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Dynamo, willkommen im Abstiegskampf

Noch ist die Lage nicht dramatisch, die Tendenz aber besorgniserregend. Nun droht der Sturz auf Platz 14.

Nicht zu fassen. Brian Hamalainen und Dynamo haben einen Fehlstart in die Restrückrunde hingelegt.
Nicht zu fassen. Brian Hamalainen und Dynamo haben einen Fehlstart in die Restrückrunde hingelegt. © dpa/Sebastian Kahnert

Es wirkt noch immer komfortabel. Neun Punkte trennen Dynamo von einem Abstiegsplatz, die Aufstiegs-Relegation ist nur zwei Zähler weiter entfernt. Die Dresdner müssen sich kurzfristig nicht vor dem Gespenst fürchten und mittelfristig auch nicht die rote Laterne übernehmen. Als Tabellenzehnte liegen sie seit Weihnachten im Niemandsland der zweiten Liga. Alles gut also?

Keinesfalls. Der Abstand zum Keller ist zwar weiterhin beruhigend, Sorge macht jedoch die Tendenz. Und die spricht eindeutig gegen die Schwarz-Gelben. Von den vergangenen sechs Spielen haben sie nur eins gewonnen und vier verloren – das ist mehr als eine Ergebnisdelle. Sören Gonther kennt die Zahlen, darauf angesprochen reagiert er ein wenig gereizt. „Ich denke, wir sollten die Saison abbrechen. Es macht keinen Sinn mehr, weiterzuspielen“, erklärte der 32-Jährige nach dem 0:1 in Heidenheim. Nach einem kurzen Luftholen hatte der Verteidiger dann einen konstruktiveren Ansatz gefunden: „Wir wissen alle, dass mit 25 Punkten noch keiner in der Liga geblieben ist. Aber wir lassen uns nicht wegen zwei Spielen, die wir beide hätten nicht verlieren müssen, die ganz große Krise einreden.“

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Spielerisch steckt Dynamo auf keinen Fall in der Krise. Gegen Bielefeld konnte die Mannschaft in der ersten Halbzeit überzeugen, die 90 Minuten von Heidenheim waren zumindest solide. Für einen Punkt hat das in beiden Fällen jedoch nicht gereicht. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern vor allem schlecht fürs Selbstvertrauen. „Das waren“, gestand Gonther, „zwei Schläge binnen vier Tagen, die man erst einmal verarbeiten muss.“ Florian Ballas, sein Nebenmann in der Abwehrreihe, hat „einige Baustellen im Kopf“ ausgemacht.

Welche das genau sind, verriet er nicht, der Verdacht liegt jedoch nahe, dass man sich angesichts des Abstandes zum Tabellenkeller in einer Komfortzone wähnt. Davor warnt Trainer Maik Walpurgis vehement. „In dieser Liga darf sich niemand sicher sein. Wir werden dafür sorgen, dass wir nicht glauben, wir hätten alles in trockenen Tüchern und könnten das jetzt so runterspielen“, erklärt er, gibt aber gleichzeitig Entwarnung: „Ich glaube nicht, dass das der Fall ist.“

Schubert rät: Nicht auf die Tabelle gucken

Ballas betont ebenfalls, dass sich „niemand auf den Punkten ausruhen kann, die man bisher gesammelt hat“. Genau davon zehrt Dynamo aber gegenwärtig, hat nur deshalb seinen Tabellenplatz trotz der beiden Niederlagen nach der Winterpause verteidigt. Allerdings ist der einst komfortable Vorsprung auf die direkten Verfolger so gut wie weg. Bei einer weiteren Niederlage am kommenden Montag gegen den Spitzenreiter HSV könnten die Dresdner im ungünstigsten Fall bis auf Platz 14 stürzen. Dann würde die Ergebniskrise auch in der Tabelle sichtbar werden.

Das Duell beim Absteiger kommt in der gegenwärtigen Phase andererseits nicht ungelegen, weil es den Druck von der Mannschaft nimmt. „In Hamburg haben wir gar nichts zu verlieren“, betont Ballas. „In der Vergangenheit haben wir oft gezeigt, dass wir gegen Mannschaften, die von oben gekommen sind, unsere besten Spiele gemacht haben.“ Das wäre diesmal besonders wichtig. Die Rückrunde der vergangenen Saison, als der Klassenerhalt erst am letzten Spieltag perfekt war, ist noch in unguter Erinnerung. Einen erneuten nervenaufreibenden Abstiegskampf wünscht sich niemand, allen voran Walpurgis nicht – schon allein wegen der Arbeitsplatzsicherheit. „Wir brauchen mehr Punkte, sind da hellwach, lassen nicht nach, konzentrieren uns darauf, unsere Leistungen in Punkte umzuwandeln“, erklärt er.

Torwart Markus Schubert hat ein einfaches Rezept gegen aufkommende Unruhe: „Ich gucke nicht so großartig auf die Tabelle“, sagt er. Glauben kann man das kaum.