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Der Dynamo, der seine Tattoos zeigt 

Simon Makienok ist 2,01 Meter groß und hat kaum eine unbemalte Stelle an seinem Körper, Fotos postet er im Internet. Auch sonst ist er außergewöhnlich - ein Porträt.

Mitte: Simon Makienok,
SG Dynamo Dresden, Training, Fu§ball, Fussball, 2. Bundesliga, Saison 2019/2020, Trainingsplatz im Gro§en Garten Dresden, 30.01.2020,
Foto: Lutz Hentschel
Mitte: Simon Makienok, SG Dynamo Dresden, Training, Fu§ball, Fussball, 2. Bundesliga, Saison 2019/2020, Trainingsplatz im Gro§en Garten Dresden, 30.01.2020, Foto: Lutz Hentschel © Lutz Hentschel

Dresden. Nicht aufzufallen geht bei ihm nicht. Mit seiner imposanten Größe von 2,01 Metern überragt Simon Makienok alle. Und 94 Kilo wiegen auch nicht viele Fußball-Profis. Aber es sind nicht nur seine körperlichen Dimensionen, die Dynamos Winter-Neuzugang aus der Masse herausstechen lassen – und das kann man wörtlich nehmen: Sich stechen zu lassen, ist nämlich eine Passion des Stürmers. Es gibt nur noch wenige Flecken auf seiner Haut, die nicht mit Tattoos bedeckt sind. Wie viele es sind, weiß er nicht. Irgendwann habe er aufgehört zu zählen, sagt der 29-Jährige.

Das erste Mal in ein Studio ging er mit 17, seitdem sitzt er regelmäßig dort, mitunter einmal im Monat. Über seinen gesamten Rücken erstreckt sich ein gewaltiger Löwenkopf. Sechs Sitzungen waren dafür nötig – jeweils über sechs Stunden.

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Sein Körper gleicht einem Bilderbuch, manche Figuren entspringen seiner Fantasie, manche erzählen Geschichten – zum Teil sehr private. Der Platz über der rechten Brust gehört seiner vor fünf Jahren verstorbenen Mutter. Ihren Namen, einen Engel und das Geburtsdatum hat er sich dort stechen lassen. Die Erinnerung an sie trägt er auch auf der Rückseite seines Trikots: Makienok ist der Nachname seiner Mutter, Christoffersen der seines Vaters. Der steht im Pass und ist damit der offizielle. „Aber seit dem Tod meiner Mutter 2015 benutze ich häufiger Makienok, auch als Spieler“, erzählt er.

Das führt immer wieder zu Verwirrungen. Auf den offiziellen Spielberichtsbögen steht Christoffersen, so wurde er auch vorige Woche Freitag beim Auswärtsspiel in Regensburg vom Stadionsprecher angekündigt. Es war sein erster Einsatz in Dynamos Startelf – und ein erfolgreicher. Der Sturmriese aus Dänemark erzielte den so wichtigen Treffer zum 2:1-Endstand. „Perfekt“ sei das gewesen und „enorm wichtig für die ganze Mannschaft“, sagt er.

Sein Einstand bei den Schwarz-Gelben drei Wochen zuvor lief alles andere als perfekt. Sechs Minuten nach seiner Einwechslung musste er schon wieder vom Platz. Nach einem etwas ungestümen Einsatz gegen den Darmstädter Torwart sah er Rot. Es war der erste Platzverweis in seiner Karriere. Man hätte angesichts seines Äußeren anderes vermuten können.

Ein Rauhbein ist Makienok aber keinesfalls, eher ein unglaublich cooler Typ. Wenn er fließend Englisch spricht, klingt es, als hätte er einige Jahre in den USA gelebt. Am Hals, um den mehrere Ketten baumeln, hat er sich einen kleinen Spruch stechen lassen. I am who I am, steht dort. Es sei eine Art Lebensmotto, sagt er. „Ich bin immer ich selbst, egal in welcher Situation.“ 

Es ist eine Einstellung, die Dynamo in der prekären Situation helfen könnte. Vom Typ her sei er eher ruhig und fokussiert, erzählt er. „Ich kann gut mit Druck umgehen, mag das sogar, dann bin ich am besten. Auch außerhalb des Fußballs bin ich nicht nervös, sondern mental stark und habe keine Angst.“ Eine Mannschaft, die seit Ende November kontinuierlich am Tabellenende steht und in dieser Zeit sehr viel Selbstbewusstsein eingebüßt hat, braucht ganz viel mentale Stärke.

Dynamo-Stürmer Simon Makienok bekommt gegen Darmstadt 98 von Schiedsrichter Michael Bacher die rote Karte gezeigt.
Dynamo-Stürmer Simon Makienok bekommt gegen Darmstadt 98 von Schiedsrichter Michael Bacher die rote Karte gezeigt. © Lutz Hentschel

Dynamo ist Makienoks fünfte Auslandsstation

„Als ich noch ein junger Spieler war, ging mir in solchen Phasen ganz viel durch den Kopf. Aber wenn du zuviel nachdenkst, auch über die Konsequenzen, dann ist das nicht gut für die Leistung. Mit meiner Erfahrung kann ich da vielleicht einige Tipps geben“, hofft Makienok. Dynamo ist seine fünfte Auslandsstation, er hat also schon einiges erlebt im Fußballgeschäft.

Zu beobachten war das in Regensburg ganz gut. In der ersten Hälfte hing er – wortwörtlich – immer wieder in der Luft. Seine Kopfballablagen fanden selten einen Abnehmer, weil seine Nebenleute zu wenig nachrückten. „Ich war da aber nicht frustriert, sondern habe weiter auf die nächste Chance gewartet. Und man sollte nicht vergessen: Das waren meine ersten 90 Minuten für Dynamo. Mit jedem weiteren Spiel lernt mich das Team besser kennen und ich das Team.“

Dass er auf weitere Einsätze hofft, ist logisch. Davon wird auch abhängen, ob sich beide Seiten nach dem Saisonende auf eine Verlängerung des bereits Ende Juni auslaufenden Vertrages einigen können. „Natürlich spielt dann auch eine Rolle, ob wir die Klasse halten können“, sagt er.

So lange will er auch im Hotel wohnen bleiben. Derzeit führt er eine Fernbeziehung. Er spricht von seiner Freundin, einer Radiomoderatorin, die ihn auch schon in Dresden besucht habe. Seine 16 Jahre ältere Ehefrau Ibi, die er 2014 in Kopenhagen geheiratet hatte, meint er damit womöglich nicht. 

Ibi Stöving, wie sie früher hieß, ist Model, Sängerin, Schauspielerin und TV-Moderatorin und er ein Ex-Nationalspieler – in Dänemark sind die beiden so etwas wie ein Glamour-Paar. Im Internet finden sich unzählige Fotos der beiden. Und einen gut ein Jahr alten Bericht auf einer Boulevard-Seite, in dem über Trennungsgerüchte berichtet wird.

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In Dresden ist nur Anton sein ständiger Begleiter, ein Hund der Rasse Samojede. Ein Tattoostudio hat er in seiner neuen Wahlheimat noch nicht besucht. „Vielleicht mache ich das, wenn wir den Klassenerhalt schaffen“, sagt er. „Mal schauen.“ Ein Sieg am Sonntag im Derby gegen Aue wäre dafür ganz hilfreich.

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