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Wieviel Geduld muss Dynamo mit Luka Stor haben?

Das slowenische Auswahltalent kam im Sommer als Hoffnung für den Sturm, doch mit den hohen Erwartungen hat er ein Problem.

Luka Stor unterschreibt Bälle für die Fans. Lieber würde er sie mit Toren beschenken.
Luka Stor unterschreibt Bälle für die Fans. Lieber würde er sie mit Toren beschenken. © dpa/Sebastian Kahnert

Es ist so eine Sache mit den Investitionen in die Zukunft. Im schnelllebigen Profi-Fußball muss eigentlich immer alles sofort funktionieren, und an einen neuen Stürmer sind die Erwartungen besonders hoch. Er soll Tore erzielen, möglichst viele. Dabei ist genau das zu viel verlangt von einem, der erst 21 Jahre alt ist, zum ersten Mal ins Ausland wechselt und zudem erst bei seinem neuen Verein anfängt, als die Saison schon begonnen hat.

So war es für Luka Stor bei Dynamo. Mitte August kam der Slowene von NK Aluminij nach Dresden, erhielt einen Vertrag für vier Jahre bis 2023. Seine Verpflichtung ist also langfristig angelegt, eine Anpassungszeit eingeplant, auch wenn er sich schnell eingelebt hat und nach nur zweieinhalb Wochen im Hotel in eine eigene Wohnung gezogen ist. Selbstständigkeit hat Stor in seiner Heimat gelernt, wo er mit fünf Jahren in Ajdovcina mit dem Fußball begann. Über Nova Gorica kam er mit 15 zum slowenischen Rekordmeister NK Maribor, nun weiter weg von zu Hause. Als Jugendlicher hat er schon mit den Profis trainiert, auch Freundschaftsspiele bestritten.

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„Aber es war schwer, ins erste Team zu kommen, schließlich war Maribor sogar in der Champions League dabei“, sagt Stor. „Deshalb habe ich mich zu einem kleineren Verein ausleihen lassen, um öfter spielen zu können.“ Für Aluminij gab er im Februar 2018 als 19-Jähriger sein Debüt in der ersten Liga, hatte in dieser Saison vor seinem Wechsel nach Dresden in fünf Spielen viermal getroffen. „Als ich hörte, dass Dynamo wegen mir angefragt hat, dachte ich gleich: Das ist es, was ich will“, erzählt er.

Schon als kleiner Junge habe er gehofft, eines Tages in Deutschland zu spielen, war Fan von Bayern München und hat Spiele der Bundesliga, auch der zweiten Liga geschaut. Vor etwa fünf Jahren hat er bereits Videos gesehen, wie Dynamo-Fans mit Choreografien und Gesängen ihre Mannschaft anfeuern. Sein Gedanke: „Die sind verrückt.“ Das wollte er erleben. „Wenn das Stadion voll ist, viele Fans da sind, bin ich noch mehr motiviert.“

Luka Stor trifft im Berliner Olympiastadion gegen Hertha-Torwart Thomas Kraft zum 3:2 für Dynamo, zur Sensation fehlen Dynamo nur ein paar Sekunden.
Luka Stor trifft im Berliner Olympiastadion gegen Hertha-Torwart Thomas Kraft zum 3:2 für Dynamo, zur Sensation fehlen Dynamo nur ein paar Sekunden. © dpa/Andreas Gora

Den Unterschied zum Liga-Alltag in Slowenien beschreibt Stor mit Tag und Nacht. Der Fußball sei taktisch geprägt, viele Trainer orientieren sich am defensiven italienischen Stil. „Hier ist es viel dynamischer, athletischer, wir spielen offensiver.“ Atmosphärisch gibt es mit Maribor und Olimpija Ljubljana nur zwei Klubs, die viele Zuschauer haben, bei den anderen sind es bestenfalls 2.000. Stor hat dagegen nun vor gut 70.000 im Berliner Olympia-Stadion gespielt und Dynamo im Pokalspiel gegen Hertha BSC in der Verlängerung in Führung gebracht. „Die Emotionen sind unbeschreiblich“, sagt er. „Als ich danach zu den Fans rannte, war nur ein Gedanke in meinem Kopf: Wovon du als Kind geträumt hast, erfüllt sich jetzt.“

Dynamo scheitert jedoch letztlich im Elfmeterschießen. „Ich war wirklich glücklich über mein Tor, aber nach dem Spiel so enttäuscht, dass ich nicht mehr oft dran gedacht habe.“ Zumal es im nächsten Spiel weniger gut lief. „Ich komme gegen Stuttgart rein und vergebe zwei Chancen.“ So ist der Treffer in Berlin sein bisher einziger für die Schwarz-Gelben. „Das ist nicht typisch für mich, ich habe jedes Jahr viele Tore geschossen“, sagt er, aber: „Ich wusste, dass es im ersten halben Jahr schwierig wird, den Sprung in eine neue Mannschaft und eine andere Liga mit einem höheren Niveau zu schaffen. Ich kann besser spielen.“

Erschwerend kommt hinzu, dass er in den Länderspiel-Pausen mit der slowenischen U21-Auswahl unterwegs ist, bei seinem jüngsten Einsatz gegen Portugal hat er sich am Hüftbeuger verletzt. „Es passierte ganz am Ende. Ich sprintete nach dem Ball, vielleicht 20 Meter, und als ich stoppte, merkte ich ein Ziehen im Muskel.“ Am Mittwoch konnte er wieder mit Ball trainieren und hofft, fürs wichtige Heimspiel am Samstag gegen Holstein Kiel fit zu sein.

Trainer Cristian Fiel wünscht sich einerseits, dass Stor in den Punktspielpausen in Dresden bleibt. „Ja, ihm würde es guttun, mal richtig an die Pumpe zu gehen und ein paar Tage zu marschieren.“ Andererseits zeigt der Spanier Verständnis. „Ehrlich, wenn mich mein Nationaltrainer geholt hätte, von denen keiner wusste, dass ich existiere: Ich wäre auch hingefahren.“

Luka Stor ist genauso hin- und hergerissen. „Es kann sein, dass es besser für mich wäre, hierzubleiben und mit dem Team zu arbeiten“, sagt er, aber: „Ich bin wirklich stolz, für mein Land spielen zu dürfen. Deshalb ist es schwierig, Nein zu sagen.“

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Das soll ihn jedoch nicht daran hindern, sich als Single in Dresden heimisch zu fühlen. „Ich bin vom Trainerteam und den Mitspielern sehr gut aufgenommen worden, fühle mich richtig wohl hier“, meint Stor, der höchste Ansprüche an sich selbst stellt. „Ich möchte viele Tore schießen und vorbereiten, um der Mannschaft zu helfen.“ Dabei kann er sich an einem Landsmann orientieren. Klemen Lavric hat 2004/05 für Dynamo 17-mal getroffen, so oft wie seitdem kein anderer mehr in einer Saison in der zweiten Liga.

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