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So lief Dynamos geheimes Testspiel in Stuttgart

Was keiner sehen durfte: Die Dresdner zeigen sich beim 1:3 gegen den Ligakonkurrenten defensiv verbessert. Der Trainer ist trotz der Niederlage zufrieden.

Dynamos Linus Wahlqvist fliegt über Nicolas Gonzalez.
Dynamos Linus Wahlqvist fliegt über Nicolas Gonzalez. © Herbert Rudel

Von Sven Geisler

Dynamo hat die Generalprobe ordentlich bestanden, auch wenn sie letztlich nicht erfolgreich endete. Fünf Tage vor dem scharfen Start in die Rest-Rückrunde der 2. Fußball-Bundesliga mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC haben die Dresdner beim Liga-Konkurrenten VfB Stuttgart mit 1:3 (1:0) verloren. Dabei zeigte sich die Mannschaft nach der Vorbereitung unter dem neuen Chefcoach Markus Kauczinski besonders in der defensiven Organisation, der mannschaftlichen Geschlossenheit sowie in der Körpersprache lange Zeit deutlich verbessert. 

Deshalb zeigt sich der Trainer hinterher auch prinzipiell zufrieden. Sein Fazit: "Wir hatten gute Phasen, mussten gut verteidigen, weil Stuttgart sehr gut am Ball war und uns gefordert hat. Das haben wir sehr konzentriert getan und wenig zugelassen, außerdem ein frühes Tor gemacht." Trotzdem hat ihm nicht alles gefallen. Schon in der ersten Hälfte habe man "immer mal zu leicht den Ball verloren, was Kraft gekostet hat", erklärte Kauczinski. Seine Forderung: "Da müssen wir stärker werden, brutaler werden bei entscheidenden Zweikämpfen im Mittelfeld." 

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Stuttgart habe aufgrund der zweiten Halbzeit, als sich auch durch die Wechsel bei Dynamo einige Unachtsamkeiten einschlichen, verdient gewonnen. "Es war gut, noch mal jeden unter Druck zu sehen."

Ebert erzielt den Führungstreffer

Bei Sonnenschein und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt setzten die Dresdner vor (fast) leeren Rängen von Beginn an die Maxime von Kauczinski gut um: hinten sicher stehen und nach vorn zielstrebig spielen. Wie beim Führungstreffer: Linus Wahlqvist spielte den steilen Pass, Patrick Schmidt erwischte den Ball kurz vor der Grundlinie und brachte ihn im Fallen nach Innen, Patrick Ebert zog aus 14 Metern mit der Innenseite direkt ab - das 1:0 in der sechsten Minute. Genau so kann es funktionieren.

Der VfB, als Tabellendritter in der zweiten Liga auf Aufstiegskurs, ließ den Ball im Robert-Schlienz-Stadion neben der großen Carl-Benz-Arena zwar gut laufen, kam aber selten vors Dynamo-Tor. Erst in der 27. Minute musste Kevin Broll bei einem Schuss von Philipp Förster zum ersten Mal zupacken, kein Problem für den Keeper.

Florian Ballas spielt erstmals als Dynamo-Kapitän.
Florian Ballas spielt erstmals als Dynamo-Kapitän. © Herbert Rudel

Das lag nicht nur an der Abwehr um Florian Ballas, der vorher zum neuen Kapitän gewählt worden ist, sondern an der kollektiven und konzentrierten Defensivarbeit. Beispiel: Als Jannis Nikolaou im Strafraum ausrutschte, war Dzenis Burnic eher als der Stuttgarter am Ball (41.). Der Druck wurde zwar Mitte der ersten Hälfte größer, die Schwarz-Gelben kamen nur noch selten nach vorn. Trotzdem kam der VfB nicht zu klaren Chancen. Was die Effektivität betraf, war die Führung zur Pause durchaus verdient, zumal Ebert mit dem Halbzeitpfiff noch eine weitere Schusschance hatte (drüber).

Die Gastgeber wollten das natürlich nicht auf sich sitzen lassen, Gonzales setzte sich kurz nach Wiederanpfiff durch, scheiterte aber an Broll (47.). Wahlqvist klärte nach einer Ecke per Kopf vor der Linie (52.). Jetzt fehlte  etwas die Entlastung, der eingewechselte Ex-Nationalspieler Mario Gomez stand schließlich nach einer gelungenen Stuttgarter Kombination frei und traf zum 1:1 (67.). Kurz zuvor hatte Kauczinski fünfmal gewechselt, Dynamo war noch dabei, sich neu zu sortieren. 

Aufschlüsse für die Startelf gegen Karlsruhe

Kauczinski hatte zwar gesagt, dass die Startelf vom Test nicht identisch sein müsse mit der, die am Mittwochabend gegen den KSC beginnt. Allerdings wusste der Trainer da noch nicht, dass er in Stuttgart auf drei Spieler verzichten muss. Außer Marco Hartmann, der weiter an seinem Comeback arbeitet, fällt nun auch Kevin Ehlers mit einer Sprunggelenkverletzung länger aus. Dagegen könnte Josef Husbauer bis zum Start in die verbleibenden 16 Endspiele im Kampf um den Klassenerhalt wieder gesund werden. Der Neuzugang, ausgeliehen von Slavia Prag, musste wegen eines Infekts zu Hause bleiben und wird Anfang der Woche noch mal untersucht.

Wenn Husbauer dabei sein kann, führt an ihm - so hatte es Kauczinski bereits im Trainingslager gesagt - kein Weg vorbei. Um den zweiten Platz im defensiven Mittelfeld dürften sich Burnic und René Klingenburg bewerben. Beide konnten vor der Winterpause nicht überzeugen, doch allein von der Körpersprache und Entschlossenheit in den Aktionen machte vor allem Burnic einen anderen Eindruck.

Neuzugang Donyoh auf links

Lilian Egloff vom VfB Stuttgart hat in dieser Szene das Nachsehen gegen Godsway Donyoh.
Lilian Egloff vom VfB Stuttgart hat in dieser Szene das Nachsehen gegen Godsway Donyoh. © Herbert Rudel

Die anderen noch nicht fest vergebenen Positionen dürften die Außen sein, wobei links offensiv Neuzugang Marco Terrazzino gesetzt sein sollte. Auf der rechten Seite begann Sascha Horvath, der aber kaum ins Spiel kam. Godsway Donyoh, der bislang letzte Winter-Transfer und potenzielle Ersatz für Moussa Koné, saß zunächst auf der Bank, sein Name war per Hand auf die am Computer geschriebene Aufstellung nachgetragen worden. Nach seiner Einwechslung spielte der Ghanaer links, seine auffälligste Aktion war allerdings ein Foul an Roberto Massimo. Den Strafstoß verwandelte Hamadi Al Ghaddioui zum 2:1 für Stuttgart. 

Kauczinski sagte zum Debüt des Neuzugangs: "Nach vorne hatte er sehr gute Aktionen, da sieht man sein Talent. Nach hinten hat er den Elfmeter verschuldet. das war zu einfach, darf so nicht passieren. Er wird noch ein bisschen Zeit brauchen, sich an die Härte im Verteidigen zu gewöhnen."

Niklas Kreuzer vergab die Chance zum Ausgleich, scheiterte freistehend an VfB-Torwart Gregor Kobel (86.). Stattdessen erzielte Lilian Niclas Egloff mit dem Abpfiff das 3:1 für Stuttgart. Ein Rückschlag für den Kopf? Kauczinski: "Normalerweise wechsle ich nicht zehnmal in einem Spiel. Man muss sehen, dass es lange gut war und wir mit dem, was wir einsetzen und wie wir es machen, für jede Mannschaft gefährlich sein können. Es ist doch gut zu sehen, dass wir Potenzial haben für mehr und Jungs, die rein gekommen sind, sich noch strecken müssen."

In der Abwehrkette begannen Wahlqvist und Brian Hamalainen. Ein Indiz dafür, dass auch sie gute Karten haben: Kauczinski wechselte zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht, sondern erst nach einer Stunde - dann allerdings gleich auf fünf Positionen und bis zum Ende fast komplett durch. Der Konkurrenzkampf sei auf einigen Positionen enger als auf anderen, meinte der Trainer dazu ausweichend.

Unmittelbar nach der Partie ging es für die Dynamos zum Flughafen, 18.35 Uhr startete die Maschine zurück nach Dresden. "Einfacher kann man es gar nicht haben“, hatte Kauczinski den Test im mehr als 500 Kilometer entfernten Stuttgart verteidigt. "Wir sind 50 Minuten hin geflogen, hatten einen guten Platz mit Rasenheizung, fliegen wieder 50 Minuten zurück. Für mich ist der Auftrag dieses Testspiels auf jeden Fall erfüllt." Am Samstag laufen die Spieler individuell aus und lassen sich behandeln, dann beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf die Partie gegen Karlsruhe.

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Dynamo: Broll (72. Wiegers) - Wahlqvist (61. Kreuzer), Ballas (61. Müller), Nikolaou, Hamalainen (61. C. Löwe) - Klingenburg (72. Kulke), Burnic (77. J. Löwe) - Horvath (72. Möschl), Ebert (61. Atik), Terrazzino (61. Donyoh) - Schmidt (61. Jeremejeff).

SR: Reichel (Sindelfingen). Zu.: keine. Tore: 0:1 Ebert (6.), 1:1 Gomez (67.), 1:2 Al Ghaddioui (78./Foulelfmeter), 3:1 Egloff (90.).

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