merken
PLUS Dynamo

Wie Dynamo jetzt den Pechvogel aufrichtet

Ausgerechnet der Jüngste verschießt seinen Elfmeter beim Pokalspiel in Berlin. Trotzdem sagt der Trainer für Kevin Ehlers eine großartige Zukunft voraus.

Seinen Schuss kann Herthas Torwart Thomas Kraft parieren.
Seinen Schuss kann Herthas Torwart Thomas Kraft parieren. © Jan Huebner

Es ist kurz vor Mitternacht, als Kevin Ehlers am Mittwoch mit gesenktem Kopf zur Kabine geht, versunken in seinen Gedanken, die aufmunternden Schulterklopfer nimmt er vermutlich noch gar nicht wahr. Zu tief sitzt die Enttäuschung. Über das Ausscheiden sowieso, besonders jedoch über seinen Fehlschuss aus elf Metern. Dabei ist diese Geschichte bemerkenswert und passt deshalb zu diesem unglaublichen Pokalabend von Dynamo im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC – ohne Happy End, ausgeschieden nach Elfmeterschießen, auf die bitterste Art.

Ehlers, mit 18 Jahren der jüngste Dresdner auf dem Platz, ist einer der Ersten, die sich als Schütze melden: Trainer, ich bin bereit! Cristian Fiel beschreibt diesen Mut, dieses Selbstbewusstsein bemüht jugendfrei: „Diese zwei Dinger da unten hängen zu haben und mit seinen 18 Jahren in so einem Spiel nach vorne zu laufen, es zu machen: Hut ab!“ Der Trainer schaut nicht hin, fragt hinterher, ob er gut oder schlecht geschossen war. Thomas Kraft pariert stark, der Torwart spekuliert richtig.

Anzeige
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht

Das Verwahren und Transparent machen von Forschungsergebnissen auf nationaler Ebene ist ein Mammutprojekt – bei dem die TU Dresden ganz vorn mit dabei ist.

Vor Ehlers war bereits Jannik Müller am Berliner Keeper gescheitert, aber das gleicht Herthas Karim Rekik aus, der seinen Versuch zu hoch ansetzt. Also bekommt in diesem dramatischen Spiel, in dem Dynamo in der regulären Spielzeit und Hertha in der Verlängerung jeweils erst in letzter Minute der Ausgleich gelingt, auch dieses Elfmeterschießen eine Zugabe. „Ehlers war aus den ersten fünf Schützen rausgerutscht und nun dran“, erklärt Marco Hartmann die Auswahl der Reihenfolge. „Die legt der Trainer fest.“

Im Spiel zeigt sich Dynamos-Abwehrtalent Kevin Ehlers (l.) auch gegen Top-Stürmer wie Berlins Dodi Lukebakio zweikampfstark und erstaunlich abgeklärt.
Im Spiel zeigt sich Dynamos-Abwehrtalent Kevin Ehlers (l.) auch gegen Top-Stürmer wie Berlins Dodi Lukebakio zweikampfstark und erstaunlich abgeklärt. © dpa/Andreas Gora

Der Kapitän wäre der Nächste gewesen

Warum hat der Kapitän nicht geschossen, zumal er erst nach 90 Minuten eingewechselt worden war? „Ich wäre der Nächste gewesen“, sagt der 31-Jährige. „Ich ärgere mich jetzt auch, aber so ist Fußball.“ So wird Ehlers der Pechvogel in einem Spiel, in dem den Schwarz-Gelben ein kleines Glück zu einem großen Sieg fehlt. So bitter das sein mag, es gibt nach dieser Leistung keinen Grund, mit sich zu hadern. Für keinen, und erst recht nicht für Ehlers. „Der Junge hat heute gezeigt, dass er ein großartiger Spieler ist. Wenn er gesund bleibt, was ich ihm von Herzen wünsche, wird er bald in der gleichen Liga spielen wie die Hertha“, sagt Fiel und prophezeit dem Abwehrtalent damit den persönlichen Aufstieg in die höchste Spielklasse.

Ehlers, dessen Vater Uwe für Hansa Rostock in der Bundesliga gespielt hat und dort jetzt Co-Trainer ist, hat bei Dynamo einen Vertrag bis 2023 – ohne Ausstiegsklausel. Sollte er vorzeitig wechseln, würde der Verein mit einer Ablösesumme finanziell entschädigt, dafür hat Sportgeschäftsführer Ralf Minge gesorgt. Auch Fiel hat bereits einen erheblichen Anteil daran, wie sich Ehlers entwickelt. Einerseits hat ihm der Chefcoach direkt den Sprung vom Nachwuchs in die Zweitliga-Stammelf ermöglicht, andererseits gönnt er ihm nötige Pausen wie nach seinen bisher zwei Länderspiel-Reisen mit der U19-Auswahl.

Die Kameras der Fotografen sind auf ihn gerichtet: Dynamos Kevin Ehlers scheitert im Elfmeterschießen an Hertha-Torwart Thomas Kraft.
Die Kameras der Fotografen sind auf ihn gerichtet: Dynamos Kevin Ehlers scheitert im Elfmeterschießen an Hertha-Torwart Thomas Kraft. © dpa/Andreas Gora

Sollte Ehlers also am Sonntag in Stuttgart in der Startelf fehlen, hat das absolut nichts mit seinem Fehlschuss in Berlin zu tun. „Es werden sicher ein paar andere Spieler auf dem Platz stehen“, kündigt Fiel nach der kräfte- wie nervenzehrenden Pokal-Partie an. Besonders aufzurichten, brauchen sie Ehlers nicht. „Darüber kommt er hinweg“, meint Patrick Ebert, der erst in der 90. Minute und dann im Elfmeterschießen verwandelt hat. „Wir sind eine Mannschaft, werden ihm helfen. Er ist klar im Kopf und weiß das sehr gut einzuschätzen. Keiner ist ihm böse.“

Weiterführende Artikel

Dynamos Torwart droht Zwangspause

Dynamos Torwart droht Zwangspause

Das Pokalspiel in Berlin endet für Kevin Broll doppelt schmerzlich. Gegen Stuttgart am Sonntag gibt es jetzt nur einen möglichen Ersatz.

Fünf Punkte, die Dynamo jetzt Mut für die Liga machen

Fünf Punkte, die Dynamo jetzt Mut für die Liga machen

Im Pokal haben die Dresdner Hertha BSC einen großen Kampf geliefert. Was heißt das für das nächste Spiel in der zweiten Liga am Sonntag in Stuttgart?

Ebert nach dem Pokalfight: So kommen wir in die Spur

Ebert nach dem Pokalfight: So kommen wir in die Spur

Dynamo scheidet bei Hertha BSC erst im Elfmeterschießen aus. Danach sagt der Ex-Berliner, warum er Gänsehaut hatte und jeder stolz sein kann - das Interview.

Dynamo scheitert erst im Elfmeterschießen

Dynamo scheitert erst im Elfmeterschießen

Die erste Überraschung gibt es vorm Anpfiff, dazu einen Rekord, drei Tore für jede Mannschaft, Verlängerung. Und am Ende große Dramatik.

Auch Trainer und Kapitän fürchten nicht, dass dieses Erlebnis bei Ehlers nachwirkt. „Lieber gleich am Anfang der Karriere so ein Ding, damit du weißt, das kann dir auch passieren“, meint Fiel – und Hartmann blickt gleich weit voraus: „Er kann später mal seinen Enkeln erzählen: Ich habe vor 70.000 Leuten einen Elfmeter geschossen, aber, wer weiß: Vielleicht schießt er noch ein paar vor so vielen Zuschauern.“

Ehlers steht erst am Anfang, diese Erfahrung wird ihn weiterbringen, auch wenn es ihm schwerfallen mag, das jetzt schon so zu sehen.

Mehr zum Thema Dynamo