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Mit Dynamo zurück zu seiner alten Liebe

Die Berliner Fans haben Patrick Ebert einst sogar ein Lied gedichtet. Aber nicht nur deshalb ist das Pokalspiel bei Hertha BSC am Mittwoch auch für ihn besonders.

Die Berliner Fans dichteten ihm einst ein Lied, aber auch bei den Dynamo-Anhängern ist Patrick Ebert beliebt und wird anerkannt.
Die Berliner Fans dichteten ihm einst ein Lied, aber auch bei den Dynamo-Anhängern ist Patrick Ebert beliebt und wird anerkannt. ©  dpa/Robert Michael

Eigentlich will er diese alten Geschichten nicht mehr hören, und damit hat er ja recht. Patrick Ebert war ein junger Bursche, hat gern gefeiert und im Rausch mal Dinge gemacht, die man besser bleibenlassen sollte. Die Jugendsünden hat er für sich abgehakt. Trotzdem haftet dem 32 Jahre alten Mittelfeldspieler von Dynamo Dresden der Makel des bösen Buben an. Das Internet vergisst nie. „Ich finde das schade, dass man diesen Stempel nicht mehr loswird. Genau deshalb lese ich keine Zeitung mehr“, hat er dazu in einem Interview mit dem Portal goal.de gesagt.

Vor seiner Rückkehr nach Berlin, der ersten als Spieler seit er Hertha BSC 2012 nach 15 Jahren im Nachwuchs und als Profi verlassen hat, wird er wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Doch es sind nicht die Journalisten, die ihn auf sein Rüpel-Image ansprechen, sondern die Mitspieler zeigen ihm ein Video, wie ihn die Hertha-Fans damals mit einem Lied feiern: „Patrick Ebert, du alter Rowdy, du trittst die Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt die Roller um.“ Das war passiert, dafür ist er bestraft worden.

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Und es ist eben gut zehn Jahre her, also lange genug, es auf sich beruhen zu lassen, zumal Ebert einen beachtlichen Reifeprozess als Fußballer und Persönlichkeit hinter sich hat. Er ist nicht nur der älteste Spieler im Kader von Dynamo, sondern auch der erfahrenste. Mit Hertha ist er in die Bundesliga auf- und wieder abgestiegen, war in der Saison 2007/08 unter Trainer Lucien Favre sogar nah dran am Meistertitel. „Da waren einige super Spiele dabei, an die man sich gerne erinnert.“ Und er hat bei Real Valladolid und Rayo Vallecano in Spanien sowie bei Spartak Moskau in Russland internationale Erfahrungen gesammelt.

„Wo er überall spielen durfte und seinen Mann gestanden hat“, meint Cristian Fiel anerkennend. Deshalb ist Ebert gerade jetzt besonders gefragt, erklärt der Trainer: „Er ist einer, an dem sich die Jungs hochziehen sollen, weil sie sehen, wie einer, der nicht mehr der Jüngste ist und viel erreicht hat, jeden Tag im Training vorangeht und investiert. Deshalb ist er ein Vorbild.“

Patrick Ebert hat für die Hertha mehr als 100-mal in der Bundesliga gespielt. Der Karlsruher Christian Eichner kann seine Flanke hier nicht verhindern.
Patrick Ebert hat für die Hertha mehr als 100-mal in der Bundesliga gespielt. Der Karlsruher Christian Eichner kann seine Flanke hier nicht verhindern. © dpa/Sören Stache

Eine Rolle, die Ebert annimmt, auch wenn er den Führungsanspruch nicht vor sich her trägt und nach außen eher sachlich-nüchtern rüberkommt. „Ich bin immer positiv mit jedem“, sagt er, „aber ich kritisiere auch – mit Respekt und Anstand der Person gegenüber.“ Die Zeiten, in denen sich ein Leitwolf durch verbale Attacken hervorgetan hat, sind sowieso vorbei, sein Ding wäre das auch nicht. Genauso wenig kommt es für ihn infrage, sich vor der Verantwortung zu drücken. „Es ist normal, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, dass man vorneweg gehen muss.“

Jetzt erst recht, wobei damit eher der Abstiegskampf in der zweiten Liga gemeint ist als das DFB-Pokalspiel am Mittwochabend bei seiner alten Liebe Hertha. Wie viele Karten er besorgen sollte, kann er nicht sagen. „Ich habe irgendwann aufgehört, sie zu zählen, aber ich konnte nicht jeder Bitte nachkommen.“ Eltern, Verwandte und enge Freunde werden unter den 70.000 Zuschauern sein, 35.000 davon in Gelb, also Dynamo-Fans. „Das ist einmalig und bemerkenswert. Mir war klar, dass extrem viele mitfahren würden, sie sind einfach positiv verrückt.“ Die Kulisse macht aus einem für ihn sowieso besonderen Spiel ein außergewöhnliches.

So ähnlich hat er das schon mal erlebt, nur eben irgendwie ganz anders. „In der Europa League gegen Galatasaray Istanbul waren 60.000 Türken im Stadion“, erzählt Ebert. Das war 2008, Hertha verlor 0:1. Nun sorgen die Dynamo-Fans dafür, dass er an alter Wirkungsstätte ein Heimspiel erwartet. „Wir können uns das zum Vorteil machen. Jeder soll es genießen und sein Herz auf dem Platz lassen.“

„Mittlerweile schmunzel ich drüber“

Ebert spricht zwar das Wort nicht aus, trotzdem glaubt er an eine Überraschung. „Die Situation in der Liga ist alles andere als schön, stimmt. Aber der Pokal ist jetzt für uns als Mannschaft, den Verein und jeden Einzelnen die Möglichkeit, sich mit einem Bundesligisten zu messen und hoffentlich zu zeigen, dass wir mithalten können. Das ist doch für jeden das Ziel: in der Bundesliga spielen. Das sollte man sehen.“ Ein Aspekt, den auch der Trainer deutlich anspricht. „Die Jungs haben keinen Druck, aber sie dürfen auch nicht denken: Okay, nach 90 Minuten sind wir ausgeschieden und fahren nach Hause. Das kann ich nicht zulassen, das will ich nicht“, erklärt Fiel.

Ebert stellt er so etwas wie eine Einsatzgarantie aus, wenngleich etwas verklausuliert. „Es kann sein, dass Ebert auf jeden Fall spielt.“ Alles andere wäre für den gebürtigen Potsdamer sicher eine herbe Enttäuschung, zumal er am Samstag beim Spiel in Stuttgart wegen der fünften Gelben Karte zuschauen muss. Schonung braucht er aber auch so nicht, wie er betont: „Ich fühle mich gesundheitlich sehr gut, brauche ab und zu vielleicht mal mehr Pflege als ein junger Spieler, aber das ist ja normal.“ Es sei spannend, mit einer anderen Mannschaft in einem anderen Trikot im Olympiastadion aufzulaufen. „Es wird auf jeden Fall ein geiles Spiel.“

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Eine negative Reaktion der Hertha-Anhänger erwartet er nicht. „Wir haben uns immer gut verstanden und sie meine Spielweise geschätzt, weil ich immer hundert Prozent gebe“, sagt Ebert. Womöglich bringen sie ihm ein Ständchen wie einst. Das Rowdy-Lied habe er anfangs ein bisschen komisch gefunden, später cool. „Sie wollten ja nur ausdrücken, dass sie mich mögen. Mittlerweile schmunzel ich drüber.“

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