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Wird er Dynamos neuer Kapitän?

Beim 0:2 im Testspiel gegen Union Berlin trägt Sebastian Mai gleich die Binde. Er ist Dresdner – und was sonst noch für ihn spricht.

Ist das mehr als ein Fingerzeig? Sebastian Mai gibt gleich bei seinem ersten Einsatz für Dynamo als Kapitän die Richtung vor.
Ist das mehr als ein Fingerzeig? Sebastian Mai gibt gleich bei seinem ersten Einsatz für Dynamo als Kapitän die Richtung vor. © Lutz Hentschel

Dresden. Aus Versehen oder doch mit Absicht? Im Testspiel bei Union Berlin war Dynamo in der zweiten Halbzeit quasi führungslos, was das Ergebnis erklären könnte: Beide Gegentreffer beim 0:2 fielen nach der Pause. Aber das lag eher am entschlossenen Gegner als an einem fehlenden roten Schleifchen. Trotzdem ist das nach dem Abpfiff ein wesentliches Thema, das die Öffentlichkeit interessiert, wie Pressesprecher Henry Buschmann betont. Er führt die Interviews mit Spielern und Trainer, die er dann per WhatsApp-Sprachnachricht an die Journalisten auf der Pressetribüne schickt. Verrückter Corona-Alltag.

Allerdings wäre es tatsächlich eine Frage gewesen, warum bei den Schwarz-Gelben nach dem Seiten- und Personalwechsel keiner die Kapitänsbinde trug. Wahrscheinlich hatte Sebastian Mai einfach vergessen, sie weiterzureichen. Der Neuzugang hatte sie nämlich in Hälfte eins am linken Oberarm – und das gleich in seinem ersten Spiel für den Verein, für den er schon als Jugendlicher gespielt hat, bevor er ihn vor sieben Jahren mangels Perspektive verlassen musste. „Natürlich ist das für mich sehr, sehr besonders: in dem Trikot mit der Binde gleich im ersten Spiel“, sagt der 26-Jährige.

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Nach einer Leisten-Operation hatte Mai zu Beginn der Vorbereitung eingeschränkt trainiert und den ersten Test gegen Hertha BSC II verpasst. Im Vergleich zu dem 2:3 gegen den Regionalligisten sei es „in der Kompaktheit ein Schritt nach vorn“ gewesen, stellt Trainer Markus Kauczinski nach der Prüfung gegen Union fest. Dass seine Mannschaft dem Bundesligisten 45 Minuten lang ein 0:0 abtrotzt, hat viel mit Glück zu tun. Zwei Treffer werden zu Recht nicht anerkannt. Man könnte das Zwischenergebnis aber auch mit Mai in Verbindung bringen, schließlich organisiert der Verteidiger die Defensive. „Im Vergleich zum Hertha-Spiel war das nicht mehr so wild“, meint Marco Hartmann. „Wir haben defensiv strukturierter gestanden, besser und konsequenter verteidigt.“

Kauczinski schaut: Wer ist unangefochten?

Hartmann wäre natürlich auch ein Kandidat als Kapitän, allerdings hatte ihn Kauczinski im Winter abwählen lassen. Der 32-Jährige war zu oft verletzt, was auch für die neue Besetzung dieser herausgestellten Führungsrolle ein Kriterium ist. Der Trainer beteuert zwar, den Gedanken an diese Frage für sich auf „irgendwann nach dem Trainingslager mit Richtung erstes Spiel“ aufzuschieben. Aber er hat klare Vorstellungen für das Amt. Eine Frage, die er sich dabei stellt: „Wer wird auf dem Platz stehen, ist unangefochten?“

Marco Hartmann (l.) übernahm in Dynamos erstem Testspiel beim 2:2 gegen die U23-Auswahl von Hertha BSC im Zweikampf mit Christalino Atemona - nach der Pause die Kapitänsbinde. Am Samstag beim 0:2 in Berlin gegen Union verzichtete er darauf.
Marco Hartmann (l.) übernahm in Dynamos erstem Testspiel beim 2:2 gegen die U23-Auswahl von Hertha BSC im Zweikampf mit Christalino Atemona - nach der Pause die Kapitänsbinde. Am Samstag beim 0:2 in Berlin gegen Union verzichtete er darauf. © dpa/Robert Michael

Drei, vier Kandidaten habe man dafür geholt, sagt Kauczinski, ohne die Namen zu nennen. Offenbar hat er keinen im Blick, der bereits den Abstieg mitgemacht hat, obwohl zumindest Torwart Kevin Broll den geforderten Stammplatz sicher haben dürfte. Oder Chris Löwe, der mit seinem Wutausbruch im TV-Interview („Wir sind die, die den verf… Preis bezahlen.“) bei den Fans Kultstatus erlangt hat.

Kauczinski möchte wohl einen unbelasteten Anführer für den Neustart in der 3. Liga, wobei dafür sowieso möglichst jeder Verantwortung übernehmen soll. „Das ist generell wichtig, das habe ich nicht nur drei, vier Spielern gesagt“, betont der Chefcoach. Trotzdem werde „am Ende einer Kapitän“. Also nicht etwa vier wie vorige Saison, als sein Vorgänger Cristian Fiel nach spanischem Vorbild jene Profis in den Status erhoben hatte, die am längsten im Verein waren. Eine prägende Rolle hatte letztlich keiner: Hartmann abwesend, Patrick Wiegers Ersatztorwart, Jannik Müller und Niklas Kreuzer bestenfalls zweite Wahl.

Eine klare Hierarchie hat Dynamo gefehlt, das war ein Grund für den Abstieg. Diesmal soll, muss und vor allem kann das anders werden. Wobei letztlich doch nicht so viele infrage kommen, wie es scheint. Auf der Liste steht sicher auch Yannick Stark, der die Mannschaft gegen die Hertha-Bubis auf den Rasen führen durfte. Philipp Hosiner bringt eine Menge Erfahrung mit. Nach den ersten Eindrücken drängen sie sich nicht in die erste Reihe und würden sich womöglich als Stellvertreter wohler fühlen, von denen Kauczinski zwei, drei benennen möchte.

Vergleich mit Aufstiegsheld Michael Hefele

Mai aber ist ein Typ, den man nicht nur von der Statur her mit Michael Hefele vergleichen kann, der Dynamo 2016 zum Aufstieg in die zweite Liga geführt hat: leidenschaftlich auf dem Platz wie in seinen Ansagen. Was besonders schwer wiegt: Er ist gebürtiger Dresdner, hat noch auf den Hartplätzen am Rudolf-Harbig-Stadion trainiert, die erst mit dem Neubau vor fast elf Jahren verschwunden sind. „Ich will hier eine Führungsrolle übernehmen. Wenn das als Kapitän so sein soll, soll es so sein“, meint Mai, aber: „Ich werde es versuchen, egal, ob es die Binde wird oder nicht.“

Das ist ein weiterer Aspekt für Kauczinski, denn er will sehen, wer vorangeht. Mai musste erst einmal weggehen, nachdem er bei Dynamo nur in Testspielen und der zweiten Mannschaft zum Einsatz gekommen war. Seitdem habe er immer mit einem Auge auf seinen Heimatverein geschielt, erzählt er, „aber leider haben sich die Wege nie gekreuzt“. Bis jetzt. Mai kommt zwar vom Halleschen FC aus der 3. Liga, war aber auch für die zweite bereits fest eingeplant. Nun soll er eine stabile Größe beim neuen Anlauf sein – und vielleicht sogar der Kapitän. „Ich weiß nicht wie, aber es wird irgendwie schon geregelt werden“, sagt er nach dem Union-Test.

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