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Ätsch Dynamo! Neuhaus steigt auf - und Dresden ab?

Der Ex-Trainer erfüllt sich mit Bielefeld einen Traum, während Dynamo kurz vorm Abstieg steht. War seine Entlassung vor knapp zwei Jahren ein Fehler?

Wenn sich Uwe Neuhaus in der Öffentlichkeit so ausgelassen zeigt, muss Großes passiert sein. Der Bundesliga-Aufstieg mit Bielefeld ist sicher.
Wenn sich Uwe Neuhaus in der Öffentlichkeit so ausgelassen zeigt, muss Großes passiert sein. Der Bundesliga-Aufstieg mit Bielefeld ist sicher. © dpa/Friso Gentsch

Dresden/Bielefeld. Das Scheppern des Bierkastens, der unter dem Gejohle von Spielern und Betreuern vor der Bielefelder Auswechselbank erst deponiert und dann zünftig geleert wurde, ist den Verlierern des Abends erspart geblieben. Der Mannschaftsbus von Dynamo Dresden war zu dieser Zeit, Montagabend, kurz nach 23 Uhr, schon auf dem Weg zum Flughafen im nahen Paderborn – und diese 0:4-Niederlage zuvor gegen den so gut wie sicheren Bundesliga-Aufsteiger ohnehin Demütigung genug.

„Ein perfekter Tag, das muss man wirklich sagen“, sagt Uwe Neuhaus und meint die 90 Minuten, die kaum deutlicher hätten zeigen können, wieso die einen die Tabelle in der 2. Fußball-Bundesliga so deutlich anführen – und die anderen mit ebenso großem Abstand am anderen Ende stehen jener Rangliste, die am aussagekräftigsten über die Leistungsfähigkeit einer Mannschaft urteilt. Die Tabelle nämlich, so geht eine der unerschütterlichen Fußballweisheiten, lügt nie!

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Dynamo trennt sich von Neuhaus im August 2018

Fakt ist also: Arminia Bielefeld steigt in die Bundesliga auf, was aber erst seit dem 1:1 des Hamburger SV am Dienstag gegen Osnabrück auch rechnerisch sicher ist und die Ostwestfalen deshalb am Tag zuvor zwar bereits feierten, Glückwünsche aber noch ablehnten. Fakt ist ebenfalls: Dynamo wird in die 3. Liga absteigen – wenn jetzt nicht das oft zitierte Fußball-Wunder geschieht. Bei drei noch ausstehenden Spielen haben die Dresdner fünf Punkte Rückstand auf die Konkurrenten, von denen zwei jetzt regelmäßig patzen müssten.

Die Tabelle verrät allerdings nicht alles. So groß jedenfalls ist der Handlungszwang im August 2018 nicht gewesen, dass sich Dynamo vom Trainer trennen musste. Ein Sieg und eine Niederlage sowie das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal beim Regionalligisten Rödinghausen standen zu Buche, als die Zeit von Uwe Neuhaus in Dresden vorbei war.

Stur. Hartnäckig. Kämpferisch. Die Tugenden, wie sie die Fans im leeren Bielefelder Stadion plakativ von der Mannschaft fordern, passen auch gut zum Trainer. Wobei Uwe Neuhaus vermutlich gerne noch zielstrebig, erfahren und gelassen hinzufügen möchte.
Stur. Hartnäckig. Kämpferisch. Die Tugenden, wie sie die Fans im leeren Bielefelder Stadion plakativ von der Mannschaft fordern, passen auch gut zum Trainer. Wobei Uwe Neuhaus vermutlich gerne noch zielstrebig, erfahren und gelassen hinzufügen möchte. © dpa/Friso Gentsch

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie oder, je nach Blickwinkel, eben auch Tragik, dass jener Neuhaus, der Dynamo nach seiner Amtsübernahme aus der 3. Liga führte, seinen Ex-Verein nun sehr wahrscheinlich in die Drittklassigkeit zurückgeschossen hat. Das eine (Dynamo Aufstieg im April 2015) wie das andere (der Sieg am Montagabend) gelang sehr souverän, abgeklärt und überzeugend. Dynamo hatte trotz zwei, drei eigener Möglichkeiten nie wirklich eine Chance, während Bielefelds Spiel wie ein Automatismus wirkte.

Klare Hierarchien und Abläufe, eine konkrete, offensiv ausgerichtete Spielidee und große mannschaftliche Geschlossenheit – oder um es mit den Worten von Marco Hartmann nach der 0:4-Pleite zu sagen, unter Neuhaus Dynamos Kapitän: „Bielefeld ist eine Mannschaft, wie wir es von Uwe kennen. Hier spielt jeder an seinem absoluten Limit. Und bei uns ist das natürlich gar nicht, wir sind genau auf der anderen Seite.“

Marco Hartmann ist nach dem Spiel sichtlich enttäuscht. Was in und die Mannschaft in Bielefeld erwartet, war dem dienstältesten Dynamo allerdings klar.
Marco Hartmann ist nach dem Spiel sichtlich enttäuscht. Was in und die Mannschaft in Bielefeld erwartet, war dem dienstältesten Dynamo allerdings klar. © dpa/Friso Gentsch

In Bielefeld hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren etwas entwickelt, was womöglich auch in Dresden hätte entstehen können. Die Anhänger der These, dass Dynamo mit einem Trainer Neuhaus (sowie seinem Co-Trainer Peter Nemeth) jetzt dort wäre, wo die Arminia steht, werden speziell im Dresdner Vereinsumfeld seit ein paar Monaten immer mehr – und immer lauter. In den Gedanken kann man sich natürlich schnell verlieben, obwohl auch Neuhaus seinen Anteil hatte an der plötzlichen, sich damals intern jedoch abzeichnenden Trennung.

Mit dem Abstand von knapp zwei Jahren lässt sich nun allerdings sagen: Was nach Neuhaus kam, wurde im Ergebnis immer schlechter. Zudem gibt es nicht wenige, die eine weitere These aufstellen: Hätte es den Burnout von Dynamos Sportchef Ralf Minge und dessen damit verbundene halbjährige Zwangspause im Frühjahr 2018 nicht gegeben, wäre Neuhaus vielleicht tatsächlich immer noch in Dresden, auf jeden Fall aber im Spätsommer 2018 nicht so Knall auf Fall entlassen worden.

Neuhaus erfüllt sich einen lange verfolgten Traum

Mit dem neuen Spiel- und Kommunikationsstil, der unter Minges Vertreter Kristian Walter und dem damals als Spielanalysten offiziell zum zweiten Co-Trainer beförderten Felix Schimmel im Kabinentrakt Einzug hielt, so heißt es, hatte nicht nur Neuhaus so seine Probleme.

Walther arbeitet inzwischen wieder in der zweiten Reihe als Chefscout, Schimmel wurde nach einer Saison stillschweigend zur Nachwuchsabteilung abgeschoben.

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Neuhaus erfüllt sich dagegen im Alter von 60 Jahren seinen lange verfolgten Traum von der Bundesliga, während Dynamo womöglich zurückgeworfen wird auf den Stand vor sechs Jahren. Mit einem gewichtigen finanziellen Unterschied: Aus fast zehn Millionen Euro Schulden sind gut zehn Millionen Euro auf der Habenseite geworden. Sportlich aber steht der nächste Neuaufbau bevor. So oder so.

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