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Ebert nach dem Pokalfight: So kommen wir in die Spur

Dynamo scheidet bei Hertha BSC erst im Elfmeterschießen aus. Danach sagt der Ex-Berliner, warum er Gänsehaut hatte und jeder stolz sein kann - das Interview.

Patrick Ebert erlebt einen besonders emotionalen Abend an seiner alten Wirkungsstätte.
Patrick Ebert erlebt einen besonders emotionalen Abend an seiner alten Wirkungsstätte. © dpa/Andreas Gora

Er übernimmt die Verantwortung, das ist keine Frage. Als Dynamo in diesem verrückten Spiel, das spannender ist als mancher Krimi, in der 90. Minute einen Elfmeter bekommt, schnappt sich Patrick Ebert den Ball. Ausgerechnet er, der bei Hertha BSC groß geworden, als Profi mit den Berlinern auf- und abgestiegen ist. Doch nun spielt der 32-Jährige für Dresden, und seine Mannschaft liegt mit 1:2 zurück. Ausgleich oder Ausscheiden. Darum geht es in diesem Moment. 

Ebert trifft, und es ist egal, dass Hertha-Torwart Stefan Kraft in die richtige Ecke fliegt und den Ball fast, ja, nur fast pariert hätte. Drin ist drin. 2:2, Verlängerung. Doch das ist noch lange nicht der dramatische Höhepunkt dieser spektakulären Partie vor einer außergewöhnlichen Kulisse. Mit dem bitteren Ende für Dynamo im Elfmeterschießen.

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Danach stellt sich Ebert in den Katakomben des Olympiastadions, die hier diese Bezeichnung zu Recht tragen, den Fragen der Journalisten. Das Interview. 

Patrick Ebert, wie fassen Sie diesen packenden Pokal-Abend zusammen?

Es ist sicher einer der schönsten und zugleich komischsten Abende in meiner Laufbahn. Aber ich denke, trotz des Ausscheidens kann jeder einzelne Spieler stolz auf sich sein, was er kämpferisch geleistet, was er abgerufen hat. Drei Tore in Berlin zu schießen und nicht zu gewinnen, ist natürlich sehr, sehr bitter. Das ist der Fußball. Wir wussten, welche Qualität sie haben, sie sind immer ruhig geblieben und machen am Ende eben glücklich noch das 3:3. Elfmeterschießen ist meines Erachtens sowieso Glück, hat man auch bei meinem Elfer im Spiel gesehen. 

Hertha-Torwart Thomas Kraft ist beim Strafstoß von Patrick Ebert in der 90. Minute in der richtigen Ecke, aber...
Hertha-Torwart Thomas Kraft ist beim Strafstoß von Patrick Ebert in der 90. Minute in der richtigen Ecke, aber... © dpa/Andreas Gora

Torwart Kraft, mit dem Sie bei der Hertha noch zusammengespielt haben, hätte den Ball fast gehabt...

Wenn man in einem Jahr auf dieses Spiel zurückblickt, erinnert man sich sicher nicht an meinen Elfer. Da zählt einfach nur, dass der drin war.

Waren Sie vorher als Schütze Nummer eins eingeteilt oder haben Sie sich in diesem auch für Sie besonderen Spiel einfach den Ball geschnappt?

Ich bin immer Schütze Nummer eins.

... drin ist er doch.
... drin ist er doch. © dpa/Andreas Gora

Was bedeutet diese Erfahrung, einem Bundesligisten derart Paroli geboten zu haben, für die Mannschaft?

Auf der Leistung können wir aufbauen, das müssen wir mitnehmen. So, wie wir heute als Mannschaft zusammengestanden haben: Ich hatte Gänsehaut beim Elfmeterschießen, wie jeder den anderen im Arm hatte. Das ist schon geil, so kommen wir wieder in die Spur und werden Punkte holen.

Also kann man trotz des Ausscheidens auch Kraft daraus ziehen?

Auf jeden Fall, aber jetzt kommt wieder der Liga-Alltag. Wir müssen uns schnell erholen, alle sind ziemlich platt. Aber ab Donnerstag richtet sich der Fokus auf Stuttgart, damit wir am Sonntag gut vorbereitet und bestmöglich erholt sind, um an das anzuknüpfen, was wir hier gezeigt haben.

Am Ende steht das Ausscheiden. Wie schafft man es, die Enttäuschung wegzustecken?

Wir haben gerade im Kreis gestanden und wussten nicht, wie wir ausgeschieden sind. Wir hätten es aufgrund der kämpferischen Leistung verdient gehabt, weiterzukommen. Wenn du in der 123. Minute das 3:3 kriegst und dann im Elfmeterschießen das 5:4 auf dem Fuß hast... Das ist bitter, aber wir können trotzdem stolz sein. Das ist eine Bundesliga-Mannschaft, wir sind zurzeit Siebzehnter der 2. Liga. Das war eine riesen Leistung und das wird jeder mitnehmen.

Glauben Sie, dass das auch die jungen Spieler hinbekommen?

Kevin Ehlers (hat im Elfmeterschießen verschossen/d. Red.) ist die ärmste Sau. Er steht mit seinen 18 Jahren da vor 70.000 Leuten - das ist nicht leicht. Aber darüber kommt er hinweg. Wir sind eine Mannschaft, werden ihm helfen. Er ist klar im Kopf und weiß das sehr gut einzuschätzen. Keiner ist ihm böse.

Wie war für Sie die Rückkehr an die einstige Wirkungsstätte?

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Wer hätte das gedacht: Die Dresdner sind gegen Hertha BSC nah dran am Sieg. Im Elfmeterschießen wird es dramatisch. Die Analyse und die Reaktion der Trainer.

Emotional natürlich. Ich bin diese Treppen zum Stadion zuletzt vor sieben Jahren hoch gegangen. Das ist schon etwas Schönes, wenn man hier reinkommt. Es ist immer eine besondere Atmosphäre, aber heute war sie noch spezieller mit den 35.000 Fans in Schwarz-Gelb. Das ist einmalig in Deutschland, bemerkenswert.

Das Gespräch notierte: Sven Geisler.

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