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Dynamos Neuer kommt mit Verspätung

Paul Will ist mit dem FC Bayern Meister geworden, trotzdem wollte er weg. Warum sein Wechsel erst im zweiten Anlauf klappte, erzählt er im Trainingslager.

Neuzugang Paul Will (l.) sagt, er könne noch viel von Yannick Stark (r.) lernen.
Neuzugang Paul Will (l.) sagt, er könne noch viel von Yannick Stark (r.) lernen. ©  Foto: Lutz Hentschel

Als seine neuen Mitspieler die lockere Einheit einen Tag nach dem verlorenen Test gegen Eintracht Braunschweig bereits beendet hatten, musste Paul Will eine Extraschicht einlegen. Weite Pässe auf die linke Seite, dann Einlaufen und Torabschluss. Seine Flanken kamen an, und meist hatte Torwart Stefan Kiefer keine Abwehrchance. Vom Trainerstab, der aufmerksam zuschaute, bekam der Neuzugang viel Lob. Kevin Broll, Dynamos Nummer eins, verteilte dagegen eine kleine Spitze. „Damit kannst Du jetzt mal aufhören, auch wenn du Meister geworden bist“, brüllte der Keeper von den Zuschauertraversen und grinste mit seinen Nebenleuten. Was man wohl so deuten kann, dass der Neue nicht so angeben soll.

Am Freitagabend war Will im Trainingslager in Heiligenstadt eingetroffen, am Samstagmorgen wurde seine Verpflichtung verkündet, und kurze Zeit später stand er auf dem Platz. Er ist Dynamos Neuzugang Nummer 13 – und der 21-Jährige reiht sich bestens ein in den neuformierten Kader. Neben Patrick Weihrauch und Jonathan Meier ist er bereits der Dritte mit einer FC-Bayern-Vergangenheit. Er kommt sogar direkt aus München, Anfang Juli feierte er mit der U23 des Klubs noch die Meisterschaft in der 3. Liga.

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Aufsteigen konnte er mit der Bayern-Reserve jedoch nicht, das verbieten die Regularien. Und das war auch ein Grund, warum er nach zwei erfolgreichen Jahren weg wollte. „Es ist für mich an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen“, erklärte er, als seine Sonderschicht vorbei war. „Mit Dynamo kann ich aufsteigen, hier ist es der große Traum eines ambitionierten Klubs.“

Und er selbst ist es auch. Bereits an seinem ersten Arbeitstag formuliert er das persönliche Saisonziel sehr forsch. Nicht weniger als die „Mission Titelverteidigung“ peilt er an. Immer ganz oben stehen zu wollen und das so zu formulieren, ist eine Einstellung, die er mitbringt aus München.

„Durch den ganzen Verein zieht sich dieser Ehrgeiz und dieser Erfolgshunger, alle möglichen Titel holen zu wollen“, erklärt er das Bayern-Gen. „Und wenn es mal nicht so läuft, wie zuletzt unter Niko Kovac, spürt man diese Unzufriedenheit und diesen Druck sehr deutlich.“

Mit Jonathan Meier hat er noch bei den Bayern-Amateuren zusammengespielt. Das würde die Eingewöhnung bei Dynamo natürlich erleichtern, sagt Will, doch man hat nicht das Gefühl, dass er auf diese Hilfe angewiesen ist. Das zeigt nicht nur die Frotzelei von Broll. Eigentlich sollte der Hesse bereits beim Trainingsauftakt vor knapp drei Wochen vorgestellt werden. In Dresden war er an diesem Tag bereits und sich wohl auch schon mit Dynamo einig. Doch dann habe sich „alles ein bisschen gezogen“. Schuld daran war wohl die immer noch vakante Trainerstelle bei Bayerns U23, Sebastian Hoeneß wechselte zur TSG Hoffenheim. „Ich glaube, sie wollten mich deshalb nicht ziehen lassen.“

Bei den Münchnern hatte er noch einen gültigen Vertrag, wie hoch die Ablösesumme für ihn war, fällt unter das Stillschweigeabkommen. Bei Dynamo unterschrieb er bis 2023. Sportdirektor Ralf Becker lobt vor allem seine Fähigkeit, dem Spiel „mit seinem starken linken Fuß aus dem Zentrum heraus Struktur zu verleihen“.

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Als defensiver Mittelfeldspieler ist er zunächst wohl als Ersatz für den verletzungsanfälligen Marco Hartmann eingeplant. Von ihm und Yannick Stark könne er viel lernen, betont Will. „Beide haben sich schon in höheren Ligen bewiesen, deshalb muss ich mich da erst mal hinten anstellen.“ Als Spieler mit Bayern-Gen folgt da natürlich noch ein Nachsatz: „Aber ich bin hungrig und will angreifen.“

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