sich andere das Maul über RB zerreißen, ist es bemerkenswert, was in Leipzig in der Kürze der Zeit entstanden ist", sagt Geyer. RB stehe in der Tabelle zu Recht ganz oben, und das vielleicht auch am Saisonende. "Wenn der FC Bayern weiterhin so mies spielt und Borussia Dortmund so inkonstant auftritt, traue ich den Leipzigern in dieser Saison sogar den Meistertitel zu."

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