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Dynamo

Was vor Gericht so über Dynamo bekannt wird

Es geht um Kopfverletzungen, über zwei Promille Alkohol und eine nächtliche Schlägerei kurz vor dem Saisonauftakt. Jetzt gibt es ein Urteil.

Der ehemalige Dynamo-Profi Patrick Möschl wird im August 2018 Opfer einer Schlägerei.
Der ehemalige Dynamo-Profi Patrick Möschl wird im August 2018 Opfer einer Schlägerei. © Thomas Kretschel

Der Vorfall, den jetzt das Dresdner Amtsgericht verhandelt hat, liegt gut anderthalb Jahre zurück. Es geht um eine Schlägerei vor einer Diskothek, Sachen also, die immer wieder passieren. Von öffentlichem Interesse ist das Verfahren, weil das Opfer ein Fußball-Profi ist: Patrick Möschl, bis Januar bei Dynamo Dresden unter Vertrag. 

Laut Staatsanwaltschaft schlug der Angeklagte Parminderjit Singh B., damals 20 Jahre alt, den Österreicher am 2. August 2018 kurz nach zwei Uhr nachts vor dem Blue Dance Club in der Dresdner Innenstadt ins Gesicht. Das erfüllt den Tatbestand der körperlichen Misshandlung, weil Möschl mit dem Kopf rücklings gegen eine Glasscheibe gefallen und kurz bewusstlos gewesen sei, so die Staatsanwaltschaft. Zudem habe er unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Oberkieferbruch erlitten, musste operiert und stationär behandelt werden.

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So weit, so schlecht. Ein pikantes Detail bringt Rechtsanwalt Ulf Israel ins Spiel. Er verteidigt den gebürtigen Inder und deutschen Staatsbürger, und Israel erklärt, "dass es eine bisher unbeleuchtete Vorgeschichte gab, bei der Alkohol keine unwesentliche Rolle spielte". Fußballprofi Möschl sei erheblich angetrunken gewesen.

Der Trainer erklärt das Fehlen: "Kopfverletzung"

Der Jurist spricht von mehr als zwei Promille. Laut Atemalkoholtest waren es exakt 2,2 Promille. "Ein komischer Wert - kann ja zum Training gehören", bemerkt der Verteidiger süffisant. Bemerkenswert ist tatsächlich der Zeitpunkt der nächtlichen Schlägerei: kurz vor dem Saisonauftakt in der zweiten Liga gegen Duisburg. Dynamo gewann vier Tage später mit 1:0, und Möschl fehlte. Genauso wie am zweiten Spieltag. Eine Erklärung von Vereinsseite gab es damals nicht, es fragte aber auch niemand danach. 

Erst zwei Wochen später, vor dem Pokalspiel gegen den Regionalligisten Rödinghausen, war Möschl wieder Thema, eher zufällig. Weil Spiele gegen unterklassige Mannschaften immer auch eine Chance für Reservisten sind - zu denen Möschl damals offenbar gehörte. Dass er aufgrund der Verletzungen in den ersten zwei Saisonspielen gar nicht zum Einsatz kommen konnte, wussten schließlich nur Insider. 

Auf der Pressekonferenz vorm Spiel fiel also auch Möschls Name. Der damalige Trainer Uwe Neuhaus bezeichnete den Österreicher sogar als einen der Gewinner der Vorbereitung. "Als rechter Verteidiger in der Fünferkette hat er extrem gute Spiele gemacht, ist dann aber mit einer Kopfverletzung wieder ein kleines bisschen zurückgefallen", erklärte Neuhaus. 

Richterin entbindet Möschl vom Erscheinen

Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht ist Möschl, seit knapp einem Monat bei Drittligist 1. FC Magdeburg unter Vertrag, nicht vor Ort. "Ich habe ihn vom persönlichen Erscheinen entbunden", erklärt Jugendrichterin Ute Muck mit Verweis auf dessen berufliche Verpflichtungen.

Ausführlich schildert indes der Beschuldigte seine Sicht auf die Dinge. Möschl habe seine damalige Freundin im Blue am Rücken und Po angefasst. "Das lässt sich kein Mann gefallen", sagt B. Was soll das, habe er Möschl gefragt. Die verbale Auseinandersetzung sei immer lauter geworden, weshalb beide von Sicherheitsleuten des Hauses verwiesen wurden. Vor der Tür sei der Streit aggressiver geworden - "mit Schubsen und so. Dann habe ich ihm aus Angst und Reflex eine gegeben, bevor ich mir eine fange, also um mich zu schützen und zu verteidigen", sagt der Deutsch-Inder. 

Und er erzählt noch, dass Möschl nicht allein in dem Club gewesen sei, sondern Dynamo als Mannschaft, also mindestens, wie er meint, sieben, acht Leute aus dem Kader. Ob das als Teambuilding-Maßnahme so kurz vor dem ersten Spiel der neuen Saison durchgeht, bleibt spekulativ.

Der Zeuge ist vom Fach: ein Notfallsanitäter

Ein Zeuge schildert die Auseinandersetzung vor der Tür so: Beide hätten sich angebrüllt. "Warum fasst Du sie an?", habe B. Möschl gefragt. "Was willst Du von mir?", habe der geantwortet. Aus der anfänglichen Rangelei sei eine Schubserei geworden. Danach folgte der Schlag. Möschl sei rückwärts gegen die Glasscheibe gefallen, habe sehr stark aus dem Mund geblutet, sei ansprechbar und sehr alkoholisiert gewesen - so, wie er geredet habe, so lallend und nuschelnd. 

Der Zeuge ist vom Fach, er arbeitet als Notfallsanitäter. Er habe sich um Möschl gekümmert, jemand anderes die Polizei und den Rettungsdienst benachrichtigt. Und dann nahm der Vorfall eben seinen juristischen Lauf. 

Das Ergebnis? Patrick Möschl konnte zwei Wochen später wieder spielen, der Trainer wechselte ihn im Pokalspiel in der Verlängerung ein. Dass Dynamo am Ende ausschied - tut hier nichts zur Sache. Und Parminderjit Singh B. wurde am Montag wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, zu leisten binnen drei Monaten.