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Minge gibt Fiel eine Jobgarantie

Dynamos Sportdirektor würde selbst bei einer Pokalniederlage nicht am Trainer rütteln. Und was sagt er zu Neuzugängen? 

Bilden weiter eine Einheit: Dynamo-Sportgeschäftsführer Ralf Minge und Cheftrainer Cristian Fiel.
Bilden weiter eine Einheit: Dynamo-Sportgeschäftsführer Ralf Minge und Cheftrainer Cristian Fiel. © Ronald Bonss/Archiv

Am Rand des Spielfeldes, auf dem an diesem Abend ein Partyzelt steht, brennt der Grill, Bier wird gezapft, eine Dixieband spielt. Die Stimmung ist ausgelassen beim Sommerfest des Sächsischen Fußballverbandes in der Egidius-Braun-Fußballschule in Leipzig-Abtnaundorf. Landesmeister aller Altersklassen werden auf der kleinen Bühne geehrt, es gibt Applaus für die Mädchen und Jungen, Trainer und Übungsleiter.

Dynamos Sportdirektor Ralf Minge ist als Star- und Talkgast geladen, genauso wie Perry Bräutigam, der ehemalige Torwarttrainer und jetzige Repräsentant von RB Leipzig. Plötzlich wird es ernster und stiller, der Saisonstart von Dynamo ist kein freudiges Thema, auch wenn Moderator René Kindermann die Fragen locker stellt.

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Der erkundigt sich am Anfang nach der Stimmung bei seinem Gesprächspartner, und nach den vielen gut gemeinten Ratschlägen. Minge antwortet mit einem Zitat des ehemaligen Präsidenten von Erzgebirge Aue, Uwe Leonhardt. „Der hat mal gesagt: Am besten, man verliert die ersten fünf Spiele, dann sieht man, wer seine Freunde sind“, erzählt der Sportchef. „Das heißt aber nicht, dass wir die nächsten drei Spiele auch noch verlieren wollen.“

Keine Zeit zum Nachhaken

Die Sorgen und Ängste der Fans hat natürlich auch er mitbekommen, ebenso wie die Kritik an Trainer Cristian Fiel und ihm. „Die emotionalen Ausschläge sind bei uns nun mal höher. Auch ich habe mir den Start ganz anders vorgestellt. Wir werden jetzt besonnen und zielstrebig weiterarbeiten“, erklärt Minge.

Mit „wir“, das wird schnell klar, meint er ausdrücklich auch den Cheftrainer. MDR-Moderator Kindermann fragt nach der Pokalaufgabe am Samstag in Zwickau, wenn der Fünftligist TuS Dassendorf aus der Nähe von Hamburg anreist. „Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Enttäuschung“, sagt Minge, und dass er eine Reaktion der Mannschaft erwarte. „Wir sind absolut in der Pflicht und vom vorigen Jahr gewarnt.“ Da schied Dynamo in der ersten Runde in Lotte gegen den Regionalligisten SV Rödinghausen in der Verlängerung aus.

Kindermann erinnert daran, dass nach dieser Blamage Uwe Neuhaus entlassen wurde. Eine Wiederholung der Ereignisse schließt Minge jedoch aus. „Eine Trainerentlassung wird es nicht geben – egal, wie das Spiel am Samstag ausgeht“, legt sich der 58-Jährige fest. Und plötzlich hat die launige Sommerparty eine richtige Schlagzeile produziert: Dynamos Sportchef stellt Fiel eine Jobgarantie aus.

Zeit zum Nachhaken, warum die Situation jetzt eine andere ist als vor einem Jahr, bleibt bei der Open-Air-Feier nicht. Deshalb wird auch nicht gefragt, warum der Stuhl von Fiel selbst nach drei Pflichtspielniederlagen in Folge nicht wackeln würde, obwohl bei Neuhaus schon zwei Pleiten für den Rauswurf reichten.

Zwei Namen werden kurz diskutiert

Minge kann so nicht erklären, dass die Konstellationen grundverschieden sind. Tatsächlich war Neuhaus vor zwölf Monaten bereits angeschlagen in die Saison gestartet, in der davor hatte er mit der Mannschaft bis zum Schluss um den Klassenerhalt kämpfen müssen, wurde auch vereinsintern infrage gestellt. Dann sollte er seine Arbeitsweise ändern, der Betreuer- und Trainerstab wurde erweitert. 

Doch Neuhaus sträubte sich dagegen, Kompetenzen abzugeben und die Spielweise zu ändern. Die Verunsicherung übertrug sich auf die Spieler, die Trennung war eine logische Konsequenz. Bei einem Neuling wie Fiel dagegen, der seine erste Profistation bestreitet, käme eine Entlassung nach nur drei Partien in dieser Saison einer Bankrotterklärung gleich. Allerdings weiß auch Minge: „Die Ausschläge nach unten sollten nicht so häufig kommen.“

Ein neuer Stürmer könnte helfen, dies zu verhindern. Doch der lässt weiter auf sich warten. Kindermann konfrontiert Minge mit zwei Namen: Pascal Köpke von Hertha BSC und Jake Larsson vom schwedischen Erstligisten Örebro SK. Minge kontert mit einer Gegenfrage: „Ist Larsson überhaupt ein Stürmer?“ Ist er nicht und Wasserstandsmeldungen wolle er nicht abgeben. Deshalb bleiben die beiden Namen die einzigen an diesem Abend, die genannt werden.

Minge bleibt in Sachen Neuzugänge optimistisch

Vielmehr geht es allgemein um die Schwierigkeit, in Zeiten explodierender Transfersummen den richtigen Profi zu finden. „Die Entwicklung ist fast schon beängstigend“, findet er. „Letztens hatten wir einen Fall, da wurde uns ein Spieler von neun verschiedenen Beratern angeboten. Da weiß man dann, dass man sich mit dem nicht beschäftigen muss.“

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Als ein Kriterium bei der Suche nennt Minge die Persönlichkeitsstruktur. „Nicht jeder passt ja nach Dresden. Sonst hätten wir auch schon bei RB gescoutet“, sagt er, um Bräutigam zu necken. Der grinst überlegen. Dann wird es doch noch mal ernst. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir in den nächsten Tagen, spätestens aber bis zum Transferschluss, ein, zwei Spieler präsentieren können“, sagt Minge. Nur wenige Minuten später setzt er sich ins Auto. Am Samstagmittag will er in Zwickau sein.

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