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Hartmann sagt, warum Dynamo abgestiegen ist

Der Absturz in die 3. Liga wäre vermeidbar gewesen, meint Ex-Kapitän Marco Hartmann im Interview. Es hätte nur jeder überzeugt sein müssen.

Marco Hartmann genehmigt sich einen Schluck aus der Pulle. War es seine letzte Saison im Trikot von Dynamo Dresden?
Marco Hartmann genehmigt sich einen Schluck aus der Pulle. War es seine letzte Saison im Trikot von Dynamo Dresden? © Lutz Hentschel

Herr Hartmann, werden Sie auch in der 3. Liga für Dynamo spielen?

Das steht noch nicht fest. Ich habe in den vergangenen Tagen Gespräche mit dem Trainer und auch dem neuen Sportgeschäftsführer Ralf Becker geführt. Wir haben uns darauf verständigt, in Kontakt zu bleiben. Mein Wunsch ist, weiter bei Dynamo zu bleiben.

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Die sportliche Leitung hat also nicht signalisiert, dass sie grundsätzlich gegen eine Vertragsverlängerung ist.

Nein, das war völlig ergebnisoffen. Herr Becker muss sich nun erst einmal einarbeiten, danach wollen wir uns dann konkret unterhalten.

In dieser Saison standen Sie 408 Minuten auf dem Platz, das sind umgerechnet viereinhalb Spiele. Hätten Sie Verständnis, wenn die Verantwortlichen sagen: Das Risiko ist uns zu hoch.

Natürlich. Es gibt einen Haken in meiner Personalakte – die vielen Verletzungen in den vergangenen anderthalb Jahren. Dennoch glaube ich, dass ich in der Rückrunde zeigen konnte: Ich bin 32, aber noch kein Pflegefall.

Könnten Sie sich einen Wechsel zu einem anderen Verein vorstellen?

Ich klopfe mit meinem Berater zumindest viele Möglichkeiten ab, weil ich gerne noch zwei Jahre Fußballspielen möchte. Ich fühle mich fit und bereit dazu. Aber ich mache nur Dinge, auf die ich wirklich Lust habe und die passen. Es geht da ja nicht nur um mich, sondern auch um meine Frau und die Kinder.

Marco Hartmann kam 2013 vom Halleschen FC nach Dresden. Vor allem nach dem Abstieg 2014 entwickelte er sich zu einem Leistungsträger bei Dynamo.
Marco Hartmann kam 2013 vom Halleschen FC nach Dresden. Vor allem nach dem Abstieg 2014 entwickelte er sich zu einem Leistungsträger bei Dynamo. © Robert Michael

Wenn man von den Fans nach einem Abstieg gefeiert wird, ist das außergewöhnlich. Wie haben Sie sich am Sonntag gefühlt?

Es ist einerseits sehr unangenehm, schließlich bin ich ja mitverantwortlich für den Abstieg. Auf der anderen Seite macht es einen stolz, Teil dieser Gemeinschaft in einer Phase zu sein, die für den Verein nicht einfach ist.

Der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born sagt, dass der Abstieg den Verein um Jahre zurückwerfen kann.

Das hängt vor allem davon ab, wie schnell Dynamo die 3. Liga wieder verlassen kann. Grundsätzlich fällt es mir allerdings schwer, mich zur Zukunft zu äußern, weil ich ja nicht weiß, ob ich in der noch ein Teil des Vereins bin.

Gehen wir mal davon aus, es wäre so. In der neuen Saison ist Dynamo der Zweitliga-Absteiger, hat das wahrscheinlich modernste Trainingszentrum aller Drittligisten und zehn Millionen Euro auf dem Konto. Ist unter diesen Vorzeichen eine andere Rolle als die des großen Favoriten vorstellbar?

Ich glaube, um diese Rolle kommt man nicht herum. Und die sollte man auch so annehmen.

Wenn die Stadien nach der Sommerpause weiter leer bleiben müssen, würde das Dynamo besonders treffen?

Die Emotionalität auf den Rängen in Dresden müsste eigentlich ein Faustpfand sein. Man hat in den vergangenen Jahren aber erlebt, dass es nicht zwingend so war. In den sieben Jahren, in denen ich jetzt hier bin, hatten wir gefühlt mehrheitlich keine positive Heimbilanz. Natürlich wäre es schön und hilfreich, wenn beim Kampf um den Aufstieg die Fans helfen könnten. Erheblich wären aber vor allem die finanziellen Einbußen.

Der scheidende Sportdirektor Ralf Minge hatte kürzlich erklärt, dass der aktuelle Kader nicht schlechter ist als der in der Saison 2016/17, als Dynamo in der 2. Liga auf dem fünften Platz einkam. Hat er recht?

Mit dem Grundgerüst hätten wir die Klasse – wenn die Saison normal verlaufen wäre – schon halten können. In der Hinrunde fehlte uns allerdings, auch durch Verletzungen, die Breite im Kader. Wenn man in 17 Spielen nur 13 Punkte holt, dann passt was nicht.

Enttäuscht: Nach dem Spiel gegen Osnabrück und dem feststehenden Abstieg steht Marco Hartmann gemeinsam mit der Mannschaft und dem nun ehemaligen Sportdirektor Ralf Minge im Stadion.
Enttäuscht: Nach dem Spiel gegen Osnabrück und dem feststehenden Abstieg steht Marco Hartmann gemeinsam mit der Mannschaft und dem nun ehemaligen Sportdirektor Ralf Minge im Stadion. © dpa/Robert Michael

Sie hatten zuletzt einen Grund genannt: Es habe keine Mannschaft auf dem Platz gestanden, bei dem jeder bedingungslos füreinander da war. Vorher besprochene Dinge seien nicht von allen umgesetzt wurden. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Da müsste man jeden Einzelnen fragen. Ich kann nur sagen, dass wir über einen langen Zeitraum immer wieder neue Trainer und neue Philosophien hatten. Diese ohne Wenn und Aber umzusetzen, damit hatten einige Probleme. Das Gefühl, wirklich eine Mannschaft zu sein, bei der sich jeder auf den anderen verlassen kann, ist erst Stück für Stück in der Rückrunde gewachsen. Da ist dann auch wieder eine gewisse Hierarchie entstanden, Spieler haben Verantwortung übernommen.

Also war es keine Frage der fußballerischen Qualität, sondern eher eine Charakterfrage?

Ja.

Spieler hatten aber auch schon während der Hinrunde die Harmonie innerhalb der Mannschaft gelobt. Haben sie nicht die Wahrheit gesagt?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was in der Kabine passiert und auf dem Platz. Natürlich treten diese Probleme immer dann auf, wenn es nicht läuft. Ich glaube, wenn sich jeder bedingungslos in dem System eingeordnet hätte, jeder den anderen bedingungslos unterstützt hätte, dann wäre mehr möglich gewesen.

Fehlte bei den Trainer- und Systemwechseln die letzte Überzeugung?

Genau. Jeder, der einige Jahre gespielt hat, hat seine Idee von erfolgreichem Fußball, wo sein Typ auch am besten reinpasst. Wenn dann ein System mit einem ähnlichen Kader verändert wird, entstehen Fragezeichen, weil das alte ja durchaus erfolgreich war.

Uwe Neuhaus hat mit Bielefeld jetzt den Aufstieg gefeiert. Es gibt nicht wenige, die sagen, dass seine Entlassung im August 2018 der größte Fehler war.

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Ich finde auch, dass er ein richtig guter Trainer ist. Trotzdem muss man sich in die Situation damals hineinversetzen. Wir steckten eine Saison lang im Abstiegskampf fest und auch die nächste begann mit Rückschlägen. Die Lage war also schwierig – und eine Reaktion notwendig, in welcher Art und Weise auch immer.

Das Gespräch führte Daniel Klein.

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