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Ex-Dynamo Möllensiep stirbt mit 43 Jahren

Der frühere Profi erlag einem Krebsleiden. In Dresden war er einst sportlich nicht glücklich geworden, obwohl der Verein sogar seiner Freundin Gehalt zahlte.

Mike Möllensiep ist tot.
Mike Möllensiep ist tot. © Archivbild/SZ/Marion Gröning

Nur kurz durfte Mike Möllensiep von einer großen Karriere träumen. Immerhin schnupperte der Gelsenkirchener Junge beim FC Schalke 04 im Frühjahr 1997 für insgesamt 23 Minuten Bundesliga-Luft. Er zählte zum legendären Team, das sich 1997 im Uefa-Pokalfinale gegen Inter Mailand den einzigen internationalen Titel der Königsblauen sicherte. „Damals bekamen junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nicht die Chancen“, sagte er später: „Es wurden lieber gestandene Profis verpflichtet als Talente gefördert.“ 

Er spielte nach seiner Karriere für die Traditionsmannschaft der Schalker - auch beim Treffen der "Eurofighter" zum 20. Jahrestags des Erfolgs am 21. Mai 2017. Dabei erzielte der einstige Mittelfeldspieler sogar zwei Tore. 

Am Dienstag ist Mike Möllensiep im Alter von nur 43 Jahren an Krebs gestorben. Ende 2017 war bei einer Routineuntersuchung ein bösartiger Tumor in der Niere festgestellt worden, trotz mehrerer Operationen bildeten sich immer wieder Metastasen.

Im Sommer 2000 wechselte Möllensiep zu Dynamo nach Dresden, sollte die Schwarz-Gelben nach dem Absturz in die viertklassige Amateuroberliga wieder nach oben schießen. Doch der offensive Mittelfeldspieler bestritt nur 15 Partien und erzielte zwei Tore, die Mannschaft verpasste den angepeilten Aufstieg mit 26 Punkten Rückstand auf den 1. FC Magdeburg mehr als deutlich. Dabei wurden die Millionen aus dem Darlehen von Vermarkter Kinowelt verpulvert, das der Verein erst 2016 vollständig zurückzahlen konnte. Möllensiep lieferte ein Beispiel für den laxen Umgang mit Geld in dieser Zeit.

Dynamo bezahlt die Spielerfrau

Für Dynamo bestritt Mike Möllensiep 15 Spiele in der Amateuroberliga und erzielte zwei Tore.
Für Dynamo bestritt Mike Möllensiep 15 Spiele in der Amateuroberliga und erzielte zwei Tore. © Archivbild/SZ/Marion Gröning

Der damals 25-Jährige ließ sich in einer Zusatzvereinbarung garantieren, dass Dynamo seiner Freundin Sandra eine Halbtagsstelle als Kosmetikerin oder Friseuse besorgt. „Versprochen worden war mir das schon bei meiner vorhergehenden Station in Lübeck, aber passiert ist dort nichts. Deshalb wollte ich diesmal den Verein in die Pflicht nehmen“, erklärte der Mittelfeldspieler 2008 im Gespräch für das Buch "Dynamo Dresden. Legenden. Schicksale. Geschichten." Anfangs habe er immer wieder nachgehakt. Ergebnislos. Dynamo hat jedoch das vereinbarte Gehalt für sie überwiesen, so lange Geld in der Kasse war: 1.518,03 Mark (776 Euro). „Natürlich ist es nicht normal, dass ein Klub eine Spielerfrau bezahlt. Es war allerdings nicht unsere Schuld, dass sich die Verantwortlichen nicht gekümmert haben, uns bei der Suche nach einem Job zu helfen.“

Nach nur einem Jahr hätte sie die Stelle ohnehin wieder aufgeben müssen, obwohl sie sich – so Mike Möllensiep – „in die Stadt verliebt“ hatte. Wenig verwunderlich. Er fühlte sich dagegen in Dresden sportlich nicht wohl. Nur einmal spielte er sich mit Dynamo in den Blickpunkt: mit seinem Treffer beim 1:2 im Benefizspiel gegen Borussia Dortmund am 23. März 2001.

Zuletzt betreute er den Essener Kreisligisten FC Freisenbruch als Trainer.


Die Karriere von Mike Möllensiep

Selten hatte Mike Möllensiep bei Dynamo Grund zum Jubeln wie hier mit Klaus Dietrich (r.).
Selten hatte Mike Möllensiep bei Dynamo Grund zum Jubeln wie hier mit Klaus Dietrich (r.). © imago/Dehlis (Archiv)

Möllensiep durchlief die Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 und kam in der Saison 1996/97 zu zwei Kurzeinsätzen in der Bundesliga. 

Über den VfB Lübeck (Juni 1998 bis Dezember 1999) und den TSV Pansdorf (Januar bis Juni 2000) kam der einstige Nachwuchsauswahl-Spieler zu Dynamo. 

Nach einem Jahr wechselte er zu Schwarz-Weiß Essen (2001 bis 2006) und kam nach einer Zwischenstation beim KFC Uerdingen (2006/07) zum westfälischen Verbandsligisten SpVgg Vreden, wo er abenso als spielender Co-Trainer aktiv war wie später beim GSV Moers in der Landesliga Niederrhein. 

Er spielte danach noch für Fortuna Gronau.

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