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Dynamo fühlt sich um Sieg gebracht

Dominic Baumann bereitet das Führungstor vor, doch dann sieht der Stürmer die Rote Karte – es ist der Knackpunkt.

© Fotostand/Wedel

Von Sven Geisler, Münster

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Stefan Böger fällt das Sprechen schwer. Nicht etwa, weil Dynamos Trainer nichts zu sagen hätte. Er fürchtet jedoch, dass er die falschen Worte wählen könnte. Die Enttäuschung sitzt tief, und die Zeit zwischen Abpfiff und Pressekonferenz nach dem Spitzenspiel bei Preußen Münster war zu kurz, als dass der Ärger schon verraucht wäre. Deshalb fasst er sich kurz, um sich nicht in Rage zu reden, spricht lediglich von einer „im Zustandekommen bitteren Niederlage“. Es ist klar, was er meint, ohne dass Böger die Rote Karte für Dominic Baumann anspricht.

Dynamo verliert gegen Münster

Es ist die Schlüsselszene, der Knackpunkt, auch weil Bögers Konzept mit dem Eingriff von Schiedsrichter Michael Weiner nicht mehr aufgeht. Nach einer umkämpften, aber spielerisch schwachen ersten Halbzeit ohne eine Torchance für Dynamo bringt der Chefcoach mit eben jenem Baumann einen zweiten Stürmer. Nur fünf Minuten später zahlt sich der Mut zum Risiko aus, weil der Eingewechselte den Ball behauptet und auf Sylvano Comvalius ablegt. Der Niederländer zieht aus 17 Metern ab.

Gleich der erste Schuss ist ein Treffer, bringt die Führung. Dennis Erdmann fehlen bei seinem Kopfball nach Freistoß von Niklas Kreuzer nur wenige Zentimeter zur möglichen Vorentscheidung. Stattdessen verlieren die Schwarz-Gelben in Unterzahl.

Das Dynamo-Zeugnis: Starke Außenverteidiger

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Patrick Wiegers

Bei den Gegentoren machtlos, ansonsten eher als aufmerksamer Mitspieler gefordert und stets rechtzeitig am Ball. Ärgerlicher Nachmittag. Note 3

Sinan Tekerci

Die Szene in der Nachspielzeit, als er im Sprinttempo den Konter fährt, charakterisiert ihn: immer volle Pulle, niemals aufgeben. Note 2

Michael Hefele

Im Abwehrzentrum mit der Lufthoheit, starker Zweikämpfer, im Spielaufbau nicht immer passsicher. Bringt sich in die Schlussoffensive ein. Note 3

Jannik Müller

Abgeklärt im Zweikampfverhalten klärt er mehrere Situationen, bevor sie brenzlig werden können. Ein Stellungsfehler wird sofort bestraft beim 1:2. Note 3

Niklas Kreuzer

Eine kampfstarke Leistung des Rechtsverteidigers, der zudem durchaus gefährlich Standards schlägt. Empfehlung für den Stammplatz. Note 2

Quirin Moll

Noch lange nicht wieder in der Form vor seiner Verletzung, bekommt aber zumindest in Hälfte zwei mehr Zugriff aufs Spiel. Note 4

Dennis Erdmann

Als Abräumer vor der Abwehr eine gute Wahl, aber zu Lasten der spielerischen Komponente. Fehlt nach zehnter Gelber Karte gegen Erfurt. Note 3

Furhgill Zeldenrust

Wenige Lichtblicke bei seinem Startelf-Debüt. Ungeschicktes Zweikampfverhalten, verbesserungswürdiges Stellungsspiel, mangelnder Antritt. Note 4

Luca Dürholtz

Nach seinen Knieproblemen fit genug für die Startelf? Blieb vor der Pause blass und nach der taktischen Umstellung auf außen genauso wirkungslos. Note 5

Jim-Patrick Müller

Von null auf hundert? Das klappt bei allem Bemühen nicht. Nach dem Ausfall von Eilers in der Startelf, aber mit akuten Bindungsproblemen. Note 4

Sylvano Comvalius

Hadert in der ersten Hälfte mit den unpräzisen langen Bällen, beendet dann seine Torflaute – und kann sich nicht freuen. Note 3

Dominic Baumann

Tor super vorbereitet, zu Unrecht Rot gesehen. Eine sachliche Bewertung ist deshalb unmöglich.

Tobias Müller

Hatte noch zwei, drei halbe Aktionen. Bemüht. Note 3

Cristian Fiel

Nicht zu bewerten. (SZ/-ler)

1 / 15

Michael Hefele, amtierender Kapitän, meint: „Zu elft hätten wir es wahrscheinlich über die Bühne gebracht.“ Es bleibt hypothetisch. Die ersatzgeschwächte Mannschaft, in der unter anderem Justin Eilers, Marvin Stefaniak und Nils Teixeira fehlen, stemmt sich gegen die Angriffswucht des Tabellenzweiten. Vergeblich. Marcel Reichwein steht am langen Pfosten frei, Rogier Krohne entkommt der Abseitsfalle – Münster gewinnt 2:1; zwar nicht unverdient, aber umstritten.

Den Platzverweis findet nur einer berechtigt: Ralf Loose, der nach Dynamo 2011 nun als Trainer die Preußen in die zweite Liga führen will. „Das war vor toller Kulisse ein toller Sieg, ein guter Auftakt“, fasst er die hektische Partie aus seiner Sicht treffend zusammen. Nach Dresdner Lesart hört sich die Analyse naturgemäß anders an, denn die tapferen Verlierer hadern mit der aus ihrer Sicht wegweisenden Entscheidung des Unparteiischen.

Es sah so aus, als hätte Weiner kurz überlegt, sich dann aber für Rot statt Gelb entschieden. „Was er da gesehen hat, würde ich ihn gern fragen. Aber du kannst ja heutzutage mit keinem mehr reden“, sagt Torwart Patrick Wiegers, der das allzu strenge Urteil „überhaupt nicht nachvollziehen“ kann. Es war nicht die einzige strittige Entscheidung des Bundesliga-Referees aus dem niedersächsischen Ottenstein, aber die weitreichendste: gegen Dynamo und vor allem gegen Baumann.

Minge spricht Baumann Mut zu

Der 19-Jährige war nach verheißungsvollen Einsätzen zu Saisonbeginn seit Monaten hintendran, wurde bestenfalls für die Schlussphase eingewechselt, um Zeit zu schinden. Doch diesmal sollte er etwas zeigen, die Offensive beleben. Es hätte sein Nachmittag werden können, denn wie er das Führungstor vorbereitet, das ist fußballerisch große Klasse.

Deshalb denkt Sportvorstand Ralf Minge zuerst an Baumann. „Es geht jetzt darum, dem Dominic Mut zuzusprechen. Er war gut drin, hat das Tor vorgelegt. Auf diese Chance hatte er lange gewartet.“ Nun wird er mindestens für die Partie gegen Erfurt gesperrt, einen Freispruch sieht das Sportgericht bei einer Tatsachenentscheidung nicht vor, auch wenn das Foul weder Absicht noch böse war. Eine Verwarnung wäre ein angemessenes Strafmaß gewesen, aber Weiner sah es anders. „Wenn man das in Relation setzt zu anderen Sachen, die auf dem Platz passiert sind, ist das ein Witz“, meint Minge, aber er weiß natürlich: „Die Emotionen kochen hoch, trotzdem wird der Schiedsrichter seine Entscheidung nicht zurücknehmen.“

Nach den Wutausbrüchen sind sich deshalb auch alle einig, das Erlebte so schnell wie möglich abzuhaken und sachlich einzuordnen. Die eigenen Fehler – „Davon haben wir einige gemacht“, sagt Minge. – genauso wie die positiven Erkenntnisse. Die gab es nämlich trotz der fünften Saisonniederlage. „Ergebnisse sind das eine“, erklärt der Sportchef, „aber wichtiger ist es, wie sich die Mannschaft als Mannschaft präsentiert, Ausfälle kompensiert, der eine oder andere sogar während des Spiels eine Schippe zulegt.“

So hat Dynamo die Chance zum Ausgleich. Sinan Tekerci fehlt nach seinem Vollspeed-Solo in der Nachspielzeit die Übersicht. Er passt auf den mitgestürmten Abwehrchef Hefele, während Tobias Müller rechts auf das Anspiel wartet. „Die Jungs haben alles probiert, sich nicht ergeben“, sagt Cristian Fiel, der nach Erkältung erst in der Schlussphase eingewechselt wird.

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