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Mit Hartmann soll sich Geschichte wiederholen

Dynamo verlängert den Vertrag mit dem Ex-Kapitän, der beim Neubeginn vorangehen will und unbedingt auch soll. Doch die Sache hat einen Haken.

Ein Schluck aus der Pulle und weiter geht's. Marco Hartmann hat seinen Vertrag bei Dynamo verlängert. Er will und soll beim Neuaufbau mit anpacken.
Ein Schluck aus der Pulle und weiter geht's. Marco Hartmann hat seinen Vertrag bei Dynamo verlängert. Er will und soll beim Neuaufbau mit anpacken. © Lutz Hentschel

Dresden. Jeden Tag ein Neuzugang ... Dynamos Neubeginn in der 3. Liga bekommt so langsam Konturen und auch Gesichter. Den vierten Tag in Folge haben die Dresdner einen neuen Spieler verpflichtet: nach Tim Knipping am Montag, danach Yannick Stark und dann Panagiotis Vlachodimos nun also Marco Hartmann.

Wobei, ganz so neu ist der nicht. Genau genommen ist Hartmann sogar schon seit 2013 im Verein und damit Dynamos dienstältester Spieler. Weil sein Vertrag aber zum 30. Juni ausgelaufen ist, führte ihn die Klubhomepage bereits offiziell als Abgang. Die Kaderliste ist allerdings mit dem Hinweis versehen, dass mit einigen Spielern der Vorsaison noch Gespräche über eine Vertragsverlängerung geführt werden. Und Hartmanns Name stand dabei ganz oben auf dem Zettel des neuen Sportchefs Ralf Becker - während der von Niklas Kreuzer gänzlich fehlt und sich der Außenbahnspieler inzwischen per Instagram-Nachricht von Dynamo verabschiedete.

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Hartmann, der sich inmitten des Corona-Lockdowns sicherheitshalber arbeitslos gemeldet hatte, dagegen bleibt. Am Donnerstag fixierten Verein und Spieler das, was sich nach verschiedenen Stellungnahmen in den vergangenen Wochen abzeichnete: dass der 32-Jährige beim nächsten Neuaufbau in Dresden selbst mit anpacken will und das nach Meinung der Verantwortlichen auch ausdrücklich soll. „Marco Hartmann ist eine absolute Identifikationsfigur, der für unsere Mannschaft mit seiner Persönlichkeit auf und neben dem Platz extrem wertvoll ist. Marco lebt Dynamo Dresden zu 100 Prozent und ist zudem ein absoluter Vollprofi“, sagt Becker.

Hartmann betont: Bin 32, aber noch kein Pflegefall

Auch im Hinblick auf die Entwicklung der Nachwuchsspieler und jungen Talente, auf die Trainer Markus Kauczinski in der neuen Saison noch gezielter setzen will, sei Hartmann „ein wichtiger Baustein unseres Kaders, auf den wir nicht verzichten wollen“, betont der Sportchef.

Eine Selbstverständlichkeit ist sowohl die Vertragsverlängerung als auch das überschwängliche Lob nicht - weiß Hartmann selbst gut genug. "Es gibt einen Haken in meiner Personalakte – die vielen Verletzungen in den vergangenen anderthalb Jahren. Dennoch glaube ich, dass ich in der Rückrunde zeigen konnte: Ich bin 32, aber noch kein Pflegefall", sagte er kürzlich im großen Bilanz-Interview mit Sächsische.de, in dem er auch Gründe für den Abstieg nannte. Dass er in Dresden bleiben will, hatte er bereits direkt nach dem Sieg am vorletzten Spieltag, als der Abstieg de facto feststand, mehr als nur signalisiert: "Ich bin auf jeden Fall bereit, vornweg zu gehen. Ich packe immer wieder mit an. Wenn es mir möglich ist, dann marschiere ich vornweg", erklärte er mit Tränen in den Augen.

Das Ergebnis der gegenseitigen Wertschätzung ist die Vertragsverlängerung um ein Jahr bis 2021 inklusive Option für eine weitere Verlängerung, die vermutlich an eine bestimmte Anzahl von Saisoneinsätzen geknüpft ist. Schließlich weiß auch der Verein um die Verletzungsanfälligkeit Hartmanns, der jetzt in seine achte Saison bei Dynamo geht. "Die SGD und die Stadt Dresden", sagt Hartmann, "bedeuten für mich und meine Familie Heimat. Ich möchte aktiv dazu beitragen, Dynamo wieder dahin zu bringen, wo der Verein hingehört." Wo genau das ist? Vermutlich mindestens zweite Liga.

Dreieinhalb Jahre führte er die Mannschaft als Kapitän

Geschichte könnte sich also nicht nur wiederholen, sie soll es. 2014 war Hartmann mit Dynamo schon einmal in die 3. Liga abgestiegen, entwickelte sich beim Neuaufbau zum Führungsspieler und war einer der absoluten Leistungsträger beim Zweitliga-Aufstieg 2016. Ab der Saison 2016/2017 (und dem Abgang von Michael Hefele) führte er die Mannschaft als Kapitän an, ehe im Januar 2020 der neue Trainer Markus Kauczinski einen neuen Kapitän wählen ließ.

Ein Grund dafür ist nicht zuletzt die von Hartmann angesprochene Verletzungshistorie gewesen. In den vergangenen zwei Jahren fiel der defensive Mittelfeldspieler, der auch Innenverteidiger spielen kann, immer wieder aus. Lediglich 408 Minuten stand er in der abgelaufenen Saison auf dem Platz.

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Nun ist Hartmann wieder fit, angriffslustig und motiviert, das aber sowieso immer. "Ich bin überzeugt davon, dass wir alle – die Fans und Mitglieder, die Mitarbeiter, wir als Mannschaft und das gesamte Umfeld – in der kommenden Saison mit harter Arbeit unser gemeinsames Ziel erreichen können“, erklärt er via Pressemitteilung. Dass Dynamo in der 3. Liga schon jetzt als Aufstiegsfavorit gilt, ist für Hartmann ohnehin kein Problem: "Ich glaube, um diese Rolle kommt man nicht herum. Und die sollte man auch so annehmen." Sein persönlich wichtigstes Vorhaben aber ist erst einmal ein anderes: möglichst lange verletzungsfrei bleiben.

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