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Dynamo und die Folgen nach dem Knall

Die Freude über den Sieg im Kellerduell wird von einem Zwischenfall getrübt. Dynamo sucht Zeugen, die Polizei ermittelt.

Von Daniel Klein
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Dynamo-Torwart Kevin Broll erkundigt sich bei seinem Kollegen Lukas Watkowiak, ob nach dem lauten Knall alles in Ordnung ist.
Dynamo-Torwart Kevin Broll erkundigt sich bei seinem Kollegen Lukas Watkowiak, ob nach dem lauten Knall alles in Ordnung ist. © www.imago-images.de

Es war der Tiefpunkt im Abstiegskrimi, dabei hatte Alexander Jeremejeff gerade die 1:0-Führung für Dynamo gegen den SV Wehen Wiesbaden und damit das einzige Tor des Abends erzielt. Doch unmittelbar danach wurden im K-Block, wo die Ultras und die besonders stimmgewaltigen Anhänger stehen, Bengalos gezündet. Dann explodierte wenige Meter neben Wehens Torhüter Lukas Watkowiak auch noch ein Böller. Der Keeper hielt sich minutenlang sein linkes Ohr, musste behandelt werden, der Schiri erkundigte sich bei ihm, die Partie stand kurz vor dem Abbruch.

Auch auf den Rängen wurde es unruhig. Offensichtlich wollte sich der Böllerwerfer in den benachbarten J-Block absetzen und dort verstecken, was misslang, weil ihn Anhänger der aktiven Fan-Szene verfolgten und stellten. Ein Selbstreinigungsprozess also, was so bemerkenswert wie löblich ist.

Allerdings soll der Verdächtige dabei leichte Verletzungen davongetragen haben. Ob es sich tatsächlich genauso abgespielt hat, ist jedoch noch nicht ganz klar. „Das können wir so nicht bestätigen, da uns darüber bisher keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen“, erklärte Dynamos Geschäftsführer Michael Born auf SZ-Nachfrage. Die Dresdner Polizei teilte am Sonntag lediglich mit, dass es im Zusammenhang mit dem Spiel zwei Leichtverletzte gab – der eine ist Wehens Torhüter.

Fest steht dagegen, „dass im Zusammenhang mit einem Böllerwurf noch während der Partie ein Tatverdächtiger von der Polizei identifiziert“ wurde, so Born. „Dabei wurden auch die Personalien des Verdächtigen festgestellt. Die Beweisführung obliegt jetzt den Ermittlungsbehörden. Wir bitten alle Menschen, die als Zeugen Angaben zum potenziellen Böllerwerfer machen können, sich bei der Dresdner Polizei zu melden.“ Während der Pyro-Zündeleien sowie der anschließenden Rangeleien filmten und fotografierten die Beamten das Geschehen auf den Rängen ausführlich.

Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann hatte sich bereits bei der Pressekonferenz direkt nach dem Spiel beim SV Wehen für den Böllerwurf entschuldigt und für die Fairness und den Sportsgeist von Watkowiak gedankt, der trotz offensichtlicher Hörbeschwerden weiterspielte und dadurch einen möglichen Spielabbruch verhinderte. „Das wäre dann die Krönung gewesen“, meinte Dynamos Torhüter Kevin Broll, der direkt nach dem Vorfall zu seinem Kollegen geeilt war und sich bei ihm erkundigt hatte, ob alles okay sei. „Ich bin froh, dass es ihm so weit gut geht“, sagte Broll. Auch dem K-Block stattete er kurz einen Besuch ab und machte mit wilden Gesten klar, dass die Zündler mit dem Unsinn aufhören sollen.

Pyro schon bei der Erwärmung

Mit dem Böllerwurf sei eine Grenze überschritten wurden, erklärte Buschmann und sprach von einem Einzeltäter. Bedenklich ist jedoch, dass nach langer Zeit wieder im Heimbereich des Rudolf-Harbig-Stadion Bengalos außerhalb einer Choreografie abgebrannt wurden – und das auch schon bei der Erwärmung der Mannschaften vor dem Spiel. Das heizte die Stimmung beim ohnehin brisanten Kellerduell zusätzlich an. Ob sie hilfreich waren für die nach der Niederlagenserie verunsicherten Dynamo-Spieler, ist zumindest fraglich.

Buschmann kündigte zudem an, dass der Verein „mit aller Konsequenz gegen den Tatverdächtigen vorgehen“ werde. Vermutlich wird der Verein versuchen, zumindest einen Teil der zu erwartenden Geldstrafe durch das DFB-Sportgericht gegen ihn geltend zu machen.

Es dürfte nicht die einzige Strafe sein, die den Zündler erwartet. Die Polizei bestätigte der SZ, dass eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung vorliegt. „Der Geschädigte ist dabei der Torhüter des SV Wehen Wiesbaden“, erklärte ein Sprecher. Wer der Absender der Anzeige ist, konnte er jedoch nicht sagen. Möglich ist, dass sie von Amts wegen gestellt wurde oder aber von Watkowiak.

Der DFB-Kontrollausschuss wird Ermittlungen aufnehmen und beim Strafmaß womöglich auch die Zündeleien beim Pokal-Zweitrundenspiel vor zwei Wochen gegen Hertha BSC einbeziehen. Rechnen die Fußballjuristen beides zusammen, könnte es richtig teuer werden