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Minge zu Dynamos Krise: Druck auf dem Kessel

Interview-Anfragen hatte der Sportchef eigentlich abgelehnt. Doch nach der Pressekonferenz am Donnerstag stellte er sich kurz zum Gespräch.

Sportgeschäftsführer Ralf Minge blickt derzeit sorgenvoll auf die Entwicklung bei Dynamo.
Sportgeschäftsführer Ralf Minge blickt derzeit sorgenvoll auf die Entwicklung bei Dynamo. © Robert Michael

Ralf Minge, wie schätzen Sie die Situation für Dynamo ein?

Man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um die richtig einzuordnen. Wir haben richtig Druck auf dem Kessel. Die Ergebnisse seit Jahresbeginn sprechen Bände.

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Sie waren am Montag mit Maik Walpurgis zum Krisengespräch beim Aufsichtsrat. Wie sicher ist der Trainer?

Erst einmal ist es grundsätzlich das gute Recht des Aufsichtsrates und sowieso die Pflicht für die handelnden Personen, sich die Situation schildern zu lassen. Da habe ich hier bei Dynamo Dresden atmosphärisch auch schon andere Veranstaltungen erlebt. Wenngleich sehr kritisch damit umgegangen wurde, aber dafür haben wir ja auch allen Anlass gegeben.

Gibt es ein Ultimatum für den Trainer?

Ein Ultimatum im klassischen Sinne gibt es nicht. Wir brauchen aber auch nicht rumzulabern. Wir wissen, wie bedrohlich die Situation ist. Insofern sind wir alle - und ich reduziere das nicht auf den Trainer - im Verein gefragt, den Turnaround zu schaffen. Deshalb steht die Aussage, dass im Moment der Fokus auf dem Auswärtsspiel in Darmstadt liegt. Alles andere werden wir nach dem Spiel bewerten. Dafür zählt nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Leistung der Mannschaft. Sie können uns abnehmen, dass wir nicht im Ansatz oberflächlich mit der Situation umgehen. Sie ist ernst, nichtsdestotrotz behalten wir einen kühlen Kopf und werden tagtäglich alles neu bewerten.

Wie ist es zu erklären, dass die Mannschaft nach dem Trainingslager nicht in Gang kommt?

Das ist vielschichtig, den Finger direkt in die Wunde zu legen deshalb schwierig. Es spielen mehrere Mosaiksteinchen eine Rolle. Das Ergebnis ist enttäuschend. Wir haben versucht, in der Winterpause mit einem längeren Trainingslager, mit attraktiven Testspiel-Gegnern Bedingungen zu schaffen, um auf die Rückrunde optimal vorbereitet zu sein. Es hat nicht gegriffen, das zeigen die Resultate, das zeigt die Leistung. Insofern müssen wir das konstatieren.

Reden Sie auch selbst mit der Mannschaft?

Selbstverständlich habe ich Kontakt zur Mannschaft, aber ich bin nicht der Trainer und halte jeden Tag irgendwelche Sitzungen ab. Wenn ich das Gefühl habe, ich muss eingreifen, wenn Unzulänglichkeiten da sind, werde ich das tun. Das war vor dem Spiel in Duisburg der Fall, als es nicht nur eine klare Ansage gab, sondern auch die entsprechenden Sanktionen dazu. Vielleicht haben wir auch dort verpasst, diesen Präzedenzfall (*) zu nehmen und konsequenter mit Unzulänglichkeiten umzugehen.

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Das Gespräch notierte Sven Geisler.

*) Anmerkung der Redaktion: Damals war Philip Heise für das Spiel gestrichen worden und durfte eine Woche nicht mit der Mannschaft trainieren. In der Winterpause wechselte der Verteidiger zum englischen Zweitligisten Norwich City.