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Wie Dynamo für die 3. Liga aufgestellt wäre

Steigen die Dresdner ab, hat nicht mal mehr eine Elf gültige Verträge. Eine Übersicht mit ersten Aussichten - und was Sportchef Ralf Minge dazu sagt.

Sportchef Ralf Minge (hinten rechts) verfolgt gemeinsam mit Aufsichtsrat Hans-Jürgen Dörner ein Dynamo-Training im Großen Garten. Wissen sie schon, welche Spieler bleiben sollen?
Sportchef Ralf Minge (hinten rechts) verfolgt gemeinsam mit Aufsichtsrat Hans-Jürgen Dörner ein Dynamo-Training im Großen Garten. Wissen sie schon, welche Spieler bleiben sollen? © Lutz Hentschel

Dresden. Das Gefühlspendel schlägt derzeit bei Dynamo mächtig aus. Erst schien der Abstieg bereits besiegelt zu sein, nun ist nach dem Auswärtssieg in Regensburg die Hoffnung zurück. Und das gerade rechtzeitig zum sowieso emotionsgeladenen Sachsenderby gegen den Erzrivalen aus Aue am Sonntag. Mit einem Heimsieg könnten die Dresdner, sofern die Konkurrenz mitspielt, also gleichzeitig ihre Spiele verliert, bereits auf den Relegationsplatz springen.

Allerdings erschwert der Kampf um den Verbleib in der zweiten Liga bereits die Planung für die nächste Saison. Die muss – wie in den vergangenen Jahren auch – zweigleisig erfolgen, also auch für den schlimmsten anzunehmenden Unfall: den erneuten Rückfall in die 3. Liga nach 2006 und 2014. Darauf scheint Dynamo nach jetzigem Stand personell unzureichend vorbereitet zu sein. 

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Minge betont: Wir sind vorbereitet

Sportgeschäftsführer Ralf Minge hält jedoch dagegen: „Wir sind mit unseren Planungen selbstverständlich auch auf dieses Szenario vorbereitet und haben somit eine andere Ausgangssituation als im Jahr 2014", erklärt der 59-Jährige. Damals war bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Mannschaft mit dem Abstieg vertragslos, was durchaus als Chance für den Neustart begriffen wurde. Jetzt lässt sich das schwieriger beurteilen, denn der Verein hat zuletzt bei Neuzugängen immer öfter geheimgehalten, für welche Ligen deren Verträge gelten.  

Aus den bekannten Daten geht allerdings hervor, dass einige Profis zwar für die Bundesliga, aber nicht für die 3. Liga gebunden wären.  Das trifft zum Beispiel auf Kapitän Florian Ballas, Linus Wahlqvist, Niklas Kreuzer, Baris Atik und sicher auch Jannik Müller zu, der im vorigen Sommer nur unter der Bedingung bis Juni 2021 verlängert hat, einen höheren Stellenwert zu bekommen. 

Daraufhin hatte ihn Ex-Trainer Maik Walpurgis in den Mannschaftsrat berufen, dessen Nachfolger Cristian Fiel sogar zu einem von vier Kapitänen bestimmt. Doch unter dessen Nachfolger Markus Kauczinski spielte der 26-Jährige schon vor seiner Leistenoperation keine Rolle. Ob er bleiben würde, erst recht nach einem Abstieg, ist also mehr als fraglich.

Bleiben Wiegers und Hartmann?

Des Weiteren laufen einige Verträge aus wie die von Patrick Ebert und Brian Hamalainen, der zwar eine Option beinhaltet, aber eben auch nur für die ersten beiden Ligen gilt. Der erfahrene Däne, der 2018 von Zulte Waregem aus Belgien nach Dresden kam, ist inzwischen wieder Stammspieler und dürfte seine sportliche Zukunft kaum in der Drittklassigkeit sehen. Das trifft vermutlich auch auf Alexander Jeremejeff sowie Chris Löwe zu, den namhaftesten Neuzugang im vorigen Sommer.

Immerhin hat der in Plauen geborene Verteidiger für Borussia Dortmund in der Bundesliga und bei Huddersfield Town in der englischen Premier League gespielt. Auch mit dann 31 Jahren dürfte Löwe andere Optionen als Liga drei haben, zumal er bei Dynamo bisher nicht die tragende Rolle spielt, für die er geholt wurde. Genauso schwierig dürfte es werden, Kevin Broll zu halten, obwohl der Torwart aus Großaspach sozusagen von unten gekommen ist. Für den 24-Jährigen war der Wechsel in Liga zwei der nächste, folgerichtige Schritt, sein Leistungsvermögen bestätigt er.

Patrick Wiegers hätte einen Vertrag für die 3. Liga, allerdings nur bis Ende Juni. Als er vor nun fast drei Jahren bewusst als Ersatztorwart unterschrieben hat, erschien das wie ein vorzeitiges Karriereende. Doch durch die Art, wie der jetzt 29-Jährige diese Rolle annimmt, und seine beharrliche Arbeit hat er sich den Status als Nummer zwei zurückerkämpft und zum Ende der Vorsaison den abwanderungswilligen Markus Schubert ersetzt. Seine Frau Stephanie ist Dresdnerin, Tochter Lia jetzt ein halbes Jahr alt. Es erscheint also aussichtsreich, ihm ein neues Angebot zu unterbreiten.

Fotostrecke: Dynamo-Spieler mit auslaufendem Vertrag

Für Josef Husbauer besitzt Dynamo eine Kaufoption. Der Tscheche ist von Slavia Prag ausgeliehen.
Für Josef Husbauer besitzt Dynamo eine Kaufoption. Der Tscheche ist von Slavia Prag ausgeliehen. ©  dpa/Robert Michael
Ob Ondrej Petrak, hier im Duell mit dem Bochumer Anthony Losilla (l.), auch in der kommenden Saison das schwarz-gelbe Trikot tragen wird, ist noch offen. Auch für den 27-Jährigen besitzt Dynamo eine Kaufoption.
Ob Ondrej Petrak, hier im Duell mit dem Bochumer Anthony Losilla (l.), auch in der kommenden Saison das schwarz-gelbe Trikot tragen wird, ist noch offen. Auch für den 27-Jährigen besitzt Dynamo eine Kaufoption. © dpa-Zentralbild
Marco Terrazzino wurde im Winter von Bundesligist  Freiburg ausgeliehen. Für den 28-Jährigen besitzt Dynamo keine Kaufoption.
Marco Terrazzino wurde im Winter von Bundesligist  Freiburg ausgeliehen. Für den 28-Jährigen besitzt Dynamo keine Kaufoption. © dpa/Robert Michael
Sowohl bei Simon Makienok (l.) als auch bei Dzenis Burnic ist es noch fraglich, ob sie über den Sommer hinaus in Dresden bleiben. 
Sowohl bei Simon Makienok (l.) als auch bei Dzenis Burnic ist es noch fraglich, ob sie über den Sommer hinaus in Dresden bleiben.  © dpa
Winter-Leihgabe Godsway Donyoh kämpft um den Ball. Sein Engagement bei Dynamo gilt nur bis zum 30. Juni 2020. 
Winter-Leihgabe Godsway Donyoh kämpft um den Ball. Sein Engagement bei Dynamo gilt nur bis zum 30. Juni 2020.  © dpa
Patrick Ebert spielt seit 2018 für Dynamo. Nach zwei Jahren könnte nun Schluss sein.
Patrick Ebert spielt seit 2018 für Dynamo. Nach zwei Jahren könnte nun Schluss sein. © Lutz Hentschel
Marco Hartmann stieg bereits 2014 mit Dynamo ab. Tut er sich das ein zweites Mal an oder wechselt er noch einmal den Verein?
Marco Hartmann stieg bereits 2014 mit Dynamo ab. Tut er sich das ein zweites Mal an oder wechselt er noch einmal den Verein? © Robert Michael/dpa
Patrick Schmidt  jubelt über seinen Treffer zum 1:1 gegen Regensburg. Für den 26-Jährigen besitzt Dynamo eine Kaufoption, falls man den Klassenerhalt schafft.
Patrick Schmidt  jubelt über seinen Treffer zum 1:1 gegen Regensburg. Für den 26-Jährigen besitzt Dynamo eine Kaufoption, falls man den Klassenerhalt schafft. © dpa
Torwart Tim Boss kam bei Dynamo Dresden nie über die Reservistenrolle hinaus. Ein Wechsel im Sommer ist wahrscheinlich.
Torwart Tim Boss kam bei Dynamo Dresden nie über die Reservistenrolle hinaus. Ein Wechsel im Sommer ist wahrscheinlich. © Lutz Hentschel
Brian Hamalainen genießt das kalte Wasser in der Eistonne. Ob er auch in Zukunft Dynamo-Klamotten tragen wird, entscheidet sich in den nächsten Monaten. 
Brian Hamalainen genießt das kalte Wasser in der Eistonne. Ob er auch in Zukunft Dynamo-Klamotten tragen wird, entscheidet sich in den nächsten Monaten.  © Lutz Hentschel
Max Kulke kam bei Dynamo bisher nur zu Kurz-Einsätzen.
Max Kulke kam bei Dynamo bisher nur zu Kurz-Einsätzen. © ZB
Torwart Patrick Wiegers hätte einen Vertrag für die 3. Liga, allerdings nur bis Ende Juni.
Torwart Patrick Wiegers hätte einen Vertrag für die 3. Liga, allerdings nur bis Ende Juni. © Lutz Hentschel

Das könnte auch für Eigengewächs Max Kulke gelten, der bisher sieben, meist kurze Einsätze in der 2. Bundesliga hatte. Auf erst sechs bringt es Marco Hartmann in dieser Saison. Angesichts seiner Verletzungshistorie erscheint eine Weiterbeschäftigung unwahrscheinlich, ausgeschlossen wäre sie aber gerade für einen notwendigen Neuaufbau jedoch nicht. „Ich kann mir alles vorstellen, vor allem Dresden und auch 3. Liga“, hat der Ex-Kapitän im Gespräch mit der SZ gesagt. Mit Sportgeschäftsführer Ralf Minge habe er sich aber angesichts der komplizierten Lage darauf verständigt, später miteinander zu reden.

Bisher nur sieben Spieler für die 3. Liga?

Nach derzeitigem Stand hat Dynamo für den Fall der Fälle nur Sascha Horvath, Jannis Nikolaou und Justin Löwe (alle bis 2021), vermutlich René Klingenburg (2022) und Osman Atilgan (2021) sowie die Nachwuchsspieler Simon Gollnack und Randsford-Yeboah Königsdörfer über diese Saison hinaus für Liga drei gebunden. Das dürfte auch für den derzeit verletzten Kevin Ehlers gelten, an dem Bundesligisten interessiert sein sollen. Eine Ausstiegsklausel hat das 19 Jahre alte Abwehrtalent nicht in seinem bis 2023 gültigen Vertrag.

Wiederkommen könnten die Leihgaben Luka Stor (im Winter zu Aluminij nach Slowenien zurück) und Matthäus Taferner (Wacker Innsbruck), sofern ihre Verträge auch im Abstiegsfall gültig sind. Das möchte der Verein bei einigen Profis nicht bekannt geben, auch um vorzeitigen Angeboten vorzubeugen. Allerdings dürften sich Abwerbeversuche nicht vermeiden lassen, zumal andere Klubs sicher planen können.

Vertrag von Ralf Minge endet - was wird mit ihm?

Jetzt gelte die volle Konzentration und ganze Kraft erst einmal dem Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga, betont Minge. "So lange es rechnerisch möglich ist, wird jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter bei Dynamo Dresden alles dafür tun, um mit dem Klassenerhalt unser Ziel in dieser Saison zu erreichen.“

Wenn das gelingt, hätte Dynamo plötzlich ganz andere Möglichkeiten. Für vier der sechs Winter-Neuzugänge hat sich der Verein eine Kaufoption gesichert. Josef Husbauer, Ondrej Petrak, Patrick Schmidt und Godsway Donyoh könnten also über diese Saison hinaus gebunden werden. Mit Simon Makienok müsste neu verhandelt werden, bei Marco Terrazzino hat der SC Freiburg das Sagen. Dzenis Burnic ist von Dortmund ebenfalls nur ausgeliehen.

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Es könnte dennoch ein turbulenter Sommer werden, zumal die wichtigste Personalie nach wie vor ungeklärt ist: Was wird mit Minge selbst? „Ich hänge an dem Verein, nicht an dem Posten“, hat der Sportchef vor der Partie in Regensburg wiederholt. Sein Vertrag endet mit der Saison, der Aufsichtsrat muss über seine Zukunft entscheiden - oder diese Entscheidung ihm überlassen. Aber die Planung für die nächste darf nicht erst dann beginnen.

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