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Dynamo feiert verrückten Derby-Sieg

Zur Halbzeit liegen die Dresdner in Aue mit 0:1 zurück. Doch Trainer Cristian Fiel greift ein  - und seine Wechsel zeigen Wirkung.

Selbst Lucas Röser (l.), der Torschütze zum 1:1, kommt zum Jubel über das 2:1 duch Justin Löwe, der für ihn eingewechselt wurde, zurück aufs Feld gelaufen.
Selbst Lucas Röser (l.), der Torschütze zum 1:1, kommt zum Jubel über das 2:1 duch Justin Löwe, der für ihn eingewechselt wurde, zurück aufs Feld gelaufen. ©  dpa/Robert Michael

Dynamo erst brasilianisch, dann mit Wucht: Die Dresdner drehen im Sachsenderby bei Erzgebirge Aue einen Rückstand und feiern mit dem 3:1 (0:1) den ersten Sieg im Jahr 2019. Mit einem Hackentrick-Tor sorgt zunächst Lucas Röser für den Ausgleich, dann haut der eingewechselte Justin Löwe aus 17 Metern an die Kugel und trifft, es war erst sein zweiter Einsatz bei den Profis, beim ersten Mal hatte der 22-Jährige in der Hinrunde gegen Sandhausen eine Minute gespielt. Vorige Saison war er noch an den FC Oberlausitz in Neugersdorf ausgeliehen, auf einmal ist er der Derby-Held. Und in der Nachspielzeit macht Erich Berko den Deckel drauf.

Doch der Reihe nach.

Es dauert keine 45 Sekunden, bis Pascal Testroet zum ersten Mal den Ball in Richtung Dresdner Tor bringt, spektakulär dazu: Sein Fallrückzieher geht jedoch knapp vorbei. „Es ist mir relativ egal, gegen wen ich spiele“, hatte Dynamo-Verteidiger Florian Ballas vorher gesagt. „Ich weiß um die Stärken von Paco, aber er kennt auch meine. Von daher wird er leider seine Torserie nicht fortsetzen können.“ Damit sollte er zwar recht behalten, aber was nutzt es, wenn die Zuordnung nicht stimmt und plötzlich ein anderer freisteht?

Um die Nummer eins – in Liga zwei

Die Dresdner haben gerade etwas besser ins Spiel gefunden. Jannik Müller erzwingt mit dem ersten Abschluss einen Eckball, den Baris Atik auf den kurzen Pfosten bringt. Beim Kopfball von Berko steht jedoch Filip Kusic im Weg (17.). Den zwar entschlossen, aber doch zu schwach ausgeführten Schuss von Rico Benatelli fängt FCE-Torwart Martin Männel unaufgeregt sicher weg (18.). Es passiert wenig Aufregendes in diesem Sachsenderby, das im Vorfeld traditionell ein bisschen zu hoch gespielt wird. „Wenn wir das tun“, sagt der Stadionsprecher vor dem Anpfiff und meint natürlich einen Auer Sieg, „können wir zeigen, wer die Nummer eins in Sachsen ist.“ In Liga zwei kämpfen beide um den Klassenerhalt. Das Stadion war nicht einmal ausverkauft. Die noch verfügbaren Karten hat Aue am Spieltag zurückgehalten, damit sie nicht an Dynamo-Fans gehen.

Die Erzgebirger machen von Anfang an einen etwas gefährlicheren Eindruck, was auch daran liegt, dass Dynamos Schlussmann Markus Schubert mal für zusätzliche Spannung sorgt, indem er zum Beispiel an die Strafraumgrenze eilt, um einen Flankenball wegzufausten. Zum Glück erwischt er ihn gerade noch vor der Linie, hinter der sein Privileg endet, mit der Hand spielen zu dürfen (13.). Bei der Bogenlampe von Jan Hochscheidt lenkt er den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte (30.).

Da führen die Gastgeber aber schon, weil sich nach der Eingabe von Philipp Riese keiner zuständig fühlt für Philipp Zulechner. Der Österreicher, als vereinsloser Profi in der Winterpause von Aue verpflichtet, erzielt sein zweites Tor für die „Veilchen“ (27.). Dynamo wehrt sich, aber außer Atik mit seinem Distanzschuss stellt kein Dresdner Männel auf die Probe (43.).

In den gut zwei Wochen seit dem 1:1 im Ost-Duell gegen den 1. FC Magdeburg hatte Fiel daran gearbeitet, mit der Mannschaft seine Spielidee umzusetzen. „Die Jungs haben gut gearbeitet, mussten an ihre Grenzen gehen“, sagte er – und meinte vorab: „Alles andere wird man am Abend sehen.“ Der Trainer hatte die Startelf gleich auf sieben Positionen verändert, drei waren durch die Gelb-Sperren von Niklas Kreuzer und Jannis Nikolaou sowie die Verletzung von Patrick Ebert notwendig geworden. Überraschend saßen aber Moussa Koné und Haris Duljevic auf der Bank, während Röser und Berko das Angriffsduo bildeten.

Die Aufstellung kam der vom Testspiel gegen Augsburg (1:2) sehr nahe, als Fiel seiner Mannschaft ein richtig gutes Spiel attestierte. Dort habe sie viel von dem umgesetzt, was er sehen will. Das werde auch in Aue nötig sein. „Dann haben wir eine große Möglichkeit, dieses Spiel zu gewinnen. Aber nur dann“, sagte Fiel. Zur Pause muss er jedoch neue Lösungen finden. Eine ist Duljevic, der für Benatelli kommt: ein offensiver für einen defensiven Mittelfeldspieler. Die Richtung ist also klar.

Duljevic hat die zündende Idee

Und es dauert nicht lange, bis sich das auszahlt. Duljevic steckt den Ball auf Linus Wahlqvist durch, der ihn zu Röser bringt. Wie schon in den ersten beiden Spielen unter Cheftrainer Fiel hat Dynamo einen Rückstand ausgeglichen. Diesmal soll es aber mehr sein. Jetzt spielen sie, wie von einer Last befreit. Wieder Wahlqvist, wieder Röser, diesmal per Kopf – knapp drüber (58.). Es ist zu Beginn der zweiten Hälfte deutlich mehr Feuer im Spiel, und das nicht wegen der paar Fackeln, die im Dynamo-Fanblock leuchten oder des „Scheiß-Dynamo“-Transparentes der Auer Anhänger. Die übliche Folklore.

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