merken
PLUS Dynamo

Das ist Minges Nachfolger bei Dynamo

Ralf Becker übernimmt als Sportchef. Ihn erwartet ein bekannter Trainer, das neue Trainingszentrum und vor allem viel Arbeit. Erste Neuzugänge werden gehandelt.

Im Februar 2019 stand Ralf Minge im Hamburger Volksparkstadion neben seinem Nachfolger Ralf Becker.
Im Februar 2019 stand Ralf Minge im Hamburger Volksparkstadion neben seinem Nachfolger Ralf Becker. © Jan Huebner

Dresden. Jetzt ist es perfekt. Am Donnerstagabend um 18.53 Uhr verkündete Dynamo Dresden per Pressemitteilung, was seit Wochen schon als sicher galt: Ralf Becker heißt der neue Sportchef beim künftigen Fußball-Drittligisten und tritt damit die Nachfolge von Ralf Minge an.

Ein nicht unwichtiges Detail wird allerdings nicht erwähnt – die Laufzeit des Vertrages. Lediglich aus einem Zitat des Aufsichtsratsvorsitzenden Jens Heinig lässt sich herauslesen, dass Becker wohl nicht nur für eine Spielzeit unterschrieben hat. Mit ihm wollen „wir in den kommenden Jahren unsere Ziele im sportlichen Bereich“ erreichen.

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Heinig bezeichnet den neuen Sportgeschäftsführer, wie die Funktion offiziell heißt, als Wunschkandidaten, der sich „bei unserem Auswahlprozess mit verschiedenen Bewerbern in den zurückliegenden Wochen“ durchgesetzt habe. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen. „Er wird zusammen mit seinem Team unsere Strukturen im sportlichen Bereich mit neuem Leben füllen und die schnellstmögliche Rückkehr in die 2. Bundesliga anstreben“, erklärt Heinig weiter.

Becker kennt sich bestens aus im Fußballgeschäft. Seine letzte Station war der Hamburger SV, bei dem er vor gut einem Jahr entlassen wurde. Seine erfolgreichste Station erlebte der 49-Jährige jedoch bei Holstein Kiel: 2016 übernahm er dort die Position des Sportgeschäftsführers und stellte eine Mannschaft zusammen, die 2017 in die zweite Liga aufstieg und ein Jahr später fast den Durchmarsch in die Bundesliga schaffte. Erst in der Relegation scheiterte Kiel am VfL Wolfsburg – und Becker wechselte zum Hamburger SV.

In Kiel schaffte er fast den Durchmarsch bis in Liga eins

Er leistete in Kiel Aufbauarbeit, deren Züge noch immer erkennbar sind. Seit drei Jahren spielt der Klub in der zweiten Liga und macht vor allem mit den Trainerverpflichtungen von sich reden. Sowohl Markus Anfang als auch Tim Walter, die Becker verpflichtet hatte, wechselten später zu großen Klubs. Aufbauarbeit muss der gebürtige Leonberger nun auch in Dresden leisten, einen Fastdurchmarsch bis in die Bundesliga wird aber sicher keiner von ihm erwarten. Und einen Trainer muss er auch nicht suchen. Markus Kauczinski soll nach dem Abstieg den Neuaufbau leiten.

Vor seiner Zeit in Kiel arbeitete Becker viele Jahre als Chefscout und Nachwuchsleiter beim VfB Stuttgart sowie als Co-Trainer beim Karlsruher SC, als dem Verein 2007 der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Nachwuchskoordinator und Trainer der U 19-Mannschaft damals bei den Badenern war: Markus Kauczinski.

„Natürlich kennen wir uns. Er war Co-Trainer bei den Profis, ich für die Jugend verantwortlich. Da gab es Schnittmengen und einen engen Austausch“, sagte Dynamos Trainer vor drei Wochen, als Beckers Name erstmals gehandelt wurde. Zudem sahen sich beide in Hamburg, als Kauczinski Trainer beim FC St. Pauli war und Becker Sportvorstand beim HSV.

Die Verbindung könnte auch ein Grund gewesen sein, weshalb sich der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born schon vergangenen Sonntag auf Kauczinski als Trainer für die neue Saison festlegte: „Es gibt das klare Bekenntnis, mit diesem Trainerteam weiterzuarbeiten.“ Auch Kauczinski möchte nach dem Abstieg seinen Vertrag erfüllen. „Ich glaube, dass man in Dresden was wiederaufbauen kann“, sagte er.

Nur noch elf Spieler haben Verträge für die neue Saison

Auf das neue sportliche Führungsduo wartet viel Arbeit. Nach dem Abstieg wird der Kader ein völlig neues Gesicht bekommen. Nach SZ-Informationen haben nur noch elf Spieler für die 3. Liga gültige Verträge, darunter sind mit Kevin Broll, Sascha Horvath, Kevin Ehlers und Jannis Nikolaou lediglich vier Stammkräfte. Die anderen sind Nachwuchs- oder zuletzt an andere Vereine ausgeliehene Spieler. Mit dem bei Dynamo ausgebildeten Franz Pfanne (Rödinghausen) sowie Selim Gündüz (KFC Uerdingen) werden bereits die ersten Namen als Neuverpflichtungen gehandelt. Die gute Nachricht ist: Geld für die Zusammenstellung eines neuen Kaders gibt es reichlich. Born bezifferte das Eigenkapital zuletzt auf zehn Millionen Euro.

Auch die Infrastruktur passt jetzt. Becker verweist in seinem ersten Statement auf die „guten Voraussetzungen, auch mit dem neuen Trainingszentrum“. Das wird an diesem Freitagmittag feierlich eröffnet. „Ich bin total heiß auf diese Aufgabe und freue mich, sie zusammen mit allen Mitarbeitern und Fans anzupacken“, wird Becker weiter zitiert.

Minge und der Aufsichtsrat konnten sich nicht einigen

Eigentlich war die Neubesetzung erst zum Jahreswechsel geplant. Bis dahin wollte Minge im Amt bleiben. Doch der Aufsichtsrat entschied anders, unterbreitete ihm ein Angebot bis Ende September. In einer Pressemitteilung teilte man am 1. Juni schließlich mit, dass man keine Einigung erzielen konnte und die Zusammenarbeit zum Saisonschluss beendet – für eine Vereinsikone und Identifikationsfigur ein unrühmlicher Abgang.

Das führte zu einem öffentlich ausgetragenen Disput, bei dem auch Minge seine Sicht der Dinge darstellte. Für ihn seien Grundsätze wie Loyalität und Respekt unverhandelbar, heißt es in seiner Erklärung. Die vermisste er zuletzt offenbar. „Ich hätte mir gern ein anderes Ende, einen anderen Abschied als Verantwortungsträger des Vereins gewünscht“, schrieb der 59-Jährige.

Weiterführende Artikel

Dynamo präsentiert neuen Sportchef

Dynamo präsentiert neuen Sportchef

Nun ist er da: Ralf Becker ist in Dresden angekommen. Am Mittwoch wurde er als neuer Sportgeschäftsführer vorgestellt. Damit tritt er das Erbe von Ralf Minge an.

Kauczinskis Vorgaben für eine neue Mannschaft

Kauczinskis Vorgaben für eine neue Mannschaft

Der Dynamo-Trainer erklärt vor dem Saisonfinale, nach welchen Kriterien er den Kader zusammenstellt – und welche Rolle dabei sein neuer Chef spielt.

So sieht Dynamos neues Trainingszentrum aus

So sieht Dynamos neues Trainingszentrum aus

Der künftige Drittligist zieht in einen hochmodernen Komplex um. Bei der Eröffnung fehlt ausgerechnet Noch-Sportchef Minge. Ein Video gibt Einblicke.

Anwälte geben Dynamo vor Gericht keine Chancen

Anwälte geben Dynamo vor Gericht keine Chancen

Der Absteiger prüft juristische Schritte. Doch ein Einspruch kommt wohl zu spät. Selbst der Trainer glaubt nicht an einen nachträglichen Klassenerhalt.

Was Minge bei Dynamo bewegt hat - und was nicht

Was Minge bei Dynamo bewegt hat - und was nicht

Dynamo steigt aus der 2. Bundesliga ab, genau wie beim Amtsantritt des Sportchefs. Doch bei seinem Abschied ist vieles besser. Eine Bilanz.

„Ralf Minge ist nicht abserviert worden“

„Ralf Minge ist nicht abserviert worden“

Dynamo-Legende und Aufsichtsrat Dixie Dörner spricht über die sportliche Lage – und den Abschied der Vereinsikone.

Minge wird für die Zusammenstellung des Kaders, der offensichtlich nicht zweitligatauglich war und in der Winterpause mit sechs Leihspielern ergänzt wurde, verantwortlich gemacht. Dies ist auch der Hauptgrund für den Abstieg, der am Sonntag beim Saisonfinale gegen Osnabrück nicht mehr zu verhindern ist. Am Mittwoch tritt Becker dann sein Amt an.

Dynamo Dresden steht vor dem nächsten Neuanfang. Was jetzt wichtig ist - kompakt jeden Donnerstagabend im Newsletter SCHWARZ-GELB. Jetzt hier kostenlos anmelden.

Mehr zum Thema Dynamo